Branchenmeinung

Breitband-Ausbau: Kunden müssen bereit sein, mehr zu zahlen

Wenn es einen flächen­deckenden Breitband-Ausbau in Deutschland geben soll, müssen die Kunden bereit sein, mehr pro Monat zu zahlen. Das Geld werde von den Anbietern benötigt, um den Ausbau lang­fristig zu refinanzieren, so die Meinung der Branche auf dem VATM-Glas­faser­tag.
Aus Köln berichtet
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Breitband-Ausbau: Kunden müssen bereit sein, mehr zu zahlenVATM-Glasfasertag in Köln: Breitband-Ausbau Wie ist der Breitbandausbau bis 2018 zu schaffen, wo kann die Branche auf Förderungen hoffen und wie kann der flächendeckende Ausbau auch mit Hilfe der Kunden finanziert werden? Das waren einige der Kernfragen beim VATM-Glasfasertag in Köln, bei dem sich Branchenvertreter unterschiedlicher Coleur mit Vertretern aus Politik, Regulierung und Consulting zu verschiedenen Podien trafen. Immer wieder war dabei eines zu hören: Eine flächendeckende 50-MBit/s-Versorgung bis Ende 2018 wie von der Bundesregierung vorgegeben wird als sportlich bis unmöglich angesehen. Dennoch ist das Bestreben der Branche, den Ausbau in Deutschland möglichst schnell möglichst weit zu bringen. Was fehlt ist eine Langzeitperspektive.

Bedrohungen unterschiedlicher Art sehen gerade die kleineren Anbieter im Markt an mehreren Ecken. So schwingt die EU seit längerem ihr Damoklesschwert "Single-Market-Package", das zur Folge hätte, dass die meisten Anbieter in Deutschland ihren Betrieb einstellen müssten. Nur noch zwei bis drei Anbieter sollen nach den Vorstellungen von Brüssel europaweite Telekommunikations-Dienstleistungen anbieten dürfen. "Wir Mittelständler investieren. Aber wir haben auch Investoren. Und wenn diese alle paar Wochen von derartigen Bedrohungen für den Markt in der Zeitung lesen, ist das für die Mittelständler wenig hilfreich", so Peter-Paul Poch, Beirat von DNS:Net.

Die Wettbewerber regen im Sinne einer langfristigen Perspektive auch an, dass die Vorleistungsentgelte in einem längerfristigen Turnus festgelegt werden als bislang. Dass alle zwei bis drei Jahre an unterschiedlichen Fronten neue Entgelte drohen, habe nichts mit Planungssicherheit zu tun, sagte VATM-Präsident und United-Internet-Vorstand Martin Witt. Gerade, wenn Netze gebaut werden müssen, müsse in viel langfristigeren Zyklen geplant werden.

Weg von "Geiz ist geil": Kunden müssen bereit sein, mehr zu zahlen

Aber auch die Kunden müssten in die Pflicht genommen werden. Mit der in Deutschland vorherrschenden Geiz-ist-geil-Mentalität, ließe sich kein flächendeckendes Glasfasernetz aufbauen. Die Kunden müssten aber auch Anreize haben, mehr Geld auszugeben - etwa durch neue oder zusätzliche Dienste. Steigt der Umsatz pro Kunde, so sei eine Investition in neue Breitbandnetze deutlich einfacher zu refinanzieren.

Ob aber die Kunden überhaupt Datenraten von 50 MBit/s und mehr wollen, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen in der Branche - auch je nach Ausrichtung. Während Unitymedia von einer starken Nachfrage bei Anschlüssen von 100 oder gar 200 MBit/s im Downstream spricht, sieht die vor allem in Brandenburg tätige DNS:net nur eine langsam steigende Nachfrage nach hohen Bandbreiten. "Mit der geringen Zahlungsbereitschaft müssen wir umgehen können, wir können uns kein anderes Land aussuchen", so DNS:Net-Beirat Poch.

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