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LG G5: Unsere Eindrücke nach 11 Monaten Nutzung

Wir haben das LG G5 11 Monate lang im Alltag genutzt und schildern Ihnen unsere gesammelten Erfahrungen. Hier lesen Sie, weshalb wir von diesem Smartphone im Nachhinein enttäuscht sind.
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Das LG G6 macht sich startklar -zumindest in den USA - beim Verfasser dieses Berichts, ein Besitzer des Vorgängermodells, hält sich die Euphorie allerdings in Grenzen. In diesem Artikel teilt Ihnen ein G5-Anwender die Höhen und Tiefen von über 11  Monaten Alltagsnutzung mit. Trotz diverser Highlights des Smartphones, wie etwa die Weitwinkel-Kamera, überwiegen letztendlich die negativen Aspekte. Mängel bei der Verarbeitung, ein verkorkstes Modul-Konzept und ein problembehaftetes Display senken das Vertrauen in den Hersteller LG.

Das LG G5 war 11 Monate unser Begleiter
Das LG G5 war 11 Monate unser Begleiter

Kaufentscheidung: Warum überhaupt das LG G5?

Im April 2016 lief unser o2-Mobilfunkvertrag aus, der auch bereits gekündigt war. Ein neuer Kontrakt sollte her, möglichst in einem D-Netz, mit fairen Konditionen und subventioniertem Highend-Smartphone. Zunächst gingen unsere Gedanken in Richtung Galaxy  S7, doch das modulare Design, die Weitwinkel-Kamera, USB-Typ C und ein wechselbarer Akku, ließen es schließlich das LG G5 werden. Am 21. April 2016 traf das letztjährige Flaggschiff des südkoreanischen Herstellers bei uns ein. Das Kamera-Modul LG CAM Plus, das Vorbesteller kostenlos erhielten, folgte etwa eine Woche später.
Rückseite des LG G5 mit Kamera
Rückseite des LG G5 mit Kamera

Ersteindrücke vom LG G5

Positiv

Das Design sprach uns auch in der Realität sehr an. Die abgerundete Form des Rahmens und die Rückseite mit der omnipräsenten Kamera-Einheit versprühen einen eigenständigen Charme. Wir hatten nicht das Gefühl, die hundertste Kopie eines Galaxy S oder Apple  iPhone in Händen zu halten. Der Modulschacht ließ sich leichtgängig per Tastendruck öffnen, das Entfernen und Einschieben des Standard-Moduls ging intuitiv vonstatten. Nachdem wir uns dem Gehäuse genug gewidmet hatten, kamen die Features an die Reihe. Vor allem der großzügige Weitwinkel von 135 Grad der rückseitigen 8-Megapixel-Knipse wusste zu begeistern. Für Landschafts- und Architekturaufnahmen oder Gruppenfotos ist diese Funktion ein großer Mehrwert. Ebenfalls überzeugen konnte das Always-on-Display, das jederzeit einen Blick auf eingegangene Benachrichtigungen, Datum und Uhrzeit gewährt.

Aufnahme mit der Kamera des LG G5 (Louisenparkt Mannheim)
Aufnahme mit der Kamera des LG G5 (Louisenparkt Mannheim)

Neutral

Während uns das Design und der Modulschacht beim Erstkontakt durchaus zusagten, waren wir bei der Haptik zwiegespalten. Das Metallgehäuse fühlt sich zwar trotz der dicken Lackschicht hochwertig an, der etwas scharfe silberne Streifen, der sich um den Rahmen des Smartphones zieht, ist allerdings kein Handschmeichler. Des Weiteren liefert der 5,3 Zoll große Bildschirm des G5 bedingt durch die 2K-Auflösung eine gute Schärfe und dank IPS-Panel stabile Blickwinkel, bei Kontrast und Farbtreue ist jedoch noch Luft nach oben. Das leicht nach oben hin gewölbte Displayglas sieht zwar in Natura ganz nett aus, einen richtigen Mehrwert konnten wir dadurch aber nicht feststellen.

Negativ

Richtig gestört hatte uns in der Anfangszeit am LG G5 kaum etwas - bis auf den Launcher. Die voreingestellte iPhone-artige Oberfläche sagt wohl nicht jedem Nutzer zu, denn hier werden die App-Verknüpfungen lediglich auf dem Homescreens geparkt. Als Alternative gab es nur einen "EasyHome" getauften Modus, der zwar eine App-Schublade beinhaltet, jedoch für Smartphone-Einsteiger gedacht ist. LG lieferte jedoch kurze Zeit später die Option "Home und App Menü" nach, die der Standardoberfläche die vermisste dedizierte Programm-Sektion hinzufügt.

