Klimawandel

Telekommunikation: Klimakiller oder Retter im Notfall?

Der Einsatz von Telekommunikation verbraucht Ressourcen, kann aber auch beim Energiesparen helfen.
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Am Rande der von der UNO-Unterorganisation ITU veranstalteten Telecom World 2009 wurde auch darüber diskutiert, welchen Einfluss die Telekommunikationsbranche auf das derzeit wohl wichtigste UNO-Thema hat: Den durch zunehmende CO2-Emmissionen verursachten Klimawandel.

Zwar sind die direkten Emmissionen von Telekommunikationsanlagen in der Regel gering. Doch Vermittlungsstellen, Internet-Rechenzentren und Endgeräte verbrauchen Strom, dessen Erzeugung im Kraftwerk eine Menge CO2 freisetzt. Hinzu kommt der erhebliche Einsatz von Energie und Ressourcen zur Herstellung der Geräte. So wird der "carbon footprint" der ITK-Industrie in Summe auf zwei bis drei Prozent der weltweiten Emmissionen geschätzt, was etwa gleichauf liegt wie der carbon footprint der Luftfahrtindustrie.

Andererseits kann die Informations- und Telekommunikationstechnik auch helfen, an anderer Stelle erheblich CO2 einzusparen. Beispielsweise könnten intelligente Stromnetze künftig den Stromverbrauch anderer, wesentlich gravierenderer Verbraucher der momentanen Erzeugung anpassen, und so Verluste im Netz minimieren und den Einsatz ineffizienter Spitzenlastkraftwerke verringern.

Schließlich kann Telekommunikation auch helfen, die Folgen des Klimawandels zumindest abzumildern: Wesentliche Informationen können so schnell verbreitet werden, etwa, welche Saaten auch bei veränderten Temperaturen noch gut wachsen oder wann die neuen optimalen Saat- und Erntezeitpunkte liegen.

Kurieren an Symptomen

Hinter den genannten Argumenten, mit denen Vertreter der ITK ihre Industrie "grün" reden, stecken natürlich handfeste wirtschaftliche Interessen: So könnte die Pflicht zum Kauf von Verschmutzungsrechten künftig Herstellung und Betrieb von ITK-Anlagen verteuern. Und da die Zahl der Computer, Internet-Server und Handys weiter wächst, drohen die durch ITK bedingten Emmissionen weiter zuzunehmen, sich bis 2020 gar zu verdoppeln. Das passt so gar nicht in eine Welt, die sich vielleicht schon bald darauf festlegt, ihre Gesamtemmissionen erheblich zu reduzieren.

Eigentlich ist es offensichtlich: Die ITK kann um so mehr bei der Emmissionssenkung in anderen Bereichen helfen, je besser sie ihre eigenen Emmissionen unter Kontrolle bekommt. Doch aktuell herrscht auch in der ITK die Denke vor: "Der Strom kommt aus der Steckdose". Optimiert wird nur für mobile Anwendungen, wo der Strom aus der Batterie knapp ist.

So braucht ein einfacher Desktop-PC im Standby schon ohne Display vielfach mehr Strom als ein gleich leistungsstarker Laptop. Mit dem üblichen 3-Wattstunden-Akku hält ein zu Transfers mit mehreren Megabit pro Sekunde fähiges HSPA-Handy mühelos mehrere Tage im Standby durch, während ein DSL-Modem schon als "sparsam" gelten muss, wenn ihm diese Energiemenge im Standby für eine halbe Stunde reicht. Der Unterschied im Standby-Verbrauch: Über Faktor 100! Statt über Ausnahmen von CO2-Protokollen zu diskutieren, sollte die ITK-Industrie zunächst ihre eigenen Einsparpotenziale realisieren und nutzen. Die konsequente Absenkung des Standby-Verbrauchs auch der dauerhaft mit der Steckdose verbundenen Geräte auf (fast) mobil-Niveau ist eines der offensichtlichsten davon.

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