Strategie

América-Móvil-Attacke: KPN prüft Verkauf von E-Plus (Update)

KPN-Führung empfiehlt Aktionären Ablehnung des Angebots
Von Marie-Anne Winter / Thorsten Neuhetzki mit Material von dpa

KPN prüft strategische Optionen für die deutsche Mobilfunk-Tochter E-Plus. KPN prüft strategische Optionen für die deutsche Mobilfunk-Tochter E-Plus.
Bild: E-Plus
Wie berichtet hat der laut Forbes-Liste reichste Mann der Welt ein Auge auf die E-Plus-Mutter KPN geworfen. Carlos Slim steht an der Spitze des mexikanischen Mobilfunk-Konzerns América Móvil. Dieser will für 2,6 Milliarden Euro die Beteiligung an dem niederländischen Telekom-Konzern von knapp unter 5 Prozent auf 28 Prozent ausbauen. Das Unternehmen hatte hierfür 8 Euro je Aktie angeboten.

Die América-Móvil-Offerte von 8 Euro je Aktie sei zu niedrig und spiegele nicht das Potenzial des Unternehmens wider. Die KPN-Führung empfiehlt ihren Aktionären daher, das Gebot nicht anzunehmen. América Móvil sei absichtlich unter der 30 Prozent-Schwelle geblieben, um kein öffentliches Angebot an alle außenstehenden Aktionäre unterbreiten zu müssen, kritisierte KPN. Die niederländische Telefongesellschaft KPN wehrt sich allerdings gegen die Offensive von América Móvil und stellt seine E-Plus-Tochter auf den Prüfstand.

KPN prüft strategische Optionen für die deutsche Mobilfunk-Tochter E-Plus. KPN prüft strategische Optionen für die deutsche Mobilfunk-Tochter E-Plus.
Bild: E-Plus
Das Unternehmen prüfe strategische Optionen für Deutschlands drittgrößten Mobilfunker, teilte KPN heute in Den Haag mit. Die Prüfung aller Optionen für die belgischen Aktivitäten laufe weiter.

Der niederländische Sender NOS berichtet allerdings, dass die spanische Telefónica mit KPN über einen Kauf von E-Plus verhandele und entsprechende Gespräche weit fortgeschritten seien. Der spanische Telekom-Riese hat diese Berichte zurückgewiesen. Aus anderen Quellen hieß es, beide Gesellschaften wollten ihre deutschen Mobilfunkaktivitäten zusammenlegen. Das wiederum würde auf einem Markt mit nur vier Anbietern die Kartellbehörden in Bonn oder Brüssel auf den Plan rufen. Ein solcher Fall würde auf jeden Fall eine wettbewerbliche Überprüfung nach sich ziehen, sagt ein Kartellexperte. Mit im Boot wäre auch die Bundesnetzagentur, die in einem solchen Fall zu entscheiden hätte, ob die Unternehmen eine UMTS-Lizenz zurückgeben müssen, die sie vor fast zwölf Jahren für jeweils rund 8 Milliarden Euro ersteigert hatten. "Das würden wir prüfen", sagte ein Sprecher, wollte aber keine genaueren Angaben machen.

Zusammenlegung von o2 und E-Plus würde Regulierer und Kartellamt interessieren

Über ein Zusammengehen von o2 und E-Plus wird seit Jahren immer wieder spekuliert. Andererseits macht derzeit die Nachricht die Runde, dass die in ihrem Heimatland Spanien hochverschuldete Telefónica ihre deutsche Mobilfunk-Tochter o2 an die Börse bringen wolle, um Geld in die Kassen zu spülen.

KPN und Telefónica haben ein gemeinsames Interesse: Sie wollen verhindern, dass sich ein weiterer Anbieter in Europa breitmacht. Denn das eigentliche Ziel bei der geplanten Anteilserhöhung bei KPN durch América Móvil sei der Zugang zum deutschen Mobilfunkgeschäft, schreibt die Financial Times Deutschland. Mit seiner Mehrmarkenstrategie ist E-Plus sehr erfolgreich und América Móvil könne zu einem günstigen Preis ins Deutschlandgeschäft einsteigen.

KPN-Geschäftsführer Eelco Blok erklärte, dass sein Unternehmen das Angebot von América Móvil sorgfältig geprüft habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass es nicht den Interessen der anderen Anteilseigner entspräche. Unglücklicherweise sei América Móvil nicht bereit, einen Aktionärspakt mit KPN einzugehen und habe auch nicht positiv auf andere Vorschläge seitens der KPN-Führung reagiert.

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