Schnittstelle für ein Modul des LG G5
Schnittstelle für ein Modul des LG G5

Und so sieht das Resümee nach elf Monaten aus

Positiv

Es würde dem Autor dieser Zeilen definitiv schwer fallen, wieder zu einem Mobilgerät ohne Weitwinkel-Kamera zu wechseln. Wenn man bei Wanderungen ein schönes Panorama festhalten, oder bei einem Stadtrundgang ein großes Gebäude einfangen möchte, lässt einen dieses Setup nicht im Stich. Das nervige Zurückgehen, um das Motiv formatfüllend aufnehmen zu können, gehört mit dem LG G5 der Vergangenheit an. Die Nutzung des Handys als Universalfernbedienung kam in dem knappen Jahr ebenfalls häufig zum Einsatz, beispielsweise, wenn sich die Steuerung wieder einmal dreist irgendwo im Wohnzimmer versteckt hatte. Die Arbeitsgeschwindigkeit des Smartphones, die höchst selten in die Knie geht, und das ebenso fixe Bereitstellen des Android-7.0-Nougat-Updates von LG, sind weitere Pluspunkte. Gefallen hat uns auch, dass das Always-on-Display um eine Akkuanzeige erweitert wurde.

Lösungstaste für das Modul beim LG G5
Lösungstaste für das Modul beim LG G5

Neutral

Der 2800 mAh umfassende Akku sorgte im Vorfeld für Kritik im Internet, doch im Nachhinein stellte sich die vergleichsweise niedrige Kapazität nicht als Achillesverse heraus. Das LG G5 hält ähnlich lange durch wie die Highend-Modelle der Konkurrenz. Das ist zwar an sich gesehen in Ordnung, wer jedoch das Smartphone häufig in Gebrauch hat, wird um das tägliche Aufladen nicht herumkommen. Die Lautsprecherbox des G5 ist ebenfalls eher Mittelmaß. Musik und Filme klingen recht ordentlich, doch es fehlt an Volumen und klar definierten Höhen. Unbeeindruckt waren wir außerdem von der Bedienbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung. Sobald viel Licht auf das Display trifft, wird das Lesen der Inhalte erschwert. Dennoch bleibt das Smartphone auch in diesen Situationen nutzbar.

Weitwinkelaufnahme mit dem LG G5 (Broadway Kino Landstuhl)
Weitwinkelaufnahme mit dem LG G5 (Broadway Kino Landstuhl)

Negativ

Bislang klang unser Resümee der vergangenen elf Monate mit dem G5 recht positiv, doch nun folgt der Hauptgrund, weshalb wir vorerst kein LG-Smartphone für den Heimgebrauch mehr in Betracht ziehen. Vermutlich hatten wir bislang mit den Bildschirmen dieses Konzerns einfach nur Pech, aber es war bei uns schon häufiger der Fall, dass ein LG-Handy Displaydefekte entwickelte. Wir machten Erfahrungen mit zwei Nexus 4, die mit einem deutlichen Gelbstich aufwarteten und einem LG V10, das bereits nach kurzer Zeit Bildschirminhalte temporär einbrannte. Letzteres Problem trat leider nach etwa 9 Monaten Nutzung auch bei unserem G5 auf. Wenn man beispielsweise lange im Internet surft und dann auf den Homescreen zurückkehrt, kann es sein, dass die virtuellen Menütasten noch einige Zeit am Bildschirmrand in allen Systembereichen sichtbar bleiben. Die Verbindung der Module ist hingegen der Schwachpunkt bei der Verarbeitung. Sobald das Smartphone nach längerer Belastung warm wird, ist ein deutliches Knarzen an dieser Stelle zu vernehmen, selbst wenn man das Handy nur leicht berührt.

Display-Problem beim LG G5
Display-Problem beim LG G5

Unser Fazit nach elf Monaten LG G5

Die anfängliche Begeisterung wich nach und nach der Ernüchterung. Selbst G5-Anwender, die weder von der Displayproblematik noch von einer mangelhaften Verarbeitung betroffen sind, dürften sich von LG aufgrund der Modul-Pleite auf den Schlips getreten fühlen. Das Konzept wurde eingestampft, es bleibt also nach knapp einem Jahr bei lediglich zwei Modulen, deren Mehrwert sich zudem in Grenzen hält. Das LG G6 sieht zugegebenermaßen schick aus, doch der Schreiberling dieses Beitrags wird aus den zuvor genannten Gründen zu einem Konkurrenzmodell greifen. Was sind Ihre Erfahrungen mit dem LG G5? Wir sind auf Ihre Eindrucke gespannt. Kommentieren Sie in unserem Forum unter diesem Artikel.

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