Schule

Facebook-Verbot: Länder appellieren an Eigenverantwortung

Facebook-Freundschaft zwischen Schülern und Lehrern kritisch
Von Jennifer Buchholz mit Material von dpa

Ein schulisches Verbot für Facebook-Freundschaften zwischen Schülern und Lehrern? Einige Bundesländer wie Rheinland-Pfalz untersagen inzwischen die Lehrer-Schüler-Kommunikation auf Facebook für alle schulischen Belange, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag ergab. Andere Länder wiederum verzichten zwar auf Regelungen zum Umgang mit der Freundschaftsplattform. Sie appellieren aber an Eigenverantwortung, gesunden Menschenverstand und die Pflicht der Lehrer, Dienstliches aus Facebook herauszuhalten.

Vorreiter Rheinland-Pfalz

Verbot von Facebook-Freundschaften? Bundesländer diskutieren über ein Verbot von Facebook-Freundschaften zwischen Lehrern und Schülern.
Bild: dpa
In Rheinland-Pfalz ist der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern über Facebook mittler­weile offiziell tabu. Hierfür gibt es sogar eine dienst­liche Anweisung, die den Kontakt zwischen Schülern und Lehrern in dem sozialen Netzwerk untersagt. Hierzu gehören Online-Freundschaften bei Schulischen Themen ebenso wie das Nutzen des Netzwerks als Lernplattform. Die Trennung sei auch nötig, weil der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule mit dem Geschäftsmodell von Facebook - einer Auswertung persönlicher Daten für kommerzielle Zwecke - nicht zu vereinbaren sei, hieß es zur Begründung.

Der Landes­datenschutz­beauftragte Michael Ronellenfitsch stimmt dieser regelung zu: "Im Schulbereich haben sozialer Netzwerke nichts zu suchen, weil die so sozial gar nicht sind." Die Trennung sei auch nötig, weil der Erziehungs- und Bildungs­auftrag der Schule mit dem Geschäfts­modell von Facebook - einer Aus­wertung persönlicher Daten für kommerzielle Zwecke - nicht zu vereinbaren sei, hieß es zur Begründung.

Hessen entscheidet sich dagegen

Hessen schließt sich dem Verbot vorerst nicht an. Somit dürfen Schüler und Lehrer über das Netzwerk befreundet sein. Aus Sicht des Ministeriums sind soziale Netzwerke allerdings "nicht dazu geeignet, schulische Inhalte zu verbreiten", teilte es weiter mit. Lehrkräften stehe es natürlich frei, in Netzwerken aktiv zu sein. "Das Beamtenrecht legt fest, dass sie sich "angemessen" verhalten. Ins­besondere sind hier auch datenschutz­rechtliche Bestimmungen einzuhalten."

Keine Notenbekanntgabe bei Facebook

Befürworter der Kontakt­pflege zwischen Lehrer und Schüler im sozialen Netzwerk sehen die Facebook-Freundschaft eher praktisch. Sie betonen, dass über die Plattform auch Lern­treffs und Referats­gruppen organisiert werden können. "Praktisch bedeutet noch nicht einen Zwang, das zu nutzen. Und es gibt viele, die da eine gewisse Skepsis haben. Und die werden dann in ein Medium hinein­gezwungen, das in seinen Aus­wirkungen noch nicht voll überschaubar ist", hält der Landes­datenschutz­beauftragte aus Hessen Michael Ronellenfitsch dagegen. Wenn sich Schüler unter­einander bei Facebook austauschten, könne ihnen das niemand unter­sagen. Aber soziale Netzwerke dürften nicht einziges Informations­medium in schulischen An­gelegen­heiten sein. Lehrer dürften also darüber nicht mitteilen, dass Unterricht ausfällt oder via Facebook Krank­meldungen annehmen.

Die Lehrer­gewerkschaft GEW begrüßte eine rechtliche Klar­stellung grundsätzlich und stimmt Ronellenfitsch zu: "Datenschutzrechtlich relevante Dinge wie Noten gehören nicht in soziale Netzwerke", sagte der Vorsitzende Jochen Nagel. Auch andere schulische Inhalte wie Auf­gaben­stellungen müssten tabu sein, weil sich so der Druck auf Schüler erhöhe, bei Facebook zu sein. "Ein generelles Facebook-Verbot ist aber nicht hilfreich", betonte Nagel. Wichtig sei, dass der Umgang mit dem Medium kritisch im Unterricht beleuchtet werde. Er plädierte auch für eine Handreichung, die Lehrern zum Beispiel Gefahren von sozialen Netzwerken darlegt. Der GEW-Sprecher verwies auf daten­schutz­rechtliche Lücken bei Facebook, mit denen Schulen sensibel umgehen müssten. Wichtig sei, dass die Behandlung des Themas weiterhin im Unterricht vorgesehen ist.

Auf der folgenden Seite lesen Sie, wie sich die anderen Bundesländer zu dem Facebook-Verbot geäußert haben.

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