Anschlusspreise

Editorial: Manchmal ist Genügsamkeit fehl am Platz

Die Kunden sind mit den Anschlüssen, die sie haben, oft schon zufrieden. Dabei könnten Sie mit wenig mehr Einsatz eigentlich deutlich mehr erhalten.
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Zahlungsbereitschaft oft schwach ausgeprägtZahlungsbereitschaft oft schwach ausgeprägt Die Deutschen wollen schnelles und zuverlässiges Internet - aber die Zahlungsbereitschaft dafür ist gering. Das ist das Fazit einer Studie des Branchenverbands Bitkom. Letztendlich liefert diese Umfrage den Grund, warum o2 mit der oft kritisierten schlechten Leistung (siehe auch mein letztes Editorial davonkommt: Viele Verbraucher erwarten gar nicht mehr, als o2 liefert, und sie sind nicht bereit, nach dem Wechsel zu einem anderen Anbieter mehr Geld auszugeben.

In der konkreten Umfrage ging es zwar ums Festnetz und nicht um Mobilfunk, aber die Ergebnisse dürften angesichts der schwindenden Unterschiede zwischen den Technologien durchaus übertragbar sein: Es gibt einen großen Anteil an Nutzern, die lieber weniger zahlen, und dafür durchaus bereit sind, Einschränkungen hinzunehmen.

Nun gilt Bescheidenheit zu Recht als Zier, aber manchmal ist sie fehl am Platz: Wenn den Nutzern 66 Prozent LTE-Netzabdeckung (nach Fläche) oder 77 Prozent Pünktlichkeit (im Fernverkehr der Deutschen Bahn; schlechtester Einzelmonat 2017) ausreichen, dann vergeben die Verbraucher hier auch eine Chance. Würden sie mehr fordern und den Druck auf die Anbieter erhöhen, würden sie wahrscheinlich eine deutlich bessere Versorgung bekommen - für einen nur kleinen Aufpreis.

So haben wir aber die Situation, dass die Anbieter, die eigentlich mehr tun könnten, sich darauf ausruhen, dass die Kunden eh nicht viel mehr erwarten. Ob es Bescheidenheit oder in manchen Bereichen auch schon Resignation ist: Am Ende bleibt die Infrastruktur in Deutschland teils weit hinter den Möglichkeiten eines modernen Industrielandes zurück. Das macht am Ende unser aller Leben schwieriger als nötig.

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