Klickfalle

GMX & Web.de: Warnung vor Drei­fach-Abo mit einem Klick (Update)

Die Marktwächter Digitale Welt warnen vor einer Klickfalle bei GMX und Web.de: Wer nicht aufpasst, schließt gegebenenfalls drei Verträge ab, die dann wieder separat gekündigt werden müssen.
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Marktwächter kritisieren Web.de und GMXMarktwächter kritisieren Web.de und GMX Die Masche bei den Freemail-Diensten der 1&1 Mail & Media GmbH ist nichts Neues: Nach dem Web-Login prangen dort oft Aktionen, beispielsweise zum Geburtstag des Nutzers, bei denen dem Anwender Freimonate für einen kostenpflichtigen Zusatzdienst versprochen werden. Meist geht der Gratis-Test bei Nichtkündigung dann automatisch in ein kostenpflichtiges Abonnement über.

Seit Einführung der Button-Lösung darf auf dem Bestellknopf zwar nicht mehr "gratis testen" stehen. Doch auch wenn der Nutzer auf "jetzt kaufen" klickt, kann es sein, dass ihm böse Überraschungen drohen. Davor warnen nun die Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Bayern.

Bestellt mit einem Klick - Kündigung sehr viel aufwändiger

Das Problem besteht darin, dass Web.de und GMX mittlerweile mehrere Bezahl-Dienste anbieten. Es gibt nicht nur kostenpflichtige Erweiterungen der E-Mail-Postfächer, sondern auch Zusatz-Speicher für die Cloud-Dienste und einen Cyberschutz. Der Cyberschutz beinhaltet die kostenpflichtige Variante der Kaspersky-Virenschutz-Software sowie einen Online-Konto-Schutz der Ergo-Versicherung gegen missbräuchliche Nutzung der persönlichen Bezahldaten im Internet bis zu einer Schadenshöhe von 15 000 Euro pro Jahr.

Die Marktwächter kritisieren nun, dass Verbraucher auf Werbeseiten von GMX und Web.de zum Teil unbeabsichtigt mit nur einem Klick drei verschiedene Verträge abschließen. Momentan bewerben die E-Mail-Anbieter beispielsweise ein Vertragsbündel, das aus GMX TopMail beziehungsweise Web.de-Club, 100 GB Online-Speicher und Cyberschutz besteht.

Immer noch viel Klickarbeit für Kündigung oder Widerruf

Was bei der Bestellung mit nur einem Klick funktioniert, ist beim Widerruf oder der Kündigung der Verträge aber nicht so einfach: Verbraucher laufen offenbar Gefahr, bei Kündigung oder Widerruf einen oder mehrere Verträge zu übersehen, die dann kostenpflichtig weiterlaufen. Denn die drei Verträge müssen einzeln widerrufen oder gekündigt werden. Im Frühwarnnetzwerk der Verbraucherzentralen seien entsprechende Beschwerden von Betroffenen eingegangen.

"Die Werbung der beiden E-Mail-Dienste von 1&1 stellt [...] nicht klar heraus, dass es sich um drei Verträge handelt. Klicken Nutzer auf den Kaufen-Button, schließen sie ohne nochmalige Dateneingabe für jedes der drei Produkte einen separaten Vertrag ab", kritisiert Susanne Baumer, Teamleiterin Marktwächter Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Bayern, das Prozedere.

Das bayerische Marktwächter-Team hat 1&1 um eine Stellungnahme gebeten. Nach Angaben der Verbraucherschützer hat der Provider mittlerweile geantwortet und "Gesprächsbereitschaft angeboten". Ob das Prozedere gegenwärtig noch praktiziert wird, konnten die Marktwächter nicht sagen - darum ist momentan bei der Buchung und Kündigung von Zusatzdiensten bei GMX und Web.de also erhöhte Vorsicht geboten. Für die Kündigung und den Widerruf ist in den Kundenbereichen der Postfächer immer noch viel Klickerei notwendig und schließlich muss ein Kündigungsformular ausgedruckt und per Post an den Provider gesandt werden, wie die Marktwächter auf ihrem Portal in Bildern vorführen.

Update 11 Uhr: Stellungnahme von GMX und Web.de

In Reaktion auf unseren Bericht hat uns die Pressestelle von GMX und Web.de diese Stellungnahme zugesandt, die natürlich analog auch für Web.de und die dortigen Dienste gilt:

GMX bietet Nutzern regelmäßig die Möglichkeit, Premiumdienste wie GMX TopMail oder das erweiterte GMX MediaCenter zu günstigen Konditionen zu testen. Beim aktuellen Angebot meldet die Verbraucherzentrale Bayern e.V. Bedenken an. Hierzu bezieht GMX Stellung.

Aktuell bietet GMX seinen Nutzern beim Log-in die Kombination von GMX TopMail mit 100 Gigabyte Onlinespeicher im GMX MediaCenter und dem GMX Cyberschutz vergünstigt an. Die Verbraucherzentrale bemängelt hierbei, es sei für den Kunden nicht deutlich genug ersichtlich, dass er gleichzeitig drei Verträge abschließt. Hierzu stellt GMX fest: Wir führen alle drei Produkte auf, verlinken dreimal auf AGB und Widerruf, stellen für jedes Produkt Testzeitraum, Gebühren sowie Kündigungsfrist dar und senden drei Bestellbestätigungen zu.

Wer sich entscheidet, alle drei Verträge zu kündigen, kann dies mit einem Anruf beim Kundenservice problemlos tun. Darüber hinaus ist eine separate Kündigung der drei Verträge im Kundeninteresse: Wenn ein Nutzer beispielsweise in der kostenlosen Testphase feststellt, dass er nur eines der drei Produkte kostenpflichtig weiternutzen möchte, kann er zwei Verträge unabhängig voneinander beenden und den gewünschten Vertrag zu günstigen Konditionen weiternutzen. Aufgrund des Hinweises der Verbraucherzentrale Bayern wird GMX zusätzlich weitere Wege zur parallelen Kündigung aller drei Verträge prüfen. Darüber hinaus sind GMX und die Verbraucherzentrale im ständigen Dialog, um die Bestellprozesse und die Gestaltung der Angebote weiterhin so verbraucherfreundlich wie möglich zu halten.

Darüber hinaus hat GMX für aus Versehen getätigte Käufe seit Jahren eine Kulanzregelung. Ein Anruf oder eine E-Mail genügt, und die Verträge werden umgehend storniert – auch über die gesetzliche Frist hinaus.

GMX hat diese Stellungnahme der Verbraucherzentrale Bayern e.V. zugesandt und Gesprächsbereitschaft angeboten.

Ende des Updates. Dass das Prozedere bei GMX und Web.de seit Jahren zu Missverständnissen führt, zeigt ein kurzer Blick in das Meldungsarchiv von teltarif.de:

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