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Editorial: Deckel drauf!

Lidls nicht ganz einfacher Test
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Mobiles Telefonieren ist in den letzten Jahren deutlich günstiger geworden. Gleichzeitig hat aber die Nutzung der Handys zugenommen, so dass die Nutzer in Summe heute etwa genauso viel zahlen wie vor drei oder fünf Jahren, dafür aber mehr Leistung erhalten. Doch steigt die Zahl der Tarifvarianten unaufhaltsam an. Knallhart gilt: Wer sich für den falschen Vertrag oder die falsche Prepaid-Karte entscheidet, der zahlt unter Umständen erheblich zuviel.

Erst vor gut einem Jahr wagte o2 mit der Einführung des o2 o ein Tarifkonzept, das Wenig- wie Vielnutzer gleichermaßen anspricht: Überschaubarer Minutenpreis von 15 Cent und Kostendeckel bei 60 Euro (inzwischen reduziert auf 50 Euro) monatlich. Bei Online-Abschluss des Vertrages sind Minutenpreis und Kostendeckel nochmal 15 Prozent günstiger.

Nun wagt Lidl - mit Fonic der größte Discounter im o2-Netz - dasselbe Konzept im Billigsegment. Dabei sind 9 Cent pro Gesprächsminute bzw. SMS und ein Deckel bei 40 Euro monatlich durchaus ambitioniert: Bei Fremdnetzgesprächen geht der Minutenpreis praktisch komplett für die IC-Entgelte des angerufenen Netzes drauf. Dafür verdient Fonic/Lidl gut an Gesprächen ins eigene Netz und ins Festnetz, sowie an SMS in alle Netze - so lange der Kostendeckel noch nicht erreicht ist.

Das Ziel von Fonic ist klar: Durch das verbesserte Angebot sollen mehr Kunden angesprochen werden. Doch wie bei jeder Flatrate dürfen es nicht zu viele Power-User sein. Denn dann geht die Mischkalkulation nicht mehr auf.

Angebot nur in ausgewählten Lidl-Märkten

Letztere Befürchtung ist wahrscheinlich der Grund, warum Lidl Mobile derzeit nur in ausgewählten Lidl-Märkten erworben werden kann: Telefonieren zu viele der Kunden der ersten Stunde zu viel, dann wird das Angebot sicher ganz schnell wieder eingestellt. Dasselbe ist auch zu befürchten, wenn die von Lidl erhoffte Ansprache neuer Kundengruppen nicht klappt, die Umsätze der Mehrheit der Kunden also Prepaid-typisch unter 10 Euro bleiben.

Es ist aber zu hoffen, dass die Kalkulation aufgeht und Lidl Mobile dauerhaft und flächendeckend angeboten wird. Damit hätten sie die Chance, zum führenden Discounter in Deutschland zu werden. Der Minutenpreis von 9 Cent ist in Ordnung. Ab durchschnittlich 15 Minuten oder SMS täglich greift zusätzlich der Kostendeckel. Und in ausländische Festnetze verlangt Lidl Mobile - wenn auch ohne Kostendeckel - ebenfalls nur 9 Cent - ein Bruchteil dessen, was praktisch alle anderen Anbieter hierfür vom Kunden kassieren!

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