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Editorial: Vom Luxus zum Standard: LTE

Einst ist LTE als exklusiver Datenturbo gestartet, den es vielfach nur gegen Aufpreis gab. Doch nun schalten die Netzbetreiber LTE auch für normale Kunden ohne Zuschlag frei. Warum?
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In der Anfangszeit des derzeit schnellsten mobilen Datendiensts LTE verlangten die Netzbetreiber in vielen Verträgen spürbare Aufpreise, wenn Kunden den Datenturbo 4G/LTE nutzen wollten. Nutzern von Prepaidkarten war anfangs der LTE-Zugang sogar ganz verwehrt - nicht einmal gegen Zahlung eines monatlichen Aufpreises konnten sie das 4G-Netz zubuchen. Kunden, die an besonders schnellen Datendiensten interessiert waren, mussten entsprechend tief in die Tasche greifen.

Doch gerade ändert sich das Verhalten der Netzbetreiber radikal: Ohne viel Aufhebens aktivierte beispielsweise die Deutsche Telekom jüngst LTE auch für viele ihrer Xtra-Card-Bestandskunden. Dahinter dürften zwei Überlegungen stehen: Zum einen droht die Gefahr, dass Xtra-Card-Nutzer zur Konkurrenz wechseln, wenn deren Freunde zum Beispiel Aldi Talk oder andere Prepaid-Karten nutzen, für die LTE standardmäßig freigeschaltet ist. Und zum anderen ist LTE derzeit schlicht und einfach der modernste Mobilfunkstandard mit der größten Netzkapazität und den niedrigsten Kosten pro Bit. Die Kunden im 3G-Netz festzuhalten, würde nur unnötige zusätzliche Kosten verursachen.

LTE wird zum Standard-FeatureLTE wird zum Standard-Feature Auch bei Smartphones ist LTE inzwischen zum Standard geworden. Selbst 100-Euro-Geräte wie das Moto E 2 unterstützen die hierzulande wichtigsten LTE-Frequenzbänder rund um 800, 1800 und 2600 MHz. Bei den Top-Smartphones von Apple, Samsung und Co. gehört LTE-Unterstützung sowieso schon seit Jahren zum Pflichtprogramm. In der Folge ist nur noch ein kleiner Prozentsatz der aktuell in Verwendung befindlichen Smartphones nicht mit den 4G-Netzen kompatibel.

Es entspricht den Gepflogenheiten im hart umkämpften Telekommunikationsmarkt, dass die Telekom die genannte LTE-Freischaltung für Xtra-Card-Kunden nicht groß kommuniziert. Schließlich will sie nicht, dass Kunden, die vor einigen Jahren einen teuren LTE-Tarif gebucht haben, nicht auch noch selber darauf hinweisen, dass sie mit dem Wechsel in einen normalen oder gar Prepaid-Tarif einiges an Geld sparen könnten.

Dennoch bleibt die Frage, auf welchem Weg die Netzbetreiber künftig ihre Kundengruppen differenzieren, wenn "LTE ja/nein" als Unterscheidungsmerkmal wegfällt. Zum einen wird hier künftig die Maximalbitrate eine stärkere Rolle spielen als bisher. Wem 50 MBit/s im Downstream nicht reichen, der wird auch künftig tiefer in die Tasche greifen müssen, und zwar sowohl beim Smartphone als auch beim Vertrag. Spätestens ab 2020, vielleicht aber auch schon ein oder zwei Jahre früher, beginnt dann das Spiel mit dem Super-Daten-Turbo 5G von vorne. Bei dem reden wir nämlich nicht mehr von Megabit pro Sekunde, sondern von Gigabit pro Sekunde.

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