Reise-SIM

Lufthansa Mobile im Test: Die weltweite Roaming-SIM

Die größte deutsche Airline bietet mit Lufthansa Mobile eine SIM-Karte für weltweites Roaming, auch außerhalb der EU. Wir haben Einrichtung und Nutzung der Roaming-SIM getestet. In den AGB sind uns Merkwürdigkeiten aufgefallen.
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Obwohl die Zusatzgebühren für Roaming innerhalb der EU ab Juni wie berichtet abgeschafft werden, wird es weiterhin internationale Roaming-SIM-Karten und Roaming-Hotspots geben. Denn diese bieten Telefonie und Surfen außerhalb der EU zu kontrollierbaren Preisen - in vielen Fällen sind die Tarife günstiger, als den deutschen Tarif im Reiseland zu nutzen.

In der Regel stammen internationale Roaming-SIM-Karten von Anbietern außerhalb Deutschlands. Eine mit einem deutschen Namen versehene SIM gibt es bei der größten deutschen Airline und nennt sich Lufthansa Mobile. Erste Details zur Lufthansa Mobile Prepaid-SIM haben wir bereits in einem ersten Bericht verraten. Nun hat uns die Lufthansa eine SIM-Karte zum Test überlassen und wir haben das Angebot von Lufthansa Mobile innerhalb Deutschlands getestet.

Lufthansa Mobile beruht auf Lösung von Naka Mobile

Wie bereits berichtet ist Lufthansa Mobile dann doch nicht so ganz "deutsch", denn dahinter steckt der Anbieter Naka Mobile, der ebenfalls eine internationale Roaming-SIM im Sortiment hat. Auf dieser Lösung baut Lufthansa Mobile auf. Naka Mobile hat seinen Sitz in der Schweiz und in Honkong. Mittlerweile haben wir auch von Naka Mobile eine Test-SIM erhalten. Diese werden wir separat testen, da es durchaus Unterschiede zwischen den beiden Lösungen gibt.

Lufthansa Mobile kann entweder an Bord eines Lufthansa-Flugs oder auf der Webseite der Fluggesellschaft erworben werden. Unsere SIM-Karte kam direkt vom technischen Dienstleister Naka Mobile aus der Schweiz, trug aber das Lufthansa-Mobile-Branding. Die SIM-Karte kostet 29 Euro und beinhaltet ein Startguthaben von 19 Euro.

Der Vorteil dieser Preisgestaltung ist, dass der Kunde sofort nach der Registrierung lostelefonieren und surfen kann, ohne dass er mühsam Kreditkartendaten eingeben und Guthaben aufladen muss, so wie dies bei vielen internationalen Roaming-SIM-Karten üblich ist.

Das Starterkit von Lufthansa Mobile
Das Starterkit von Lufthansa Mobile

Ersteinrichtung und Registrierung

Die Lufthansa-Mobile-SIM kommt in einer etwa scheckkartengroßen Hülle, sie wird in allen drei Formaten, also Mini/Micro/Nano-SIM ausgeliefert und ist daher in allen Handys und Smartphones sofort nutzbar. Ein guter Service der Lufthansa besteht darin, der SIM-Karte ein Öffnungswerkzeug beizulegen. Damit kann der Kunde auf der Reise am eigenen Smartphone sofort den SIM-Schacht öffnen und die SIM-Karte einlegen, ohne sich irgendwo eine Büroklammer besorgen zu müssen oder mit anderen mehr oder weniger geeigneten Hilfsmitteln herumhantieren zu müssen.

Die beiliegende Kurzanleitung enthält alle wichtigen Informationen zur Registrierung, ist allerdings ausschließlich in Englisch gehalten. Zunächst muss der Kunde auf lufthansa-mobile.com gehen, um die SIM zu registrieren. Dazu wird entweder ein Personalausweis oder ein Reisepass benötigt. Zunächst sind SIM-Karten-Seriennummer und PUK-Code einzugeben, beide Angaben sind auf der SIM-Karte aufgedruckt.

Nach der Eingabe seiner persönlichen Daten darf sich der Kunde eine Rufnummer aussuchen. Uns wurden im Test mehrere deutsche Handynummern vorgeschlagen, die alle mit +49-1577-744 begannen, lediglich die darauffolgenden vier Ziffern variierten. Der Neukunde muss gegebenenfalls nicht nur die Nummer des Reisepasses oder Personalausweises eintippen, sondern auch einen Scan hochladen. Nach der Bestätigung unserer E-Mail-Adresse und der Nutzungsbedingungen war die SIM freigeschaltet. Schon wenige Minuten nach dem Hochladen unseres Personalausweis-Scans kam die Mitteilung, dieser sei geprüft und akzeptiert worden.

