Angetestet

Nokia G11 im Kurztest: Einfaches Android - kein Luxus

Nicht jeder Smart­phone-Kunde mag 500, 800 oder über 1000 Euro für ein Smart­phone ausgeben. Nokia scheint sich voll auf den Einstei­ger­markt zu konzen­trieren.

Sind die Zeiten, als Nokia noch ange­sagter Kult­her­steller war, wieder vorbei? Nokia/HMD scheint sich auf preis­sen­sible Kunden, die auch mit einfa­cher Hard­ware unter Android ein gutes Nutzer­erlebnis und vor allen Dingen regel­mäßige Soft­ware-Updates erwarten, zu konzen­trieren.

Haus­manns­kost

Mit dem Nokia G11 bietet Nokia da bewährte Haus­manns­kost, aber mit einigen Schwä­chen. Das Nokia G11 bietet unverbastelte Android-Hausmannskost Das Nokia G11 bietet unverbastelte Android-Hausmannskost
Foto: Henning Gajek / teltarif.de
Der Bild­schirm (LCD-Display) misst 6,5 Zoll (16,51 cm) Diago­nale, bei einer Bild­wie­der­hol­rate von 90 Hertz. Den Finger­abdruck­scanner hat man, wie schon bei früheren Modellen, prak­tischer­weise im Netz­schalter (rechte Seite) inte­griert. Eine Gesichts­erken­nung zur Entsper­rung bietet Android 11 ab Werk auch, weist aber im Klein­gedruckten darauf hin, dass sie in bestimmten Situa­tionen nicht so sicher sein könnte, und mit einer Maske kommt sie logi­scher­weise nicht klar. Dafür bleibt ja der Finger­abdruck, den man prak­tischer­weise dem Zeige­finger der linken Hand oder dem Daumen der rechten Hand zuordnet.

Nokia G11

Bei der Kamera (mit drei Linsen) sollte man keine Wunder erwarten. Die Haupt­kamera löst mit 13 Mega­pixeln auf und wird von zwei weiteren Linsen mit jeweils 2 MP unter­stützt. Die Front­kamera schießt Selfies mit einer Auflö­sung von 8 MP.

Bei ausrei­chendem Licht sind Schnapp­schüsse kein Problem, mangel­hafte Licht­ver­hält­nisse erzeugen schnell Bild­rau­schen, es wird körnig.

Im Inneren verrichtet ein System-on-a-Chip (SOC) des Typs Unisoc T606 (UMS9230) seine Arbeit, dem knapp 3 Giga­byte Arbeits­spei­cher (RAM) zuge­wiesen wurden. Der interne Spei­cher­platz soll laut Hersteller 32 GB groß sein, unser Test-Programm fand "nur" nutz­bare 24 GB. Wem das nicht reicht, kann diesen über eine MicroSD-Karte um bis zu 512 GB erwei­tern. Optional soll das Gerät auch in einer 64-GB-Version lieferbar sein.

Das Mobil­funk­modul unter­stützt 2x LTE inkl. VoLTE, das WLAN-Modul beherrscht 2,4 GHz- und 5 GHz-Frequenzen, auch Blue­tooth ist möglich.

Android 11 - Stand Februar 2022

Die Rückseite des G11 in der Farbe Charcoal (anthrazit/braun) mit 3 Kameras und einer Blitz-LED. Die Rückseite des G11 in der Farbe Charcoal (anthrazit/braun) mit 3 Kameras und einer Blitz-LED.
Foto: Henning Gajek / teltarif.de
Als Betriebs­system nutzt das Nokia G11 Android 11 in der "Android One"-Edition. Ein Update auf Android 12 sei geplant, versi­chert der Hersteller HMD Global, ferner soll es drei Jahre lang Sicher­heits­updates geben. Nach der Erst­ein­rich­tung und Aktua­lisie­rung landeten wir bei der Android-Sicher­heits­ver­sion vom 5. Februar 2022 und dem Google Play Update vom 1. Februar 2022.

Im Nokia G11 ist ein Akku fest einge­baut, der eine Kapa­zität von 5050 Milliam­pere­stunden haben soll. Zum Aufladen und zum Kontakt mit der Außen­welt dient ein USB-C-Anschluss. Ein passendes Kabel und ein 10-Watt-Netz­teil liegen dem Gerät bei.

Bei den Gehäu­sefarben kann der Kunde zwischen den Farben "Ice" (eine Art hell­blau) und "Char­coal" (eine Art anthrazit) wählen. An der Laden­kasse werden unge­fähr 159 Euro (Preis­emp­feh­lung) aufge­rufen, im Netz gibt es teil­weise auch höhere Preise.

