LTE-Ausbau

LTE-Ausbau: Mobilfunker machen gemeinsame Sache

Kurth: Nichts gegen Verabredungen unter den Netzbetreibern
Von Björn Brodersen
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Der Hammer ist längst gefallen, die vier Mobilfunkbetreiber Telekom, Vodafone, E-Plus und o2 haben den Zuschlag für neue Frequenzen erhalten. Fast vier Wochen nach ihrem Ende ist die jüngste Frequenzauktion in Deutschland immer noch ein vieldiskutiertes Thema: Gilt der Düsseldorfer Mobilfunkbetreiber E-Plus, der keine 800-MHz-Frequenzen (Digitale Dividende) ergatterte, als Verlierer der Auktion? Sind die 4,4 Milliarden Euro Erlös zu gering ausgefallen? Und schadet es nicht den Kunden, dass nur die vier etablierten, nicht aber neue potenzielle Operator Spektrum erworben haben? Zumindest in den letzten beiden Fragen trat der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, auf der vom Euroforum veranstalteten Handelsblatt Jahrestagung Telekommarkt Europa 2010 in Düsseldorf entsprechenden Befürchtungen entgegen.

Das Ergebnis der Frequenzauktion habe kein Oligopol gefestigt. "Wir haben doch die No-Frills-Anbieter, die auch ohne eigenes Netz Preise setzen und die Mobilfunkbetreiber treiben", gab er zu bedenken. "Wir brauchen nicht 25 Netzbetreiber, um Wettbewerb zu haben. Mir sind vier gesunde Netzbetreiber mit vernünftigem finanziellen Hintergrund und ausreichend großem Spektrum lieber als ein Scheinwettbewerb mit einem weiteren Anbieter, der über nur sehr wenig Spektrum verfügt." Die Auktion sei keine geschlossene Veranstaltung gewesen, interessierte Newcomer seien aber aus Furcht vor dem intensiven Wettbewerb vor einer Teilnahme an dem Wettbieten zurückgeschreckt. Nach der UMTS-Auktion vor zehn Jahren hätten dagegen zwei der sechs Frequenznehmer den Markteintritt wegen mangelnder Strategie den Markteintritt nicht geschafft.

"Marktteilnehmer haben realistischen Wert ermittelt"

Er war nach eigener Aussage auch nicht überrascht, dass der Erlös diesmal wesentlich geringer ausfiel als noch vor zehn Jahren. Bei der Versteigerung der UMTS-Frequenzen hatten die Mobilfunkbetreiber rund 50 Milliarden Euro ausgegeben und brauchten danach lange, um Luft zu holen und die UMTS-Netze Mobilfunk BasisstationKooperation bei Ausbau in ländlichen Regionen auszurollen. Den Erlös in diesem Jahr von knapp 4,4 Milliarden Euro bewertet er vielmehr als "realistischen, durch die Marktteilnehmer ermittelten Wert". Dabei seien die 800-MHz-Frequenzen während der Auktion stark umkämpft gewesen. Es sei aber auch nicht Aufgabe oder Ziel der Bundesnetzagentur gewesen, die Einnahmen für den Staat zu maximieren.

E-Plus hatte letztlich auf die 800-MHz-Frequenzen verzichtet und mit rund 280 Millionen Euro deutlich weniger für andere, ebenfalls für LTE geeignete Frequenzen gezahlt als die Konkurrenten. Die Düsseldorfer wollen jetzt ihr UMTS kräftig ausbauen und per HSPA+ Datenübertragungsraten von bis zu 21,6 MBit/s anbieten - auch auf dem Land. Durch den späteren UMTS-Netzausbau profitiert E-Plus nach eigenen Angaben von günstigeren Technologiepreisen.

"Der eigentliche Gewinner der Auktion sind wir", hatte E-Plus-Chef Torsten Dirks nach Auktionsende gesagt. "Wir haben bei 2,1 GHz, also dem Spektrum, wo wir heute schon UMTS betreiben (...), noch einmal 10 MHz ersteigert. Wir haben jetzt bei 2,1 GHz 20 MHz - das meiste Spektrum, verglichen mit allen Operatoren im deutschen Markt. Das heißt, da können wir heute UMTS, HSPA, HSPA+ machen." Das gesparte Geld will E-Plus schnell in den Netzausbau investieren. Die höheren von der Telekom, Vodafone und o2 gezahlten Beträge sieht Dirks skeptisch: "Es wird sich nur rechnen für die, wenn sie wirklich auch Verkehr aufs Netz bekommen."

Mobilfunker wollen bei Netzausbau kooperieren

Gerade in manchen ländlichen Regionen gebe es nicht ausreichend Nachfrage nach mobilen Breitband-Diensten, dass mehrere Mobilfunkbetreiber dort ihre Netze ausrollen, meint Dirks. In diesen Fällen geht er von Kooperationen unter den Netzbetreibern bzw. Mobilfunkanbietern aus. Wettbewerber o2 wird in Kürze entsprechende Gespräche mit anderen Netzbetreibern starten. Auch Matthias Kurth von der Bundesnetzagentur hat nichts gegen das Infrastruktur-Sharing oder auch gegen nationales Daten-Roaming. "Alle Kooperationsmodelle sind willkommen, solange der Wettbewerb bewahrt bleibt", so Kurth heute in Düsseldorf. "Bei den lebendigen Infrastrukturen wird man sich Spektrum auch dazukaufen müssen."

Über die verschiedenen Frequenzbereiche wollen die Mobilfunker ihr Geschäft mit den umsatzträchtigen mobilen Datendiensten ausbauen, vor allem in ländlichen Regionen. Zweifel, dass der weitere Ausbau der mobilen Breitband-Netze in den neuen Frequenzbändern ähnlich schleppend verläuft wie bei UMTS, hat der oberste Regulierer des Landes nicht. "Die Mobilfunkbetreiber haben selbst Interesse an einem schnellen Netzausbau", sagte er. Dabei spiele es aber keine Rolle, ob tatsächlich zum Ende dieses Jahres schon die weißen Flecken auf der Breitband-Karte getilgt seien: "Auf zwei Monate mehr oder weniger kommt es dabei nicht an." Erste LTE-Surf-Sticks bzw. -Smartphones werden ohnehin erst für frühestens kommendes Jahr erwartet.

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