Tarife, Datennutzung und Telefonie in Deutschland

Verglichen mit anderen Ethno-Discountern und Roaming-SIM-Lösungen bietet Lufthansa Moblie nur sehr wenige Tarifoptionen, nämlich exakt zwei: Das Lufthansa Mobile Launch Data Package 500 MB kostet monatlich 9,90 Euro und beinhaltet 500 MB für die Nutzung in Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland sowie Zypern. Wie aus der Auflistung zu ersehen ist, gilt das Paket also nicht in der Schweiz, in Norwegen oder der Türkei.

Für dieselben Länder kann auch das Lufthansa Mobile Launch Data Package EU 1000 MB mit monatlich 1 GB gebucht werden. Dieses kostet 14,90 Euro für 30 Tage. Kombinierte Daten-, SMS- und Minutenpakete gibt es nicht, einzelne SMS- oder Minutenpakete ebenfalls nicht. In unserem Test entschlossen wir uns zur Buchung der 500-MB-Option.

Für die Telefonie gelten also jeweils die in der offiziellen Tarifübersicht aufgeführten Tarife. Innerhalb Deutschlands kosten Telefonate in alle Netze 10 Cent pro Minute, SMS werden mit jeweils 8,9 Cent abgerechnet, ankommende Telefonate sind kostenlos. Interessant ist, dass VoIP-Anrufe auf Festnetznummern günstiger sind als direkte Telefonate: Weitergeleitete Anrufe auf eine Festnetznummer in Deutschland kosten 1,6 Cent pro Minute, ein VoIP-Anruf auf eine Mobilfunknummer in Deutschland berechnet der Anbieter mit 6 Cent Minutenpreis. Aus der beiliegenden Kurzanleitung wird ersichtlich, dass Lufthansa Mobile unter VoIP das Callback-Verfahren versteht. Pro Daten-MB verlangt Lufthansa Mobile in Deutschland 10 Cent, wenn keine der beiden vorigen Optionen gebucht ist.

Der SIM liegt ein Öffnungswerkzeug bei
Der SIM liegt ein Öffnungswerkzeug bei

Datennutzung innerhalb Deutschlands im Telefónica-Netz

Doch auch nach der Ersteinrichtung und der Optionsbuchung war auf unserem OnePlus One das Surfen nicht sofort möglich, da zunächst manuell ein APN angelegt werden muss. Darüber informierte uns Lufthansa Mobile zunächst per SMS. Die darauffolgende Konfigurations-SMS war allerdings keine installierbare Konfigurationsnachricht, sondern wieder eine Text-SMS. In dieser stand, dass für den APN manuell "Internet" als Name, "chili" als APN sowie "default" als APN-Typ einzugeben sind. Erst danach baute das Smartphone eine mobile Datenverbindung im Telefónica-Netz auf.

Als Netzkennung zeigt das Smartphone übrigens "E-Plus/DE" an. Ins LTE-Netz buchte sich die SIM allerdings nicht ein. Auf unserer gleichzeitig getesteten SIM-Karte von Naka-Mobile, dem technischen Dienstleister für Lufthansa Mobile, erhielten wir eine SMS, dass der Anbieter empfiehlt, Datenroaming einzuschalten und LTE als Netzstandard zu deaktivieren. Auf der Lufthansa-Mobile-SIM erhielten wir diese SMS nicht, wobei sich zeigte, dass sie durchaus wichtig ist: Hatten wir LTE als bevorzugtes Netz eingestellt, erzielten wir oft nur Datenraten im kBit/s-Bereich, wechselten wir manuell auf 3G, funktionierte alles wie es sollte.

Per HSPA+ erzielten wir bei diversen Testmessungen Werte zwischen 2 und 10 MBit/s in einer Innenstadt im Rhein-Main-Gebiet. Interessant war hierbei, dass der Upstream oft um 200 bis 500 kBit/s höher war als der Downstream. Der Ping lag bei mehreren Messungen über 100 Millisekunden, ansonsten um 75 Millisekunden, was nicht berauschend ist.

Einerseits kann man diese Werte kritisieren, andererseits wären angesichts der tariflichen Situation höhere Downstream-Werte ganz schnell eine Kostenfalle, wenn der Kunde die MB-basierte Abrechnung nutzt. Beziehungsweise das mit 500 MB und 1 GB recht knapp bemessene Datenvolumen wäre viel schneller verbraucht, wenn der Up- und Downstream höher wären. Für das Surfen auf Webseiten, E-Mail und Messenger reicht die Geschwindigkeit nach unserer Erfahrung, das Abrufen von Videos ist bei der MB-basierten Abrechnung auf keinen Fall zu empfehlen.

Telefonie im Test und Tarifabfrage am Handy

Sehr zufrieden waren wir mit der Telefonie über die Lufthansa-Mobile-SIM. Auf der Kurzanleitung empfiehlt der Anbieter, auch bei Telefonaten in Deutschland die Landesvorwahl +49 stets mitzuwählen und alle Kontakte im Adressbuch auf die Form +49-Vorwahl-Rufnummer zu ändern.

