Telekom-Streit

Deutschland-Routing: Obermanns Pläne sind "Augenwischerei"

DE-CIX-Betreiber sieht hinter Schengen-Routing puren Kommerz
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Der Vorstoß der Deutschen Telekom für ein System, bei dem inner­deutscher Daten­verkehr nicht die Landes­grenzen verlässt, sorgt für Streit mit Wett­bewerbern. Ins­besondere der Betreiber eines großen Daten­austausch-Knotens vermutet dahinter wirt­schaft­liche Interessen. Die Telekom weist dies zurück.

Telekom-Chef René Obermann hatte sich diese Woche für ein Deut­schland-Routing ausgesprochen, bei dem der Austausch von Daten zwischen zwei Punkten in Deutschland innerhalb der nationalen Grenzen bleiben soll. Auf euro­päischer Ebene könne es ein ähnliches Schengen-Routing geben, sagte Obermann vor einigen Tagen.

Obermanns Vorschlag wohl nicht ernst gemeint

Hat Obermann ernsthafte Absichten?Hat Obermann ernsthafte Absichten? "Wir halten dieses Ziel für gut, aber die Pläne der Deutschen Telekom für öffent­lichkeits­wirksame Augen­wischerei und einen Versuch, ihr altes Monopol in Deutschland de facto wieder herzustellen", erklärte heute der Geschäftsführer der Plattform DE-CIX, Harald Summa.

Bei dem DE-CIX-Knoten können Netz­betreiber einander den Daten­verkehr übergeben. Die Telekom nimmt nicht daran teil. Hier setzt Summa mit seiner Kritik an: "Wenn die Deutsche Telekom ebenfalls Daten­verkehr über den DE-CIX austauschen würde, könnten wir gemeinsam als deutsche Unter­nehmen dafür sorgen, dass ein sehr großer Teil des deutschen Daten­verkehrs auch im deutschen Rechtsraum bliebe."

Der Chef der Telekom-Dienstleistungssparte T-Systems, Reinhard Clemens, wies die Kritik zurück. "Wir reden schon seit längerem mit DE-CIX", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Über Ergebnisse wolle er nicht spekulieren. "Beim Schengen-Routing geht es darum, das Vertrauen der Kunden in internetbasierte Dienste zu stärken. Das ist für alle wichtig und hat mit den kommerziellen Interessen einzelner Anbieter nichts zu tun."

Clemens verteidigte die Pläne. "Es geht nicht darum, das Internet abzuschotten", betonte er. Vielmehr sei die Idee mit Navigationsdiensten auf einer Autobahn vergleichbar: "Niemand nimmt einen Umweg über Peking, wenn er von Frankfurt nach München will."

Höttges bekräftigt Kritik an Regulierung

Der nächste Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, hat heute seine Kritik an der Regulierungspolitik in Europa bekräftigt. Mit Preisregulierungen wie etwa bei den Plänen der EU-Kommission zum Roaming verliere die Branche wichtiges Kapital, das für Investitionen notwendig sei. "Regulierung darf nicht nur Verbraucherpreise im Auge haben", sagte Höttges auf der heutigen Jubiläumsveranstaltung des Branchenverbandes VATM. "Wie wollen wir die Netze stemmen, wenn wir immer weniger verdienen?"

"Man kann nicht alles über den Preis regeln", forderte auch VATM-Präsident Peer Knauer. In Deutschland sei etwa eine Nachfrage nach schnellen Glasfaser-Netzen einfach nicht vorhanden. Statt weiterer Preisreduzierung brauche es eine neue Wertschätzung für hohe Bandbreiten.

Leistungsfähige Infrastruktur könnten nur große Unternehmen aufbauen, betonte Höttges. "Wir brauchen nicht vier Netzbetreiber, um den Wettbewerb zu gewährleisten", sagte Höttges. Viel wichtiger seien Synergien, um große Unternehmen stark zu machen. "Denn Größe zählt." Deutschland sei innerhalb von sieben Jahren von der Weltspitze weit hinter die USA oder auch Japan zurückgefallen.

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