Funknetz

LTE im Haus: So wird der Empfang besser

LTE ist zuhause verfügbar - oder doch nicht? Die Netzbetreiber unterscheiden nämlich zwischen Indoor- und Outdoor-Versorgung. Was das Funksignal abschwächen kann und wie Nutzer den Empfang im Haus verbessern, erläutern wir in diesem Artikel.
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Warum sollte man einen LTE-Datenvertrag zuhause nutzen? Internet-Surfer in ländlichen Regionen beantworten diese Frage manchmal ganz eindeutig: Weil es die einzige breitbandige Internet-Anbindung am Ort ist. Nicht zuletzt vermarkten die Telekom, Vodafone und o2 ihre LTE-Netze auch für die Nutzung zuhause: "Call & Surf via Funk und "LTE Zuhause" sind die offiziellen Tarifbezeichnungen. Mit Magenta Hybrid bietet die Telekom sogar ein Produkt, bei dem zu einem DSL-Anschluss eine LTE-Leitung hinzugeschaltet wird. Zum Einsatz kommt bei allen diesen Tarifen ein Router mit SIM-Kartenslot.

Doch einige Nutzer, die selten zuhause sind, schließen lieber einen mobilen LTE-Datenvertrag ab und nutzen diesen per Surfstick, mobilen Hotspot oder Smartphone-Tethering dann auch in den eigenen vier Wänden. Bei all diesen Szenarien kann es aber ein böses Erwachen geben: Vor der Haustür hatte das Empfangsgerät noch einen tollen LTE-Empfang, nach Betreten des Hauses bricht das LTE-Signal zusammen. Woran das liegt und wie man sich behelfen kann, erläutern wir in diesem Hintergrund-Artikel.

Missverständnis um Indoor- und Outdoor-Signal
Missverständnis um Indoor- und Outdoor-Signal

Das Missverständnis: "LTE ist doch bei mir zuhause verfügbar"

Wenn der Interessent einen LTE-(Zuhause-)Tarif bei der Telekom, Vodafone oder o2 bestellt, nimmt der Netzbetreiber in der Regel eine Verfügbarkeitsprüfung vor. Ist am Standort des Kunden weder LTE noch HSPA mit annehmbarer Geschwindigkeit verfügbar, sollte der Netzbetreiber auf die Schaltung des Zuhause-Anschlusses verzichten, dies dem Kunden mitteilen und keine Gebühren verlangen.

Bei technisch eher wenig bedarften Nutzern gibt es aber mitunter ein großes Missverständnis bezüglich der LTE-Verfügbarkeit. Auf unserer Ratgeberseite zur Mobilfunk-Netzabdeckung verlinken wir auf die Karten zur Netzabdeckung bei den drei Netzbetreibern mit ihren (noch) vier Netzen. Viele Nutzer übersehen dabei, dass die Netzbetreiber in ihren Detaileinstellungen eine Unterscheidung zwischen Indoor- und Outdoor-Versorgung vornehmen. Die Telekom kennzeichnet die Indoor-Versorgung beispielsweise durch eine dunklere Farbe als die Outdoor-Versorgung. Überfliegt man zum Beispiel stichprobenartig die LTE-Netzabdeckungskarte des Rhein-Main-Gebietes, entdeckt man, dass Telekom-LTE in Bad Vilbel, Kriftel, Höchst, Dietzenbach, Langen, Egelsbach, Erzhausen, Wixhausen, Büttelbronn, Klein-Gerau, Ginsheim-Gustavsburg und anderen Orten stellenweise nur outdoor verfügbar ist. Hierbei handelt es sich manchmal nur um ein bis zwei schlecht versorgte Straßen, manchmal auch um größere innerörtliche Gebiete.

Auch Vodafone erlaubt eine Unterscheidung zwischen Indoor- und Outdoor-Versorgung. Bei Vodafone-LTE klaffen in unserem Beispiel des Rhein-Main-Gebietes zum Teil noch größere Lücken, auch innerhalb geschlossener Orte und sogar innerhalb des Stadtgebiets von Frankfurt am Main. Setzt man den Schalter auf "indoor", werden die Lücken noch größer. Die unterschiedlichen Farben hat Vodafone auf der Karte allerdings nicht der Unterscheidung von Indoor und Outdoor zugeteilt, sondern den verwendeten Frequenzbereichen um 800 MHz (hellrot) und 2600 MHz (dunkelrot). Recht große Lücken bei der LTE-Indoor-Versorgung klaffen bei Vodafone beispielsweise in den Frankfurter Stadtteilen südlich von Sachsenhausen, in Neu-Isenburg, Götzenhain, Egelsbach, Erzhausen, Darmstadt-Arheilgen, Griesheim, Wolfskehlen, Leeheim, Wallerstädten, Trebur, Groß-Gerau und anderen Orten. Bei der Telekom und Vodafone gilt aber: Einige der aufgezählten Orte sind recht gut mit HSPA versorgt, Indoor-Surfen ist dann über diesen Standard möglich.

