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Editorial: LTE in den Startlöchern

UMTS-Nachfolger lässt nicht so lange auf sich warten wie damals UMTS

Diese Woche haben die beiden größten Netzbetreiber Deutschlands, Deutsche Telekom T-Mobile und Vodafone, die IFA als willkommenen Anlass genutzt, um die aktuelle Entwicklung des UMTS-Nachfolgers LTE vorzustellen. Dabei wird zweierlei klar: Wir werden auf LTE nicht ganz so lange warten müssen wie damals nach der UMTS-Versteigerung auf UMTS. Und es wird von Anfang an bezahlbare Tarife geben, die auch eine intensive Nutzung ermöglichen.

Ebenso werden aber auch Probleme sichtbar: Die ersten LTE-Modems werden wenig mobil sein. Zudem muss befürchtet werden, dass LTE-800-Modems der digitalen Dividende für den DSL-Ersatz in den "weißen Flecken" nicht das in den Städten vor allem genutzte LTE-2600 empfangen können - und umgekehrt. Schließlich werden die Netzbetreiber anfangs ihre LTE-Tarife auf stationäre Nutzung limitieren.

Hardware jetzt, Software später

Aber der Reihe nach: Die Telekom drückte anfang der Woche medienwirksam in Kyritz auf den roten Knopf (bzw. genauer gesagt, steckte zwei Ethernet-Kabel ein), und brachte damit nach eigenen Angaben Kyritz und Umgebung (insgesamt eine Fläche von der Größe Berlins) auf einen Schlag online. Ja, wenn es denn schon Endgeräte zu kaufen und man einen LTE-Vertrag mit der Telekom abschließen könnte, dann würden die Bürger auch etwas davon merken. So ist aber tatsächlich "nur ein Knopf gedrückt" worden.

Sobald die erste Generation an LTE-Endgeräten verfügbar ist, kann es unter Umständen weitere Verzögerungen geben. Denn die wesentlichen Fähigkeiten einer Basisstation stecken heute in der Software. Und es ist durchaus wahrscheinlich, dass hier noch das eine oder andere Update ansteht, bevor alles stabil und rund läuft.

Diese Eigenschaft, später unter Umständen auch wesentliche Fehler einfach per Software-Update ausbügeln zu können, oder gar neue Features auf diesem Weg nachrüsten zu können, erlaubt den Netzbetreibern aber genau den schnellen Aufbau der Netze, der hier nun vonstatten geht. 500 Standorte will die Telekom allein dieses Jahr noch anschließen.

Preislich keine Überraschungen

Vodafone hat sich gar ein Programm von 1 500 Standorten gesetzt, bis März nächsten Jahres. Sie preschten wenige Tage nach dem Telekom-Senderstart mit LTE-Tarifen vor, wohl, um der Telekom beim Zukunftsthema LTE nicht allein das Feld zu überlassen. Wenig überraschend war, dass es anfangs vor allem LTE-Tarife zur Nutzung als DSL-Ersatz geben wird.

Von den beiden Möglichkeiten, den Nachteil der stationären Nutzung durch geringeren Preis oder höheres Inklusivvolumen (jeweils im Vergleich zur Mobile Connect Flatrate für monatlich 34,95 Euro ermöglicht; aktuell ist die Flatrate sogar für 24,95 Euro monatlich buchbar; bei einem Transfer von über 5 GB im Monat wird das Tempo auf 64 kBit/s limitiert) auszugleichen, wählte Vodafone die zweite: Schon das kleinste LTE-Paket enthält im Monat 10 GB Transfer bei voller Geschwindigkeit. Auch die Drossel nach Erreichen des Transfer-Limits wird weniger hart als von aktuellen UMTS-Tarifen gewohnt: Mit 384 kBit/s bleibt immer noch genug Geschwindigkeit zum Surfen auf den meisten Web-Seiten.

Freilich versucht Vodafone auch, die Preise wieder etwas nach oben zu drücken: 39,99 Euro bis 69,99 Euro monatlich (bei letzterem dann sogar inklusive 30 GB Volumen und einem Tempo von "bis zu" 50 MBit/s) sind kein Schnäppchen. Immerhin gibt es den benötigten LTE-Surfstick (der anfangs deutlich teurer sein wird als ein gewöhnlicher UMTS-Surfstick) für 1 Euro dazu. Dennoch schrecken diese Preise ab. Sinngemäß: "Nutzen Sie LTE nur, wenn es wirklich kein DSL bei Ihnen gibt."

Bekanntermaßen wird aber nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, und so ist in den vorgenannten Vodafone-Preisen sicher noch Luft für Preissenkungen enthalten. Ein Rabatt wurde auf der Pressekonferenz bereits genannt: Wer bereits einen anderen Mobilfunk-Vertrag bei Vodafone hat, spart 10 Euro im Monat. Weitere werden folgen.

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