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Lycamobile Deutschland: Nach Um­be­nennung insolvent

Die Wirt­schafts­zei­tung Handels­blatt berichtet, dass sich die Lyca­mobile Deutsch­land umbe­nannt und dann Insol­venz ange­meldet hat. Es geht um nicht bezahlte Umsatz­steuer und eine nicht auffind­bare Firma.

Lycamobile Deutschland benennt sich um und geht in Insolvenz. Kunden nicht betroffen. Lycamobile Deutschland benennt sich um und geht in Insolvenz. Kunden nicht betroffen.
Bild: Lycamobile UK
Der Mobil­funk­anbieter Lyca­mobile, der als virtu­eller Netz­anbieter im Netz von Voda­fone mit der Vorwahl 01521 funkt, hinter­lässt in Deutsch­land eine Steu­erschuld von 70 Millionen Euro. Das berichtet die Wirt­schaft­zsei­tung "Handels­blatt". Demnach hatte der über­wie­gend im Ethno-Markt aktive Anbieter über Jahre in Deutsch­land keine Umsatz­steuer abge­führt.

Nach Umbe­nen­nung insol­vent

Im Mai 2021 habe sich die Lyca­mobile Germany dann in Amalasandan Dienst­leis­tungen GmbH umbe­nannt, und wenige Tage später die Insol­venz ange­meldet. Beson­ders pikant: An der offi­ziellen Post-Adresse in Frank­furt gab es niemand, der darüber Auskunft geben konnte, berichtet das Handels­blatt. Der vom Gericht bestellte Insol­venz­ver­walter Jan Roth habe weder ein Büro, noch Mitar­beiter, geschweige denn Unter­lagen vorge­funden.

Wie der Insol­venz­ver­walter dem Handels­blatt bestä­tigte, habe das Amts­gericht Frank­furt das Insol­venz­ver­fahren über die frühere Lyca­mobile Germany GmbH bereits am 30. August 2021 eröffnet.

Langer Streit mit Finanz­behörden

Lycamobile Deutschland benennt sich um und geht in Insolvenz. Kunden nicht betroffen. Lycamobile Deutschland benennt sich um und geht in Insolvenz. Kunden nicht betroffen.
Bild: Lycamobile UK
Nach Angaben von Roth führte vor allem ein Streit mit den Finanz­behörden zur Insol­venz. Eine Außen­prü­fung ergab schon 2016, dass Lyca­mobile Germany die Umsatz­steuer auf in Deutsch­land erzielte Umsatz­erlöse nicht abge­führt habe. Lyca­mobile hielt dies wohl nicht für nötig, weil sie ab 2013 ihre Leis­tungen gegen Provi­sion für eine irische Schwes­ter­gesell­schaft erbrachte. Die Steu­erbe­hörden setzen sich jedoch durch alle gericht­lichen Instanzen durch. Ihre Ansprüche gegen Lyca­mobile lagen zuletzt bei mehr als 70 Millionen Euro.

Die letzte Nieder­lage von Lyca­mobile Germany erfolgte im Februar 2021 vor dem Bundes­finanzhof. Am 7. Mai 2021 nannte sich das Unter­nehmen um und hieß nun Amalasandan Dienst­leis­tungen GmbH. Am 18. Mai folgte der Insol­venz­antrag. Die Geschäfts­lei­tung hinter­ließ dem Insol­venz­ver­walter kaum eine Spur. Laut Handels­blatt-Recher­chen hat die Amalasandan Dienst­leis­tungen GmbH kein eigenes Büro, sämt­liche Geschäfts­unter­lagen seien jenseits des Zugriffs des Insol­venz­ver­wal­ters. Der einzige Mitar­beiter sitze in London: Geschäfts­führer Chris­topher Tooley. Er ist zugleich Vorstand­vor­sit­zender des Gesamt­unter­neh­mens. Global hat Lyca­mobile nach eigenen Angaben 15 Millionen Kunden in 23  Ländern. Der geschätzte Umsatz liegt bei zwei Milli­arden Euro.

Auswir­kungen auf Lyca­mobile Kunden?

Für Kunden von Lyca­mobile dürfte dieser Vorgang keine spür­baren Auswir­kungen haben. Die weiterhin erreich­bare Webseite lycamobile.de gibt im Impressum als "Lizenz­halter BNetzA" die Lyca­mobile Europe Limited mit der "einge­tra­genen Adresse": 3rd Floor, Walbrook Buil­ding, 195 Marsh Wall, London, E14 9SG, United Kingdom an. Damit befindet sich das Haupt­quar­tier des Unter­neh­mens laut Google Maps auf der "Isle of Dogs" (Insel der Hunde) in den Londoner Dock­lands.

Lauf Webseite ist das Unter­nehmen unter der Handels­regis­ter­nummer: Regis­trar of Compa­nies (England and Wales) 09385794 einge­tragen, die deut­sche Umsatz­steuer-Iden­tifi­kati­ons­nummer laute DE306653122 und als Geschäfts­führer (Direktor) wird Chris­topher Tooley ange­geben, der laut der Wirt­schafts-Info-Webseite companyhouse.de auch Geschäfts­führer der Amalasandan Dienst­leis­tungen GmbH ist.

Krea­tive Buch­füh­rung

Über Probleme mit den Finanz­behörden berich­tete bereits 2016 die Tages­zei­tung "Die Welt" unter dem Titel Das unheim­liche Telefon-Impe­rium ausführ­lich. Die Welt beschei­nigte dem Unter­nehmen damals eine "krea­tive Buch­füh­rung", um Gewinne möglichst in Länder zu trans­ferieren, wo wenig Steuern zu zahlen seien.

Trotz Regis­trie­rungs­pflicht habe man neue SIM-Karten ohne Angaben oder Prüfung der persön­lichen Daten frei­geschaltet bekommen, die Karten seien gerade im Banden­bereich und der orga­nisierten Krimi­nalität recht "beliebt".

Karte regel­mäßig beob­achten

Sensible Kunden, die eine Prepaid-SIM-Karte von Lyca­mobile nutzen, sollten nur so viel Guthaben nach­laden, wie in naher Zukunft sicher verbraucht werden kann. Aus eigener Erfah­rung wissen wir, dass Prepaid­karten von Lyca­mobile relativ kurz­fristig abge­schaltet werden können, wenn nicht regel­mäßig Guthaben nach­geladen wird. Darauf weist auch die unter einer Frank­furter-Rufnummer erreich­bare Hotline hin, die in der Regel verständ­lich deutsch spricht und vermut­lich in Groß­bri­tan­nien ange­sie­delt ist.

Lyca­mobile-Kunden sollten sich auch ihren Online-Zugang auf lycamobile.de einrichten und regel­mäßig prüfen, welche Optionen gebucht, welches Guthaben noch vorhanden und wie lange es noch gültig ist.

Vorwahl 01521 ist tarif­lich "Fremd­netz"

Die von Lyca­mobile in Deutsch­land genutzte Vorwahl 01521 ist zwar tech­nisch im Netz von Voda­fone ange­sie­delt, wird aber tarif­lich bei Original-Voda­fone Kunden als "fremdes Netz" geführt. Seitdem Flat­rates in alle deut­schen Netze üblich sind, spielt das kaum noch eine Rolle, außer bei Voda­fone-Kunden mit relativ alten Tarifen, bei denen nur "netz­interne" Verbin­dungen kostenlos sind.

Größter Konkur­rent von Lyca­mobile ist das Unter­nehmen Lebara, das nächstes Jahr das Netz wech­seln wird.

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