Nachgemessen

300 MBit/s per Telekom-LTE: Praxis-Erfahrungen aus Berlin

Wir haben das Telekom-LTE-Netz mit Cat. 6 in Berlin in der Praxis getestet. Wie gut ist die Stadt bereits mit LTE+ versorgt und wie schnell kommen die Daten auf's Handy? Diese und weitere Fragen beantworten wir Ihnen in einem kurzen Praxis-Test.
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Über Sendemasten wie diesen werden mittlerweile 300 MBit/s ausgeliefertÜber Sendemasten wie diesen werden mittlerweile 300 MBit/s ausgeliefert LTE+, LTE Cat. 6, LTE Max oder einfach LTE mit bis zu 300 MBit/s: Viele unterschiedliche Bezeichnungen und doch meinen sie alle das gleiche. Gemeint ist die im Herbst vergangenen Jahres geschaltete nächste LTE-Geschwindigkeitsstufe bei der Deutschen Telekom. Das Unternehmen wirbt mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 MBit/s im Downstream. Wir wollten wissen: Klappt das wirklich? Wir haben uns an einem ganz normalen Werktag in der Mittagszeit durch das Berliner Zentrum bewegt. Mit dabei: Eine Telekom-SIM mit 300-MBit/s-Tarif sowie ein handelsübliches Samsung Galaxy S5 LTE+.

Netzversorgung mit LTE+: Nur theoretisch überall in der Innenstadt verfügbar

Laut Netzversorgungskarte der Deutschen Telekom steht Cat. 6 im Berliner Zentrum weitgehend zur Verfügung. In der Nähe des S-Bahn-Ringes setzt die Cat.6-Nicht-Versorgung ein. Doch auch in Berlin-Mitte selbst gibt es laut Netzkarte einige Punkte, an denen keine LTE+-Versorgung verfügbar ist. Das heißt aber nicht, dass es dort kein LTE gibt. Der Unterschied: LTE wird von der Telekom in der Stadt generell auf Frequenzen um 1 800 MHz realisiert. Möglich ist hier ein Downstream von bis zu 150 MBit/s. Um auf 300 MBit/s zu kommen, wird ein weiterer Frequenzbereich - 2 600 MHz - genutzt. Diese beiden Bänder werden von den Handys, die LTE Cat. 6 unterstützen, dann zusammengeschaltet ("Carrier Aggregation") und genutzt. Im Display des verwendeten Samsung Galaxy S5 LTE+ wird das durch die Netzanzeige LTE+ deutlich gemacht.

LTE+ bekamen wir bei unserem Praxistest jedoch deutlich seltener zu sehen, als nach der Darstellung auf der Netzkarte zu erwarten war. So stand uns sowohl am wohl bekanntesten Wahrzeichen Berlins, dem Brandenburger Tor, als auch auf dem Fußweg zum Potsdamer Platz entlang der Ebertstraße "nur" LTE zur Verfügung. Hier erreichten wir Testwerte von bis zu 50 MBit/s im Down- und 39 MBit/s im Upstream. Doch auf der gleichen Strecke erreichten wir mit Messwerten von 7,6 oder 18 MBit/s auch deutlich schlechtere Werte, obwohl wir den Standort nur um einige Meter veränderten. Das reichte aber offenbar für veränderte Frequenz-Verhältnisse und einen Wechsel auf einen anderen Sendemast aus. Möglicherweise hat aber auch einfach ein anderer Nutzer das Netz parallel zu uns intensiv genutzt.

Spitzenwert: Über 180 MBit/s im Downstream

Der beste Messwert im TestDer beste Messwert im Test Die besten Messwerte erzielten wir einige hundert Meter vom Berliner Hauptbahnhof entfernt. Auf fast 181 MBit/s im Downstream und 44 MBit/s im Upstream kam unsere Messung hier. Ein wirklich guter Wert, bedenkt man, dass die 300 MBit/s ein reiner Laborwert sind. Denn diese lassen sich nur erreichen, wenn viele Parameter gleichzeitig stimmen: Der Testserver muss entsprechend gut angebunden und die Backbones untereinander entsprechend verbunden sein, der Empfang beider Frequenzen muss perfekt sein, die Anbindung der Funkzelle an das Core-Netz des Mobilfunkers muss perfekt funktionieren und - und das ist eigentlich der wichtigste Punkt, geht es um Mobilfunk-Geschwindigkeiten - der Nutzer muss ganz alleine in einer Mobilfunkzelle sein. Das ist aber kein realistisches Szenario.

Im Mittelwert hatten wir bei unseren Messungen bei LTE+-Verfügbarkeit einen Downstream-Wert von etwas mehr als 120 MBit/s - mit entsprechenden Ausreißern nach oben und unten. Selbst wenn die beworbenen "bis zu 300 MBit/s" damit bei weitem nicht erreicht werden, ist das ein Wert, der für die mobile Nutzung ausreichend sein sollte. Tarifstufen von bis zu 16 oder bis zu 50 MBit/s können damit zumindest im Abdeckungsgebiet von LTE+ auch unter normalen Umständen erfüllt werden. Vermarktungsaktionen mit Tarifen von bis zu 300 MBit/s enttäuschen die Kunden jedoch unterm Strich, weil diese Geschwindigkeiten in der Praxis für den einzelnen Kunden nicht zu erfüllen sind. Die beworbene Datenrate gilt als Gesamtkapazität der Mobilfunkzelle.

Bitte nicht nachmachen: Highspeed-Speedtests fressen Datenvolumen auf

Getestet haben wir mit Testservern bei Speedtest.net, die über eine gute Anbindung verfügen. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass Speedtests nie die wirkliche Geschwindkeit wiederspiegeln können. Unsere Werte in diesem kurzen Praxistest können daher nur als Orientierung dienen und zeigen daher, was ein Nutzer in der Praxis erwarten kann. Um ein möglichst genaues Bild der LTE-Leistung abzubilden, wiederholten wir übrigens an der Straßenkreuzung mit der besten Performance den Test noch einmal im Feierabendverkehr - hier dann auch mit verschiedenen Test-Apps und Testservern. Hier erreichten wir dann zwischen 150 und 160 MBit/s im Down- und erneut etwa 44 MBit/s im Upstream. Der Downstream war also etwas langsamer als zur Mittagszeit.

Übrigens: Zum Nachmachen empfiehlt sich ein solcher Speedtest nicht. Bei etwa 20 Messungen sind annähernd 2,4 GB durch das Netz gerauscht. Mit diesem Datentraffic lässt sich angesichts von Datendrosseln, die in der Regel spätestens bei 5 GB einsetzen, sicherlich sinnvolleres erledigen.

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