Hintergrund

LTE der Telekom: Drei Sendeantennen mehr für Kyritz

Eindrücke von der Inbetriebnahme des neuen Mobilfunkstandards LTE
Von Thorsten Neuhetzki
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"Wenn hier ein Techniker hoch klettert, darf er nicht alleine sein", sagt Henning Roder, Leiter der Abteilung Field Operations bei der Telekom, im Fuße des Mobilfunkmastes der Deutsche Funkturm in Kyritz und hört seinen eigenen Hall von den Wänden reflektieren. Roder zeigt auf eine Leiter, die Otto-Normal-Bürger sich nicht trauen würde, zu besteigen. 80 Meter über ihm ist die Technik angebracht, wegen der nicht nur Landrat Ralf Reinhard und Staatssekretärin Tina Fischer den Weg in den Zehntausend-Einwohner-Ort gefunden haben, sondern auch die Chef-Etage der Deutschen Telekom: Die LTE-Antenne. Henning RoderHenning Roder von der Telekom erklärt das Innenleben des Sendemastes

1,50 Meter ist die Antenne groß - ihre Reichweite ist bedeutend größer. Einen Radius von zehn Kilometern deckt das Sendeelement ab, dessen eigentlich Technik im Haus nebenan steht. Wenige Minuten vor der Führung in den hohlen, mit Sendekabeln gespickten Betonmast, hatte Telekom-Chef René Obermann am Montag Mittag im Nachbargebäude, der Telekom-Vermittlungsstelle von Kyritz, den entscheidenen Stecker eingesteckt. Zwei Ethernet-Kabel waren es, die den ersten echten 4G-Sendemast der Telekom mitten in Brandenburg on Air brachten.

LTE ist on Air - doch niemand hat es gemerkt

Sendemast in KyritzEin Foto bei deutlich besserem Wetter: Der Sendemast in Kyritz Das Interesse an genau dieser entscheidenden Sekunde war groß. Zahlreiche Journalisten schrieben die an dieser Stelle obligatorischen "warmen Worte" von Politik und Wirtschaft mit, Fotografen drängelten sich mit Kameraleuten um den besten Platz und forderten Obermann und die ihm helfende Staatssekretärin auf, den Stecker langsamer einzustecken, damit jeder das beste Bild bekommt. Auf den Bildern zu sehen: Eine Basistation, die - abseits der abgenommenen Verblendung - genau so aussieht, wie eine UMTS-Station. Größer als ein Schreibtischschrank ist die Basisstation nicht.

Obwohl die Telekom in Kyritz mit Frequenzen um 800 MHz auf ehemaligen Fernsehfrequenzen sendet: Zu sehen war von der Inbetriebnahme nichts: Handys hatten keinen besseren Empfang, Mikrofonanlagen funktionierten weiter, Fernsehen kommt auf anderen Wegen ins Haus und auch sonst änderte sich erst einmal nichts - außer, dass es ein Sendesignal gibt, das niemand empfangen kann. Zumindest derzeit. Denn wie in einem weiteren Artikel bereits dargestellt: Geräte teilt die Telekom im Rahmen eines Friendly-User-Tests wohl erst im Herbst aus, zum Regelbetrieb kommt es unter Umständen erst im Laufe des Jahres 2011.

Kyritz hat drei Antennen mehr

Inbetriebnahme von LTETelekom-Chef Obermann und Staatssekretärin Tina Fischer nehmen LTE in Betrieb. Zum gefürchteten Vorführeffekt kam es nach der Inbetriebnahme nicht. In einem wegen strömenden Regens eigens aufgebauten Veranstaltungszelt zeigte die Telekom den Unterschied zwischen LTE und bestehenden Mobilfunknetzen. Die aufgerufenen Daten erreichten den Rechner deutlich schneller als auf dem daneben stehenden Rechner. Doch das war nur eine Demo: Wenn Kyritz wirklich Zugriff auf den Mast haben wird, wird die Geschwindigkeit voraussichtlich niedriger sein - aber immer noch deutlich höher als alles, was man in Kyritz und umzu bislang bekam. Dass der Datenverkehr aus Kyritz nicht wegkommt oder die Leitung nach Kyritz überlastet ist, sollte übrigens kein Problem sein. Die Vermittlungsstelle, in der auch der örtliche Hvt und somit auch einzelne DSL-Ports stehen, ist mit 10 GBit/s per Glasfaser angebunden. René Obermann vor dem Sendemast mit LTEStart im Regen: René Obermann vor dem Sendemast mit LTE

Inzwischen ist es in Kyritz wieder ruhiger. Die Telekom-Chefetage war schon kurz nach dem Anschalten der Basisstation wieder Richtung Bonn gefahren und auch die Journalisten haben den brandenburgischen Ort verlassen. Zurück bleiben die Kyritzer, die nun auf dem Sendemast neben Telekom GSM und UMTS sowie o2 GSM auch noch einen LTE-Sender haben. Nutzen können sie ihn noch nicht. Doch es ist erkennbar, dass die gefürchteten weißen Flecken sich langsam schließen.

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