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Kommentar: Das neue Tarifkonzept "Mein BASE" ab 1. Februar

Angekündigte Revolution des Mobilfunkmarkts ist ausgeblieben
Von Marc Kessler

Tagelang war darüber spekuliert worden, wie die neuen Tarife bei der E-Plus-Flatrate-Marke BASE aussehen könnten. Von der lange erwarteten Einführung eines Homezone-Produkts war da die Rede, von der Imitation des o2 o mit eigenem "Kosten-Airbag" und auch von einem "Baukasten-System" ähnlich dem mittlerweile längst abgelösten Konzept der Telekom-Mobilfunk-Tochter congstar.

Das letztere Gerücht erwies sich letztlich als nicht ganz falsch - allerdings können bei Mein BASE eben nicht Flatrates für einzelne Netze à la congstar-Baukasten-System gebucht werden, sondern mit der BASE (Community-) Flat und der Festnetz Flat nur ausgewählte Ziele für jeweils 10 Euro monatlich. Ansonsten bleibt nur die Buchung der Allnet Flat für immerhin 50 Euro für pro Monat.

Trennung zwischen E-Plus-Netz und BASE-Community: Ein Vorteil wird verspielt

In Kombination mit der nun kommenden, künstlich erzeugten Trennung zwischen dem E-Plus-Netz und der BASE-Community liegt hier ein entscheidender Nachteil der neuen Tarifstruktur: Das E-Plus-Netz bleibt komplett außen vor, Gespräche müssen künftig mit 19 Cent pro Minute gezahlt werden. Bislang waren Flatrate-Gespräche in das gesamte E-Plus-Netz selbstverständlicher Tarifbestandteil bei BASE, selbst bei dem bis Oktober vergangenen Jahres noch für günstige 10 Euro pro Monat erhältlichen Doppel-Flatrate-Tarif Mein-BASE-Logo-Montage Mein BASE: Keine Revolution im Mobilfunk
Montage: teltarif.de
BASE Web Edition. Nun aber können Gespräche ins (restliche) E-Plus-Netz nicht einmal per günstiger Option inkludiert werden, als einzige Möglichkeit bleibt der Weg über die teure Allnet Flat.

E-Plus vollzieht hier einen echten Bruch bei seiner immerhin schon seit 2005 bestehenden Flatrate-Marke und verspielt unnötigerweise den Vorteil seiner - dank der hohen Diversifikation im E-Plus-Netz - weit reichenden Intern-Flatrate. Ob das Kalkül, auch mit Gesprächen ins E-Plus-Netz künftig Geld zu verdienen, aufgeht, bleibt abzuwarten.

Gute Ansätze durchaus vorhanden

Grundsätzlich stecken in "Mein BASE" durchaus einige gute Ansätze: Wie auch beim o2 o bietet das neue Konzept einen grundgebührfreien Basis-Tarif, wenn auch mit 24-monatiger Laufzeit. Und die individuell zubuchbaren Optionen sind flexibel und monatlich kündbar beziehungsweise austauschbar. Dennoch bleibt die Tatsache, dass die Fixkosten für die Optionen unabhängig von deren Nutzung voll anfallen. Eine Tarifautomatik oder einen "Kosten-Airbag" gibt es bei "Mein BASE" nicht.

Problematisch ist auch das Preisniveau des neuen "Mein BASE" vor allem im Bereich der besonders beliebten Doppel-Flatrates, die bislang online als BASE Web Edition und online sowie offline als BASE 2 Doppelflat angeboten werden. Hier zahlt der Kunde - wie unsere Analyse zeigt - drauf und erhält im Gegenzug die Minderleistung des auf die BASE-Community kastrierten E-Plus-Netzes.

Im Gegensatz zum Rest des neuen Tarifmodells ist die SMS-Flatrate in alle Netze (SMS Allnet Flat) - offenkundig ohne Mengenbegrenzung - für nur 10 Euro pro Monat tatsächlich als "Knaller" zu bezeichnen. Für E-Plus bleibt zu hoffen, dass "Mein BASE" künftig aber nicht ausschließlich zum Zufluchtsort SMS-begeisterter Vielschreiber wird, die neben den insgesamt immerhin 60 Inklusiv-Einheiten des kostenfreien Grundtarifs keinen Umsatz mehr erzeugen.

Fazit: Keine Revolution, kein Paukenschlag, keine Bedrohung der Konkurrenz

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es sich bei "Mein BASE" keinesfalls um die von E-Plus - wenn auch nur gegenüber seinen Vertriebspartnern - proklamierte Revolution des Mobilfunkmarkts handelt. Der angekündigte "Paukenschlag" wird - sofern es bei den bislang bekannten Neuerungen bleibt - wohl ausbleiben. In "Mein BASE" stecken durchaus begrüßenswerte Ansätze, die in der Gesamtheit der neuen Tarifstruktur aber nicht dazu führen, ein - etwa gegenüber dem zweiten E-Netz-Betreiber o2 - wettbewerbsfähiges und besonders attraktives Angebot zu präsentieren.

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