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Livestream-Apps: Per Smartphone senden strapaziert Datentarif

Mit Livestream-Apps kann jeder von seinem Smartphone Videos ins Internet senden - egal ob vom Fallschirmsprung oder aus dem Auto. Doch nicht nur das Datenvolumen kann beim Streamen zur Stolperfalle werden - auch rechtliche Probleme drohen.
Von dpa /
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Ein Klick - und das Smartphone ist live auf Sendung. Livestream-Apps wie Meerkat und Periscope übertragen Videobilder vom Mobiltelefon direkt ins Internet. So weit, so einfach. Ohne riesiges TV-Netzwerk im Rücken kann man theoretisch ein Millionenpublikum erreichen. Doch wie gelingen attraktive Livebilder? Wie gewinnt man Zuschauer? Und gibt es rechtliche Fallstricke?

Es sind vor allem spannende und aktuelle Bilder, die Zuschauer anziehen. "Livestreams machen bei zeitkritischen Inhalten Sinn", sagt Prof. Andreas Hebbel-Seeger von der Macromedia Hochschule Hamburg. Das können Bilder von einem Radrennen sein oder von einer Politiker-Rede, einem Brand oder Naturereignissen. Wer die Autofahrt zum Büro streamt, dürfte hingegen kaum Zuschauer anziehen.

Inhaltlich und technisch auf gute Qualität achten

Livestream-Apps: Per Smartphone senden strapaziert DatentarifLivestream-Apps: Per Smartphone senden strapaziert Datentarif Smartphones sind zum Filmen unterwegs perfekt geeignet. "Die Hardware ist handlich und flexibel, der Filmende kann sich schnell bewegen", sagt Hebbel-Seeger. Aber man muss den Zuschauer bei Laune halten. Schließlich ist nicht jedes Ereignis dauerhaft spannend. Statt stur auf das Geschehen zu halten, kann man es in solchen Momenten moderieren, empfiehlt der Professor für Medienmanagement. Weil die Kameras der Smartphones über keinen Zoom verfügen, muss ein Livestreamer nah am Geschehen sein, sonst erkennt man nichts. Und schnelle Schwenks sind tabu - den Zuschauern soll ja nicht schlecht werden. Auch filmen im Hochformat ist keine gute Idee. "Das kann in keinem Player vernünftig wiedergegeben werden. Viele Anbieter erlauben ohnehin nur Streams im Querformat."

Insofern schwimmt die App Meerkat gegen den Strom, denn sie lässt nur Aufnahmen im Hochformat zu. Das Programm für Android und iOS mit dem putzigen Erdmännchen-Logo kam Anfang des Jahres auf den Markt und hat einen Hype rund um mobiles Livestreaming losgetreten. Wenig später kam das vom Mikroblogging-Dienst Twitter gekaufte Periscope. Die beiden kostenlosen Apps sind eng mit Twitter verknüpft, über den Dienst werden die Streams verbreitet. Von der Funktion her ähneln sie sich, aber es gibt Unterschiede: Meerkat-Streams werden nicht aufgezeichnet. Bei Periscope kann der Livestream hingegen 24 Stunden lang abgerufen werden, außerdem sind querformatige Streams möglich. "Auch das User-Interface ist bei Periscope funktionaler und aufgeräumter", sagt Dominik Hoferer von der "Chip".

Nicht alle Apps sind dauerhaft kostenlos

Neben den populären Apps Meerkat und Periscope gibt es weitere interessante Anbieter auf dem mobilen Livestream-Markt. Kostenfrei sind etwa Stre.am, Ustream oder YouNow. Mit der App Bambuser läuft der Livestream bei Bedarf direkt in der Facebook-Timeline. Die App läuft allerdings nur 15 Tage gratis. Apps wie Switcherstudio oder Livestream schränken in den frei erhältlichen Versionen die tägliche Livestream-Zeit oder die Zuschauerzahl ein. Dafür ermöglicht die App Livestream das Senden von Livebildern, die von einer Actionkamera an das Smartphone gesendet werden. Wer mit einer auf dem Helm montierten Kamera einen Fallschirmsprung aufnimmt, kann die Aufnahmen also in der Luft über das Handy ins Internet übertragen.

Einmal angemeldet, haben Nutzer bei allen Livestream-Apps einen eigenen Videokanal. Den finden Zuschauer aber nur, wenn sie von den Liveübertragungen im Vorfeld wissen. Hebbel-Seeger: "Um seine Community zu erreichen, ist es sinnvoll, Livestreams in sozialen Netzwerken oder bei YouTube vorher anzukündigen." Zugeschaut wird im Browser des PC oder per App.

Datenvolumen des Tarifs wird massiv belastet

Ein Hindernis für Livestreamer ist der enorme Datenhunger der Apps von mehreren Megabyte pro Minute. "Pakete mit 200 oder 500 MB Datenvolumen sind dann schnell verbraucht", warnt Hoferer. Bei längeren Livestreams rät er deshalb zum WLAN. "Da ist die Geschwindigkeit auch höher als im mobilen Netz." Für Hebbel-Seeger ist WLAN nicht immer eine gute Option: "Sind weitere Nutzer in dem Netzwerk aktiv, leidet auch hier die verfügbare Bandbreite." Immerhin: Egal ob im mobilen Netz oder im WLAN, Schwankungen in der Datenverbindung fangen die Apps ein Stück weit auf. Der Stream bricht also nicht gleich ab - er wird zunächst pixeliger.

Und auch rechtlich kann ein Livestream problematisch werden. Wie bei anderen Filmaufnahmen auch, müssen gefilmte Personen grundsätzlich um Erlaubnis gefragt werden, betont Ansgar Koreng, Medienanwalt aus Berlin. Ausnahmen sind große Events. Filmen Schüler ihren Lehrer im Unterricht, ist das hingegen eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts. "Der Betroffene kann dann auf Unterlassung klagen und verlangen, dass das Video gelöscht wird, sofern der Stream aufzeichnet wurde", erklärt Koreng. In schwerwiegenden Fällen droht sogar Schmerzensgeld. Etwa, wenn ein Betrunkener auf dem Oktoberfest benommen im Gras liegend live ins Internet gestreamt wird. "Die Person ist dann in einer hilflosen Lage. Filmaufnahmen sind in solchen Fällen strafbar."

Unterlassung und Schadenersatz drohen bei Livestreams von Konzerten oder aus dem Theater. "Tonaufnahmen sind eine Vervielfältigung des dargebotenen Werkes. Künstler und Komponist haben daran die Rechte", erläutert Koreng. Kaum Grenzen gibt es dagegen, wenn man sich selbst in Aktion live ins Internet streamt. Zumindest fast: "Auch hier gilt: Läuft Musik im Hintergrund, könnte sich die GEMA für die Aufnahmen interessieren", sagt Koreng. Dann kann es wieder teuer werden.

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