Mediennutzung

Kabel-Chef Lutz Schüler: Stabile Preise bei steigender Qualität

Der Chef von Unitymedia-KabelBW spricht über den deutschen Markt
Von Marie-Anne Winter
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Der Chef des Kabelnetzbetreibers Unitymedia-KabelBW Lutz Schüler sprach mit der Berliner Zeitung über die Zukunft des Kabelfernsehens und den Telekommunikations-Markt. Schüler ist überzeugt, dass die gerade die Kabelanbieter in der Lage sein werden, die rasant ansteigende Nachfrage nach Bandbreite für die Datenübertragung zu befriedigen: Mit der nächsten Stufe des DOCSIS-3.0-Standards, DOCSIS 3.1, wären Übertragungs-Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich möglich, bei DSL dagegen wäre bei maximal 100 MBit/s Schluss.

Die höhere Bandbreite sei aber nötig, weil immer mehr Menschen Pay-TV-Angebote nutzten und ihr Programm selbst zusammenstellen und zeitversetzt fernsehen möchten. Dazu käme, dass die Bildschirme immer größer würden und entsprechend HD-Inhalte nachgefragt würden - außerdem stünde mit der 4K-Technologie bereits der nächste Standard für noch viel schärfere Bilder vor der Tür, der allerdings auch zehnmal mehr Kapazität benötige wie HD. Aber irgendwann würden auch 4K-Videos über das Internet abgerufen. Insofern ist sich Schüler sicher, dass der Bedarf nach Bandbreite weiterhin massiv steigen wird.

Die Frage bleibt allerdings, ob die bisherigen Geschäftsmodelle für das bezahlte Fernsehen, wie es die Kabelnetzbetreiber bisher angeboten haben, weiterhin gegen Abo-Anbieter wie Watchever oder den US-Platzhirsch Netflix, der mittlerweile sogar eigene Serien produziert, bestehen können. Schüler sieht durchaus einen Kampf zwischen Inhalte-Anbietern wie Google mit Youtube und Infrastruktur-Anbietern wie eben Unitymedia-KabelBW. Um in einem solchen Kampf bestehen zu können, müssten die Unternehmen möglichst groß sein - deshalb sei die derzeitige Konsolidierung im deutschen, aber auch im europäischen Markt nötig.

Der Markt hat sich grundlegend verändert

Unitymedia-KabelBW-Chef Lutz Schüler bei der Präsentation der Settop-Box Horizon.Unitymedia-KabelBW-Chef Lutz Schüler bei der Präsentation der Settop-Box Horizon. Insofern ist Schüler auch optimistisch, dass das Urteil vom Oberlandesgericht Düsseldorf, das den vom Kartellamt bereits genehmigten Zusammenschluss von Unitymedia und Kabel BW wieder aufgehoben hat, keinen Bestand haben wird.

Inzwischen habe sich die Situation entscheidend verändert: Durch die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland durch den Mobilfunker Vodafone und die anstehende Fusion der KPN-Tochter E-Plus mit der Mobilfunk-Tocher o2 von Telefónica hätten sich die Gewichte auf dem deutschen Markt verschoben, die Lage sei jetzt eine ganz andere als 2011, als die Fusion von Unitymedia und KabelBW erstmals angemeldet wurde.

Vodafone können nun bundesweit flächendeckend neben Mobilfunk auch Festnetztelefonie, schnelles Internet und Fernsehempfang anbieten, auch in den drei Bundesländern, in denen nicht Kabel Deutschland, sondern Unitymedia-KabelBW aktiv ist. Nur dort eben nicht im Kabelnetz, sondern über DSL und Mobilfunk. Daher sei es jetzt notwendiger als zuvor, dass Unitymedia und KabelBW zusammen im Wettbewerb gegen die beiden großen Konkurrenten Telekom und Vodafone antreten.

Unitymedia-KabelBW lege es deshalb darauf an, den bestehenden Festnetzkunden zunehmend auch mobile Lösungen anzubieten. Es sei sehr viel leichter, einem Festnetzkunden Mobilfunk zu verkaufen als umgekehrt. In den Städten wäre es vergleichsweise einfach, ein großflächiges WLAN-Angebot zu machen. WLAN bringe (zumindest über kurze Strecken) höhere Übertragungsgeschwindigkeiten als LTE und sei sehr viel günstiger. Die Kabelkunden könnten dann auch unterwegs im Café ihre Fernsehangebote nutzen wie zuhause im Wohnzimmer.

Die Gefahr, dass sich die verbleibenden großen Spieler im Markt zusammentun könnten, um die Preise hochzutreiben, sieht Schüler indes nicht: Die Mediennutzung werde sich in der nächsten Zeit sehr verändern und es gebe derzeit einen starken Wettbewerb um die besten Lösungen. Deshalb erwartet Schüler, dass die Preise für den Kunden in etwa stabil bleiben - bei gleichzeitig steigender Qualität der Angebote.

Weitere Informationen über den Internet-Zugang per TV-Kabel und die Angebote der deutschen Kabelnetzbetreiber finden Sie in unserem Ratgeber.

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