Weitere Stichproben: E-Plus und o2 im Rhein-Main-Gebiet

Die Netzabdeckungskarte von E-Plus listet die LTE-Versorgung nicht separat auf, sondern kombiniert diese mit UMTS und HSPA. Doch auch hier findet eine klare Unterscheidung zwischen Indoor- und Outdoor-Versorgung statt. Im Frankfurter Stadtgebiet ist HSPA/LTE von E-Plus fast flächendeckend indoor verfügbar. Lücken bei der Indoor-Versorgung gibt es beispielsweise in Darmstadt-Arheilgen, Roßdorf, Griesheim, Büttelborn, Klein-Gerau, Mörfelden-Walldorf und Trebur. Dargestellt wird die Versorgung auf der E-Plus-Karte mit den Farben dunkelblau (indoor) und hellblau (outdoor).

Auch die o2-Karte unterscheidet zwischen blau (indoor) und beige (outdoor). Gibt man eine Adresse ein oder klickt einen Punkt auf der Karte an, erläutert o2 die Versorgung getrennt nach UMTS/HSPA und LTE. Lücken bei der Indoor-Versorgung weist das o2-Netz im Rhein-Main-Gebiet beispielsweise in Kelsterbach, Erzhausen, Gräfenhausen, Neu-Isenburg, Bad Vilbel, Frankfurt-Bonames, Frankfurt-Nieder-Eschbach, den Darmstädter Ortsteilen Wixhausen und Kranichstein und anderen Orten auf. Größtenteils gar nicht ausgebaut hat o2 das LTE-Netz in Messel, Urberach, Guntersblum, Gimbsheim und Langenhain.

Wenn eine Netzabdeckungskarte eine schlechte Indoor-Versorgung anzeigt: Heißt das dann, dass LTE gar nicht in Gebäuden verfügbar ist? Nein, denn das ist von vielen Faktoren abhängig, wie wir im Folgenden sehen werden.

Diese Faktoren können den Empfang verschlechtern

Grundsätzlich spielt die Entfernung zur Basisstation mit die größte Rolle bei der Empfangsstärke - je weiter man von der Station entfernt ist, desto mehr sinkt die Signalstärke, die in der Regel in dB gemessen wird.

Funkwellen können absorbiert und zum Teil auch reflektiert (das heißt fehlgeleitet) werden, wenn sie zwischen Sender und Empfänger auf ein Hindernis treffen, beispielsweise eine Hauswand oder ein Hausdach. Manche Netzbetreiber empfehlen, das Empfangsgerät daher möglichst nah an einem Fenster und möglichst etwas erhöht zu positionieren. Negativ auf den Empfang innerhalb von Gebäuden kann sich aber auch der Metallspiegel einer hoch effizienten Wärmeschutz-Verglasung bei Fenstern auswirken.

Im Freien können Nebel, Regen und belaubte Wälder gegebenenfalls einen Teil der Funkstrahlung absorbieren, aber wohl nie ganz aufhalten. Eine stärkere Ablenkung können Berge, Kirchtürme, Hochhäuser oder andere störende Objekte hervorrufen, doch auch diese können ein Funksignal sicherlich nie zu 100 Prozent absorbieren.

Die Gründe für einen schlechten LTE-Empfang sind manchmal auch in der Hardware des Nutzers zu suchen. Billige Empfangsteile in Smartphones, Surfsticks oder Routern bewirken manchmal, dass ein brüchiges LTE-Signal gar nicht empfangen wird. Wer gar kein LTE empfängt, obwohl die Netzabdeckungskarte eine Indoor-Versorgung verspricht, sollte prüfen, ob sein Endgerät alle in Deutschland gebräuchlichen LTE-Frequenzen unterstützt. Insbesondere Importgeräte aus Asien lassen manchmal die Unterstützung von in Deutschland verwendeten Frequenzbereichen weg.

Negativ auswirken kann sich auch die Tatsache, dass es sich bei Mobilfunknetzen um ein "shared Medium" handelt: Die verfügbare Bandbreite wird unter allen in die Funkzelle eingebuchten Nutzern aufgeteilt. teltarif.de liegen aus der Anfangszeit der LTE-Zuhause-Tarife Leserberichte von Gegenden vor, in denen kein kabelgebundener Breitbandzugang vorhanden war und exzessiv LTE-Zuhause-Tarife vermarktet wurden. In den Abendstunden waren nach Feierabend dann die (noch nicht aufgerüsteten) Netze am Ort so überlastet, dass Surfen und IP-Telefonie bis zu einer Erweiterung der Netzkapazität nur schwer möglich war.

Auf der zweiten Seite unseres Ratgebers erläutern wir, welche legalen und nicht erlaubten Möglichkeiten es gibt, den Empfang im Haus zu verbessern. Hierbei erläutern wir auch, was eine Femtozelle ist und wie sie funktioniert.

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