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Kommentar: LG verbockt das G3-Display, freie Entwickler schaffen Abhilfe

Freie Entwickler sind oft die einzige Hoffnung, wenn es um schwerwiegende Fehler bei Android-Smartphones und -Tablets geht. LG zum Beispiel setzte einen Software-Filter ein, um Bildinhalte künstlich nachzuschärfen. Das schuf hässliche Artefakte - jetzt hat ein Entwickler das Problem behoben.
Von Hans-Georg Kluge
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Schon in unserem Test des LG G3 fiel ein merkwürdiger Effekt auf: Auf grauem Hintergrund erschien rund um schwarze Buchstaben ein weißer Schein. Im Extremfall waren Texte unlesbar. Nun hat ein Entwickler den Schalter in der Firmware gefunden und konnte den Nachschärfungseffekt ausschalten.

Schon seit Marktstart standen wir mehrfach mit LG zu diversen Problemen beim G3 in Kontakt. Immer wieder wiesen wir auf den ärgerlichen Schärfefilter des G3 hin. Besserung trat mit keinem der zahlreichen Updates ein, die Fehler beheben sollten. Schade, dass LG mehrere Monate ungenutzt verstreichen ließ - mit dem anstehenden Update auf Lollipop ist dem Vernehmen nach der Effekt immer noch nicht behoben.

So geht's: LG G3 Schärfefilter deaktivieren

LG hat ein ärgerliches Problem mit dem Display des G3 nicht lösen können. Jetzt springt ein freier Entwickler in die Bresche.LG hat ein ärgerliches Problem mit dem Display des G3 nicht lösen können. Jetzt springt ein freier Entwickler in die Bresche. Ein Entwickler sorgt jetzt für Abhilfe: Im Forum XDA steht ein Kernel-Patch bereit, der den Schärfefilter deaktiviert. Dort ist auch ein Vorher-Nachher-Bild zu sehen, das zeigt, wie sehr die Bildschirmdarstellung von dem Patch profitiert. Zur Installation muss das Smart­phone gerootet sein. Nur dann lässt sich eine angepasste Recovery-Software installieren, die die nötigen Kernel-Änderungen ausführen kann. Klingt technisch und ist auch kein risikofreier Eingriff. Möglicherweise lässt sich der Kernel über die App Flashify installieren, die ebenfalls Root-Zugriff benötigt. Wir installierten den Patch über eine Custom-Recovery.

Ergebnis: Kein Nachschärfe-Effekt mehr

Nach der Installation startet das Smart­phone neu. Der Entwickler weist darauf hin, dass die Anpassung nur dann funktioniert, wenn der Nutzer nach dem Start das Handy entsperrt und dann das Display aus- und wieder anschaltet. Dies muss nach jedem Neustart ausgeführt werden. In unserem Test war nach diesen Schritten der Filter verschwunden - es war kein weißer Rand um einzelne Buchstaben mehr zu sehen.

Fragliche Entscheidungen von Herstellern nötigen Nutzer zu drastischen Maßnahmen

Ich habe nur rund 5 Sekunden gezögert, bis die Entscheidung stand: Ich installiere diesen Kernel. Mir war egal, ob das LG G3 danach vielleicht nur noch ein besserer Briefbeschwerer sein würde. Alles ging glatt und das Display kann jetzt erstmals seine Stärken zeigen.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum manche Hersteller ihre Produkte mit so gravierenden Mängeln auf den Markt werfen. Erstkäufer des LG G3 waren Beta-Tester einer nicht ausgereiften Firmware und mussten zusehen, wie der Preisverfall beim LG G3 schwindelerregende Höhen erreichte.

Auch Google hat ähnliches geschafft: Mit Android 4.4 Kitkat entfernte der Konzern einfachen Schreibzugriff auf Speicherkarten. Die einzige Lösung? Rooten und eine Systemdatei editieren. Das stört zwar Firmware-Aktualisierungen und hat einige weitere Nebenwirkungen, ist aber vielfach der einzige Weg, die Speicherkarte zu nutzen. Seit Android 4.4 jedenfalls ist Root Pflicht, wenn der Nutzer die Speicherkarte ohne Einschränkungen nutzen möchte.

Das Ärgerliche: Wegen solcher Fehler und der Weigerung der Hersteller, diese zu beheben, müssen Nutzer riskante Schritte unternehmen. Sicher hätte ich das LG G3 sofort zurückschicken sollen. Immerhin war schnell absehbar, dass das Smart­phone bestenfalls mit einer Beta-Firmware auf den Markt kam. Mir gefiel das G3 allerdings wegen der Größe. Die Software-Fehler bekam LG immerhin nach einigen Updates in den Griff. Beim Display gibt es aber bis heute keine offizielle Lösung. Um so erfreulicher, dass ein Entwickler jetzt die Lösung gefunden hat.

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