Vergriffen

Editorial: Wenn "Freibier" zu Ärger führt

"Freibier" lockt immer viele Kunden. Aber kommt der Anbieter mit dem Kundenansturm überhaupt zurecht? Zwei Beispiele von Marketing-Aktionen, die zumindest vorübergehend vor dem Scheitern standen.
AAA
Teilen (6)

Wenn Marketing-Aktionen scheiternWenn Marketing-Aktionen scheitern Die letzte Woche zeigte erneut, dass Firmen mit Marketing-Maßnahmen auch das Gegenteil dessen erreichen können, was sie sich wünschen. Statt Aufmerksamkeit erreichen sie dann Verärgerung bei den potenziellen Kunden. Schon so mancher Händler musste beispielsweise lernen, dass es meist nicht ratsam ist, die Kunden mit Freibier zu locken. Kommen dann nämlich zu viele Interessenten, sind die Biervorräte schnell alle, und die Mehrheit zieht verärgert wieder ab. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die "Kunden" nur für das Bier, nicht aber die eigentlich beworbenen Produkte oder Dienstleistungen interessieren.

Letztes Wochenende hatte beispielsweise die Handelskette "Netto" zum dreijährigen Bestehen ihres online-Shops das iPhone SE in der 64-GB-Variante für nur 399 Euro im Angebot. Zu dem Preis bekommt man derzeit online gerade so die Standard-Variante des iPhone SE mit nur 16 GB Speicher. Die 64-GB-Variante, zu der mangels Steckplatz für eine Speicherkarte dringend zu raten ist, wenn man das Gerät etwas intensiver nutzen will, kostet 60 bis 80 Euro mehr. Das Netto-Angebot war also ein echtes Schnäppchen. Entsprechend viele Medien berichteten darüber. Und entsprechend schnell war es ausverkauft.

Ungünstig gelaufen war bei dem Angebot zudem, dass es in dem Katalog aufgeführt war, in dem die Aktionsware beworben wurde, die ab Montag, den 5. Dezember, in die Netto-Läden kommt. Online laufen die Aktionen aber jeweils schon ab dem Freitag davor, im konkreten Fall also ab dem 2. Dezember nachmittags. Zu diesem Zeitpunkt war das Apple-Smartphone wohl zu dem günstigen Preis tatsächlich verfügbar. Doch schon wenige Stunden später war es ausverkauft.

In Summe war das Netto-Angebot also doppelt schlecht gelaufen: Der Aktionsbeginn wurde unklar kommuniziert, so dass viele Interessenten nicht rechtzeitig im Online-Shop vorbeikamen. Trotzdem reichte die Aktionsware offensichtlich vorne und hinten nicht aus, sonst wäre das Angebot ja nicht derart schnell vergriffen gewesen. Die Folge: Eine Menge Ärger bei Interessenten.

Massenansturm auf die Server

Aber selbst die Mobilfunk-Profis der Deutschen Telekom sind von dem Ansturm auf eines ihrer Angebote böse überrascht worden: Die Ankündigung, dass sich Telekom-Mobilfunk-Kunden (also solche, die es schon sind, oder dieser Tage werden) zusätzliche 5 GB Freivolumen mit maximaler LTE-Geschwindigkeit sichern können, brachte die Anmeldeseite für das Datenschnäppchen zum Erliegen. Zeitweilig ging nichts mehr.

Die Telekom hat aber wohl bei den Server-Kapazitäten nachgelegt, so dass die Angebotsseite mittlerweile wieder gut erreichbar ist. Die Kunden der ersten Welle, die auf die überlasteten Server trafen, haben sich auch später noch anmelden können und ebenfalls das kostenlose Datenpaket erhalten. Sie dürften daher überwiegend trotz des initialen Ärgers insgesamt zufrieden mit der Aktion gewesen sein. Und die Telekom hatte als Bonus, dass erneut über ihre Aktion berichtet wurde, und ihr Name entsprechend noch öfters in den Medien war.

Teilen (6)

Weitere Editorials