In unserem Test war das allerdings nicht notwendig, alle Kontakte sowie direkt eingetippten Rufnummern wurden auch ohne Landesvorwahl angewählt. Die Sprachqualität war dabei nicht von der üblichen Qualität des Telefónica-Netzes zu unterscheiden, die Stimmen klangen stets verzerrungsfrei und es gab keine Aussetzer oder Gesprächsabbrüche.

Lufthansa Mobil behauptet in der Anleitung übrigens, stets die am jeweiligen Standort günstigste Telefonie-Technik zu nutzen. Ruft man eine Telefonnummer an, soll das Gespräch entweder direkt durchgestellt oder per Callback vermittelt werden, wenn dies günstiger ist. Bei unseren Telefonaten ins deutsche Festnetz wurden die Gespräche stets direkt durchgestellt und mit 10 Cent pro Minute berechnet. Per Callback hätten sie nur 1,6 Cent pro Minute gekostet.

Wer keinen Zugriff auf den Tarifrechner von Lufthansa Mobile im Internet hat, kann auch per Kurzwahl *141# die Tarife für das aktuelle Land abrufen. Der eigene Guthabenstand wird mit *130# angezeigt.

Merkwürdiger Webauftritt, ausführliches Kundencenter, Fazit

Als etwas merkwürdig empfanden wir den Webauftritt von Lufthansa Mobile. Diverse Informationen wie das in Deutschland verwendete Netz, die Art und Herkunft der vergebenen Rufnummern sowie den technischen Dienstleister erfährt der Kunde vor der Bestellung gar nicht. Der Tarifrechner für die einzelnen Tarife ist zwar auch ohne Login abrufbar, es existiert allerdings keinen Hinweis auf die beiden für die EU zubuchbaren Datenoptionen.

Es gibt auch keine Möglichkeit, alle Tarife oder die AGB in einer PDF-Datei herunterzuladen. Der Nutzer erfährt auch nicht, ob die gesetzlich vorgeschriebene Möglichkeit besteht, die Rufnummer zu einem anderen Anbieter zu portieren. Der Kundenservice ist ausschließlich per E-Mail unter support@lufthansa-mobile.de erreichbar, eine Telefonnummer oder Postadresse gibt es für die Kontaktaufnahme nicht.

Deutlich auskunftsfreudiger als bei anderen Mobilfunkanbietern ist allerdings das Online-Kundencenter von Lufthansa Mobile. In der Übersicht werden nicht nur der aktuelle Guthabenstand und das bereits verbrauchte Datenvolumen angezeigt, sondern jegliche Aktivität, die mit der SIM durchgeführt wurde. Dieses Protokoll lässt sich auch als PDF-Datei herunterladen. Angerufene Telefonnummern erscheinen in diesem Protokoll unverkürzt. Im Kundencenter können auch Rufumleitungen festgelegt und die Mailbox konfiguriert werden, außerdem kann der Kunde eine automatische Guthabenaufladung einrichten, falls das Guthaben unter einen zuvor festgelegten Wert sinkt.

Diverse kostenfreie Informationsservices müssen explizit vom Kunden beauftragt werden, sofern er diese wünscht, beispielsweise eine monatliche Zusammenfassung aller Aktivitäten per Mail, ein SMS-Hinweis bei geringem Guthaben sowie eine SMS-Benachrichtigung, wenn das Guthaben nicht für die Verlängerung einer Option ausreicht. Die Gültigkeitsdauer der SIM kann für einmalig 5 Euro um ein weiteres Jahr verlängert werden. Warum der Kunde in den persönlichen Daten optional seine Sozialversicherungsnummer eintragen kann, erschloss sich uns nicht, Geschäftskunden tragen dort für Abrechnungszwecke ja eher Daten wie eine Handelsregisternummer oder eine Umsatzsteuer-ID ein.

Die SIM von Lufthansa Mobile
Die SIM von Lufthansa Mobile

Fazit: Kalkulierbare Preise, merkwürdige AGB

Die internationale Roaming-SIM Lufthansa Mobile kann einfach im Flugzeug gekauft oder auf der Webseite bestellt werden und ist dank des Guthabens und eines SIM-Werkzeugs sofort einsetzbar. Allerdings muss der Kunde bei der Registrierung einen Scan des Personalausweises hochladen. Die Preise sind in vielen Fällen günstiger, als den deutschen Tarif außerhalb der EU zu nutzen. Es lohnt allerdings ein Vergleich mit den Tarifen lokaler Provider im Reiseland.

Registrierung, Telefonie und Surfen im Telefónica-Netz haben im Test reibungslos funktioniert, die SIM bucht sich allerdings maximal ins UMTS-Netz ein. LTE ist nicht nutzbar und in den AGB, die nur für Kunden auffindbar sind, befinden sich einige Merkwürdigkeiten, auf die Verbraucherschützer einen Blick werfen könnten.

Die Testergebnisse beziehen sich nur auf eine Nutzung der SIM in Deutschland, bei der nächsten Gelegenheit werden wir die SIM auch auf Reisen mitnehmen. Eine interessante Alternative könnte der von uns getestete Roaming-Hotspot von Skyroam sein:

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