Statement

Kundendaten-Verkauf: Was plant Telefónica Deutschland?

Die Pläne der spanischen Telefónica-Mutter, die Kunden ab 2017 ihre privaten Daten verkaufen zu lassen, werden in Deutschland kritisch gesehen. Wird Telefónica Deutschland dabei mitmachen? Wir haben nachgefragt.
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Der Bericht, dass die spanische Telefónica-Mutterkonzern ein Portal plant, über das die eigenen Kunden ihre Daten verkaufen (oder schützen) können, hat wahrscheinlich nicht bei allen Kunden Freude ausgelöst. Insbesondere deutsche o2-Kunden dürften sich gefragt haben: Wird Telefónica Deutschland bei der Sache mitmachen? Und falls ja: Welche Vor- oder Nachteile hat das für mich? Sind meine Daten wirklich sicher?

Offenbar sind auch nach Deutschland bislang nur wenige Details zu dem geplanten Datenverkaufs-Portal durchgesickert. Telefónica Deutschland hat uns gegenüber zu dem Thema Stellung bezogen und lässt uns an den momentanen Überlegungen der deutschen Tochter teilhaben.

Stellungnahme von Telefónica Deutschland

Telefonica DeutschlandMacht Telefónica Deutschland beim Kundendaten-Verkauf mit? Ein Sprecher der deutschen Telefónica-Pressestelle schrieb in Reaktion auf unseren gestrigen Bericht an unsere Redaktion:

Telefónica Deutschland verfügt als Netzbetreiber über große Mengen an Daten und erkennt den erheblichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen, der sich aus der Erfassung und Analyse dieser Daten ergeben kann. Die gesellschaftliche Akzeptanz dieses Vorgehens ist dabei Grundvoraussetzung seines Gelingens. Daher setzt sich das Unternehmen dafür ein, dass die Menschen die Hoheit über ihre Daten behalten und ihr digitales Leben souverän gestalten können.
Telefónica Deutschland hat keine Entscheidung getroffen, den von Telefónica SA vorgestellten Ansatz auch in Deutschland zu verfolgen. Unser Fokus in diesem Bereich liegt vor allem auf der Analyse anonymisierter und aggregierter Kundendaten, um zum Beispiel Gemeinden bei der Verkehrsplanung zu unterstützen. Die von Telefónica Deutschland entwickelte Data Anonymization Platform (DAP) stellt dabei sicher, dass beim Erstellen von Statistiken keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich sind. Das Verfahren wurde der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit vorgelegt und die Entwicklung von der Behörde begleitet. Telefónica Deutschland setzt damit, basierend auf einem der weltweit höchsten Datenschutzniveaus, neue Standards für den Schutz der Privatsphäre. Die Kunden können zudem der Nutzung ihrer Daten jederzeit widersprechen.

Aus dieser Stellungnahme ist abzulesen, dass die deutsche Telefónica-Tochter das Vorhaben weit kritischer betrachten könnte als die spanische Muttergesellschaft. Dass Auswertungen anonymisierter Bewegungsdaten eigener Kunden von Telefónica Deutschland bereits weiterverkauft werden, ist bekannt. Wie man dem widersprechen kann, lesen Sie hier: So verbieten Sie Telefónica die Nutzung der Bewegungsdaten.

Abzuwarten bleibt, wie stark im kommenden Jahr der Druck der spanischen Muttergesellschaft sein wird, die Plattform konzernweit einzuführen und ob sich die deutsche Tochtergesellschaft dem mit Hinweis auf die strengen deutschen Datenschutzbedingungen entziehen kann.

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