Anti-Elektroschrott

Für die Umwelt: Geräte sollten länger verwendet werden

Konsumkultur: Elektro-Geräte werden immer kürzer genutzt
Von Hans-Georg Kluge mit Material von dpa

Ein willkürliche Begrenzung der Nutzungsdauer lasse sich aber nur selten nachweisen, sagt Paech. Zudem könnten die Anbieter immer damit argumentieren, dass sie bloß die Kosten senkten. "Die Nachfrageseite spielt mit. Menschen sind nicht daran interessiert, Produkte mit einer höheren Nutzungsdauer zu kaufen."

"Sowohl Praktiker als auch Abfallexperten sind sich seit Langem einig, dass in dem, was landläufig als Elektroschrott bezeichnet wird, in vielen Fällen durchaus gebrauchsfähige Objekte drinstecken", sagt Becker. Er half vor einigen Jahren, das Projekt ReUse Computer mit aus der Taufe zu heben - dieses Netzwerk von Unternehmen bereitet nach eigenen Angaben pro Jahr etwa 300 000 gebrauchte IT-Produkte auf und vermarktet sie weiter.

Auswege aus der Wegwerf-Spirale gesucht

Der Umweltökonom Niko Paech hält solche Initiativen für geeignet, einen Ausweg aus der Wegwerf-Spirale zu weisen. Als Beispiele nennt er Reparaturcafés oder die "I-Fix-It-Bewegung", bei der Menschen sich über Internetplattformen darüber austauschen, wie Geräte repariert werden können - und dann mit dem Schraubenzieher gegen die Elektroschrott-Lawine kämpfen. Auf der Webseite ifixit.com wird beispielsweise detailliert in Text und Bild erläutert, wie ein iPhone-Akku ausgetauscht werden kann.

Paech spricht von einer "subversiven Bewegung des Reparierens, Instandhaltens und Rekombinierens". "Aus Konsumenten werden Prosumenten", sagt er. "Sie geben sich nicht damit zufrieden, aus verschiedenen Konsumangeboten zu wählen, sondern produzieren selbst und versuchen, aus den vorhandenen Endprodukten mehr herauszuholen."

Kaputt - und weg damit: Elektrogeräte landen oft nach nur kurzer Zeit auf dem Schrott. Das kann nicht sein, meint der Betriebswirt Stefan Schridde. Mit seiner Initiative "Murks? Nein Danke!" setzt er sich für langlebigere Smartphones, Fernseher und Computer ein. Die dpa hat mit Stefan Schridde ein Interview geführt. Hier spricht er über seine Motivation und seine Ziele.

dpa: Mit Ihrer Initiative prangern Sie Geräte an, die zu früh kaputt gehen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Schridde: Ich habe in einer Reportage gesehen, dass Kinder in der Dritten Welt unseren giftigen Elektroschrott recyclen und sich dabei kaputt machen. Wie kann das sein? Wenn wir immer neue Geräte kaufen, tragen wir zu diesem Müllberg bei. Doch viele Hersteller setzen auf kurzlebige Produkte, um so den Umsatz anzukurbeln.

dpa: Was wollen Sie erreichen?

Schridde: Ich will ein Bewusstsein für das Problem schaffen. Wir leben nicht in einer Wegwerf-Gesellschaft, wie immer gesagt wird, wir haben nur eine Wegwerf-Produktion. Die Hersteller müssen wieder das machen, was früher gutes Handwerk war und Geräte bauen, die lange halten. Wir als Käufer müssen hingucken, was wir uns kaufen, aber auch die Händler in die Pflicht nehmen. Auch der Gesetzgeber ist gefordert.

dpa: Dass Hersteller ein Gerät tatsächlich künstlich altern lassen, ist aber schwierig nachzuweisen.

Schridde: Ich will keine pauschalen Vorwürfe machen, sondern das konkret zeigen. Es gibt zum Beispiel Monitore, in denen Kondensatoren zum Einsatz kommen, die schlecht Hitze vertragen und nach einer Zeit kaputt gehen. Bessere Kondensatoren kosten höchstens einen Cent mehr und halten viel länger. Bei Fernsehern, Receivern und anderen Produkten ist es ebenso.

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