Einschätzung

TK-Experte Gerpott gibt neuem Mobilfunker Liquid Broad­band wenig Chancen

TK-Experte Prof. Dr. Torsten J. Gerpott sieht keine Chancen für den Mobilfunk-Neuein­steiger Liquid Broad­band. Ohne Frequenz-Reservier­ungen hätte der Anbieter keine Chance, eine solche Reservierung sei aber nicht zu begrüßen.
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Gerpott äußert sich zu Liquid BroadbandGerpott äußert sich zu Liquid Broadband Liquid Broadband wird wenig Aussicht auf Erfolg haben. Zu diesem Fazit gelangt Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, anerkannter Telekomm­unikations-Experte und Lehrstuhlinhaber an der Uni Duisburg-Essen mit Schwerpunkt Tele­kommunikations­wirtschaft. Auf Anfrage unserer Redaktion zeigte er sich überrascht, dass entgegen seinen Erwartungen ein neuer Anbieter auf dem Mobilfunk­markt mitmischen möchte. An eine Chance des Unternehmens glaubt er nicht - und auch nicht an das durch Nutzer mit-ausgebaute neue Mobilfunknetz.

Im März äußerte sich Gerpott auf dem TK-Gipfel 2014 des Euroforum, dass er nicht an einen 'Teufel-aus-der-Box-Newcomer' glaubt. Zumindest mit Bekenntnissen und Plänen meldete sich nun aber Liquid Broadband zunächst über die WirtschaftsWoche und später über eine Presseinfo zu Wort. Nach Ansicht von Gerpott hat das Unterfangen jedoch wenig Aussicht auf Erfolg.

Frequenz-Reservierung für Newcomer und Innovationen?

Die Zweifel begründet er damit, dass er dem Anbieter wenig Erfolgsaussichten bei der Versteigerung der begehrten neuen 700-MHz-Frequenzen einräumt. "Wenn nicht Frequenzen für einen Newcomer im Rahmen der Auktion reserviert werden, hat ein neuer Anbieter wenig Erfolgsaussichten", so Gerpott. Genau diese Forderungen nach einer Reservierung von Frequenzen stellte Liquid Broadband in seiner Öffentlichkeitsarbeit aber bereits.

Politischen Willen zur Innovation fordert der neue Anbieter und will einen Teil des im Rahmen der zweiten Digitalen Dividende frei werdenden Spektrums für Innovation reservieren. Nur so habe der Neueinsteiger Liquid Broadband eine Chance, sich im Markt gegenüber den drei verbliebenen Netzbetreibern in einer Frequenzversteigerung durchzusetzen und seinen Markteintritt zu realisieren, heißt es seitens des Unternehmens. Genau so sieht es auch Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, der aber eine Reservierung von Frequenzen für Neueinsteiger nicht unterstützt. Er argumentiert mit den Erfahrungen, die im Jahr 2000 bei der Versteigerung der UMTS-Frequenzen gemacht worden seien: "Damals wurde auch Spektrum an zwei Neueinsteiger vergeben, die es dann nicht geschafft haben, einen erfolgreichen Geschäftsaufbau zu realisieren. Erhebliche Frequenzressourcen wurden deshalb lange Zeit nicht sinnvoll genutzt."

"Kundenbeteiligung hat sich als nicht machbar erwiesen"

Innovativ ist das Netz-Konzept des Anbieters. Zum Einen soll es seitens des Anbieters herkömmliche Basisstationen geben. Ferner will der Anbieter aber auch sogenannten "NetStations" einsetzen, die einzelne Kunden bei sich zuhause aufstellen können. Dabei sollen diese Basisstationen den bestehenden Breitbandanschluss des Kunden nutzen, um das Funksignal ins Corenetz des Mobilfunkers zu übertragen. Das Prinzip ist von Femtozellen bekannt, die auf ähnliche Art arbeiten. Dabei sollen die Kosten je nach möglichem Standort möglicherweise übernommen werden.

Auch an dieses Ausbaukonzept, bei dem sich der Nutzer am Aufbau eines Mobilfunknetzes beteiligt, glaubt Gerpott nicht. "Die Idee der Kundenbeteiligung hat sich sowohl beim Breitbandausbau Festnetz auf dem Land als auch bei Infrastrukturinvestitionen im Zusammenhang mit der 'Energiewende' als nicht machbar erwiesen", so Gerpott auf Anfrage unserer Redaktion.

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