Mobiles Bezahlen

Bezahldienst Luupay hört in Deutschland auf

Luupay stellt Service in Deutschland ein, Speedload und Ay Yildiz betroffen

Mobiles Bezahlen hat es in Deutschland sehr schwer. Nachdem das weitverbreitete mobile Bezahlsystem Paybox 2003 seine Tore in Deutschland für Endverbraucher geschlossen hatte, versuchten sich noch eine Weile kleinere Anbieter - alle ohne Erfolg. Die norwegische Contopronto A/S wollte ihr System eigentlich Luup nennen, schwenkte aber auf "Luupay" um, um eine Verwechslung mit dem Prepaid-Angebot von o2 Loop zu vermeiden. Mit dem Produkt Speedload gelang es, beim Service-Provider debitel, der schon mit Paybox gearbeitet hatte und anderen, das bargeldlose Aufladen von Prepaidkonten zu etablieren, später kam zu den akzeptierten Anbietern noch der Anbieter Ay Yildiz dazu, der sich an die türkischsprachige Community in Deutschland richtet und im Netz von E-Plus zu Hause ist.

Echte Möglichkeiten, generell mit dem Handy bezahlen zu können, sei es an Kiosken, Tankstellen oder beim Einkauf im Internet gab es in Deutschland kaum. Die Möglichkeit von Luup, wie beim ehemaligen Paybox-Angebot, das Geld per SMS an andere Mitmenschen verschicken zu können, war kaum bekannt und wurde auch kaum beworben.

Insider vermuten, dass eine restriktive Bankenkontrolle, die Gesetze zur Verhinderung vor Geldwäsche und die Angst der etablierten Bankhäuser vor neuer ungewohnter Konkurrenz alle Versuche behindert haben könnten. Der Start von Luupay stand unter keinem guten Stern. Anfragen von Pionierkunden an den Customer-Care wurden nicht immer in Echtzeit beantwortet, so geriet das System schlicht in Vergessenheit.

Luupay zieht sich aus Deutschland zurück

In einer E-Mail und einer SMS (Absender 26262), die heute bei den noch verbliebenen Luupay-Kunden einging, teilt das Unternehmen mit, dass Luup sich verändere. Zitat: "Wir arbeiten nun mit Banken und Finanzinstituten auf der ganzen Welt zusammen, um Ihren Kunden und Händlern mobile Zahlungen zu ermöglichen. So können wir unseren Service weltweit ausbauen und verbessern. Künftig werden wir jedoch keine Dienste mehr an Kunden und Händler in Ihrer Region anbieten."

Und weiter: "Da Ihr Kontostand 0,00 Euro ist, haben wir Ihr Konto automatisch geschlossen. Es sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich." Wer noch Guthaben auf seinem Luupay-Konto hat, kann sich dieses entweder auf sein Bankkonto überweisen oder karikativen Zwecken spenden. Aufgeben wolle die Contopronto A/S ihr Geschäft nicht und es sei auch nicht auszuschließen, dass Luupay eines Tages wieder nach Deutschland zurückkommen könnte, so die Auskunft am Telefon. Die Zahl der Luupay-Kunden dürfte in Deutschland extrem gering gewesen sein, Zahlen wurden nie veröffentlicht.

Die einzige Alternative: MPASS

Im Moment existiert nur noch MPASS, das Bezahlsystem für Vodafone- und o2-Kunden. Kunden von T-Mobile, E-Plus oder vistream können sich auch für MPASS anmelden. Der Internet-Shop-Software-Hersteller Intershop hat jetzt eine Schnittstelle zu MPASS in seine Software aufgenommen, wodurch die Chance steigt, dass MPASS eine größere Akzeptanz bekommen könnte. Etwaige Werbeaktivitäten sind bislang aber noch kaum sichtbar.

Insider wissen, dass die technische Abwicklung für MPASS durch Paybox abgewickelt wird, das jetzt zum Unternehmen Sybase gehört und über langjährige Erfahrungen auf diesem Sektor verfügt. Was in Deutschland nicht funktionieren will, ist in Österreich gar kein Problem: Dort ist die marktführende Mobilkom, die Mobilfunktochter der Telekom Austria an Paybox beteiligt. Selbst in Afrika oder Afghanistan gehört mobiles Bezahlen per SMS zum Alltag. Es ist zu hoffen, dass in diesem Punkt auch bald in Deutschland Zustände wie am Hindukusch herrschen.