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Linux für Anfänger: Betriebssystem einfach ausprobieren

Experte rät Einsteigern zur 32-Bit-Version von Ubuntu
Von Marleen Frontzeck-Hornke mit Material von dpa

Linux für Anfänger Linux für Anfänger
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Linux eignet sich auch für den Anfänger und kann einfach auspro­biert werden. Es gibt zahl­reiche moderne und leicht zu bedie­nende Distri­butionen - so nennen sich die in der Regel kosten­losen Pakete aus dem Linux-Betriebs­sys­tem­kern, einer grafi­schen Benut­zer­ober­fläche und Anwen­der­pro­grammen. Prak­tisch daran: Alle instal­lierten Programme und Treiber werden wie das Betriebs­system auto­matisch aktuell gehalten. Außerdem kann der Nutzer Linux parallel zu Windows oder Mac OS instal­lieren.

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Wer wendet sich dem Pinguin zu? "In der Regel sind es Leute, die irgend­etwas an Windows stört", sagt Hans-Georg Eßer, Chef­redak­teur der Zeit­schrift "EasyLinux". "Windows ist bekannt für seine vielen Sicher­heits­pro­bleme." In der Welt des Pinguins gibt es dagegen weniger Schad­soft­ware oder Bots. Außerdem ist das Betriebs­system gut konfi­gurierbar, die Bedien­ober­fläche jeder­zeit austauschbar.

Dem Statis­tik­dienst StatCounter zufolge lief im Juli 2012 aber nur auf gut zwei Prozent aller Rechner in Deutsch­land ein Linux-Betriebs­system. 88 Prozent hatten dagegen ein Windows-Betriebs­system an Bord und unge­fähr sieben Prozent Mac OS X.

Erste Wahl für Anfänger ist die kosten­lose Ubuntu-Distri­bution. "Linux-Einsteiger sind damit sehr zufrieden", sagt Eßer. Die Kompo­nenten im Rechner oder Note­book werden mit Ausnahme von doppelten Laptop-Grafik­lösungen problemlos erkannt. Treiber für viele Peri­phe­rie­geräte bringen die Distri­butionen eben­falls mit. "Wenn ein Gerät nicht erkannt wird, haben Sie ein Problem, dass Sie als Einsteiger wahr­schein­lich nicht lösen können", warnt der Experte. Deshalb lohnt sich ein Blick auf Webseiten wie auf http://h-node.org/hard­ware/cata­logue/de der Free Soft­ware Founda­tion der FSF, welche die Kompa­tibi­lität von Hard­ware auflisten.

Aktu­elle Ubuntu-Version 12.04 LTS Precise Pangolin

Die aktu­elle Ubuntu-Version heißt 12.04 LTS Precise Pangolin. LTS steht dabei für Long Term Support: Fünf Jahre wird es für diese Version Updates geben. Unter anderem der Firefox-Browser, der Mailclient Thun­der­bird, Libre Office sowie Musik­player, Video­player, Multi­mes­senger oder ein Doku­men­ten­betrachter werden mitin­stal­liert. Verfügbar ist die Distri­bution in 32 und 64 Bit. Einsteiger sollten die 32-Bit-Version wählen, rät Eßer. Ubuntu kann der Nutzer direkt herun­ter­laden, liegt als CD aber oft auch Compu­ter­zeit­schriften bei.

Ubuntu kann auch erst einmal ohne Instal­lation als Live-System auspro­bieren, bekommt einen ersten Eindruck und sieht, ob bestimmte Hard­ware nicht unter­stützt wird. Wegen der Geschwin­dig­keits­vor­teile bootet man besser von einem USB-Stick als von CD. Einen Stick benö­tigt man ohnehin, wenn ein Note­book kein opti­sches Lauf­werk besitzt.

Beim Start der Instal­lation neben Windows kann der Nutzer bestimmen, wie viel Platz sich Ubuntu für eine eigene Parti­tion von der Fest­platte abknapsen darf. 20 GB sind lang­fristig sinn­voll, sagt Eßer. Im Prinzip kommt man aber auch schon mit weniger als 10 GB aus. Ob die Fest­platte mit dem FAT- oder dem NTFS-System forma­tiert ist, spielt keine Rolle. Bei jedem Start des Rechner kann der Nutzer auswählen, welches Betriebs­system starten soll.

Ubuntu-Funk­tion Zeit­geist loggt Anwen­dungen und Dateien mit

Herz­stück von Ubuntu ist der soge­nannte Unity-Desktop, eine intui­tive Benut­zer­ober­fläche mit Status­leiste und Programm-Menü am oberen Bild­rand sowie einer Leiste mit Programmen am linken Seiten­rand. Ein Klick auf das Ubuntu-Logo ganz oben in der Leiste führt zum soge­nannten Dash­board. Darüber lassen sich alle Anwen­dungen suchen und starten, die nicht in der Leiste stehen. Außerdem gibt es dort eine Such­funk­tion für alle Anwen­dungen und Dateien. Mit der ALT-Taste kann man zudem schnell ein Head-Up-Display (HUD) genanntes Such­fenster öffnen, das die Menüs der Anwen­dungen nach Befehlen und Book­marks durch­forscht. "Das neue HUD bietet eine schnelle Alter­native zum tradi­tio­nellen, menü­basierten Weg, dem Computer zu sagen, was er tun soll", heißt es bei der Ubuntu-Stif­tung, die die Entwick­lung der freien Distri­bution voran­treibt.

Eine weitere wich­tige Ubuntu-Funk­tion heißt Zeit­geist. Der spukt nicht etwa, sondern loggt im Hinter­grund alle vom Nutzer geöff­neten Anwen­dungen und Dateien mit, um sie für den Schnell­zugriff auflisten zu können. In den Privat­sphäre-Einstel­lungen lässt sich der Geist aber an die Kette legen. Der Anwender kann Geloggtes löschen oder bestimmen, welches Nutzer­ver­halten mitge­schnitten werden darf und welches nicht.

Über das Ubuntu Soft­ware Center, das mit einem Klick im Laun­cher erreichbar ist, lassen sich Programme einfach instal­lieren, zum Beispiel die Bild­bear­bei­tung Gimp. Unity soll den Linux-Einstieg erleich­tern. "Wenn es einem nicht gefällt, kann man andere Ober­flä­chen wie KDE oder Gnome nach­instal­lieren", erklärt Eßer.

Eine hilf­reiche und deutsch­spra­chige Home­page zu Ubuntu finden Sie beispiels­weise in diesem Wiki von ubuntuusers.de.

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