Die Soft­ware-Edition "Android One" ist für "schwach­brüs­tige" Handys gedacht. Im Alltag mit Surfen im Netz oder Abrufen von E-Mails kamen wir - je nach Netz­qua­lität klar. Beson­ders erfreu­lich ist, dass das G11 zwei SIM-Karten (Nano-Format) und eine sepa­rate MicroSD-Karte unter­stützt. Sollte ein Netz schwä­cheln, geht viel­leicht noch ein zweites vor Ort.

VoLTE ja - EVS und AMR-WB nein

Das Nokia G11 kommt im weißen Pappkarton. Netzgerät, USB-C-Kabel und einige Anleitungen, aber keine Kopfhörer liegen bei. Das Nokia G11 kommt im weißen Pappkarton. Netzgerät, USB-C-Kabel und einige Anleitungen, aber keine Kopfhörer liegen bei.
Foto: Henning Gajek / teltarif.de
Das Nokia G11 unter­stützt auf beiden SIM-Karten Tele­fonie per 4G (VoLTE), aller­dings ist die Funk­tion HD-Voice-Plus (EVS) wegen eines Patent­streits komplett deak­tiviert, auch AMR-WB (HD-Voice) scheint abge­schaltet zu sein. Der Sprach­qua­lität tat es zwischen Mobil­funk und Fest­netz keinen Abbruch. Immerhin gehört bei Nokia jetzt VoLTE (Tele­fonie über LTE) zum Stan­dard, was bei älteren Modellen oft ein "Drama" sein konnte, weil verschie­dene Netze und Provider mit VoLTE funk­tio­nierten oder auch nicht.

Kein NFC-Modul

Nicht so schön ist die Tatsache, dass das Nokia G11 kein NFC-Modul (Near Field Commu­nica­tion) enthält, auch die Sensoren zur Orien­tie­rung im Raum oder ein Magne­tometer fehlen, bis auf einen Acce­lerator-Sensor. Unterm Strich ist Navi­gation (z.B. Google) möglich, eine getes­tete Kompass-Soft­ware infor­miert darüber, dass sie nicht funk­tio­nieren kann.

Android One reicht aus

Nokia/HMD spen­diert seinen Handys ab Werk ein ziem­lich origi­nales Android (One), aller­dings sind diesmal auch ein paar Dritt-Anbieter-Apps in einem eigenen Ordner dabei: Das Karriere-Netz­werk "LinkedIn", ein VPN-Anbieter namens "ExpressVPN", der Musik-Streamer Spotify und die Einkaufs-App von Amazon. Schon bei früheren Modellen war "My Device" dabei. Eine "Gerä­teüber­wachung" infor­miert über Spei­cher­ver­brauch (und zeigt 32 GB RAM-Spei­cher an), Gerä­tetem­peratur, Akku­zustand, Signal­stärke und Daten­nut­zung.

HMD hat im Google-Paket auch die App Google Pay vorin­stal­liert. Der Kunde kann seine Kredit­karte in der App hinter­legen und mit einem per SMS verschickten Code bestä­tigen. Er wird dann aber beim nächsten Start infor­miert, dass NFC gar nicht exis­tiert und somit ein Bezahlen im Laden gar nicht geht. Da hätte man die App auch gleich weglassen können, sie lässt sich problemlos wieder löschen.

Wir haben diverse Apps instal­liert und ange­testet, es gab keinen Grund zur Klage. Auf leis­tungs­hung­rige Spiele haben wir verzichtet, dafür ist das Handy nicht gedacht.

Ein Fazit:

Das Nokia G11 bietet für rund 160 Euro (UVP) ein einfa­ches, unver­bas­teltes Android One für kosten­bewusste Nutzer, die keine großen Ansprüche stellen. Statt den Chip­sätzen von Mediatek scheint Nokia jetzt auf Unisoc gewech­selt zu sein, was dem Vernehmen nach güns­tiger sein soll. Wer etwas mehr Spei­cher möchte (4 GB RAM zu 64 GB Spei­cher) kann zum Nokia G21 wech­seln.

Auf der Plus-Seite stehen das reine unver­bas­telte Android, eine 3,5-mm-Klin­ken­buchse für Kopf­hörer oder Sprech­gar­nitur und ein aktu­eller USB-C-Anschluss.

Auf der Minus­seite sind fehlende Sensoren für NFC oder Kompass zu sehen, was für viele Nutzer ein Ausschluss­kri­terium sein könnte.

Der Sprung in der Ausstat­tung von ganz güns­tigen Smart­phones zur Preis­klasse bis 250 Euro ist teil­weise enorm. Hier wird mit vielen Flagg­schiff-Features geworben: Einsteiger-Smart­phones bis 250 Euro im Über­blick.

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