UKW-Abschaltung

Klassik Radio läutet Abschaltung von UKW in Deutschland ein

Vor drei Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, doch auch im Hör­funk­bereich geht die Ent­wicklung ganz klar in Richtung Digi­tali­sierung.
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Klassik Radio setzt voll auf digitalDAB+ und Internetradio-Channels: Klassik Radio setzt voll auf digital Vor drei Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, doch auch im Hör­funk­bereich geht die Ent­wicklung ganz klar in Richtung Digi­tali­sierung. Dass der Start der sukzessiven analogen UKW-Abschaltung in Deutschland jedoch ausgerechnet durch ein Privatradio erfolgte, ist schon eine kleine Überraschung: Noch vor einem Jahr dachte man bei Klassik Radio laut Gerüchten über einen Rückzug aus dem Digitalradio DAB+ nach. Nun aber will das Unternehmen laut eigenen Angaben "die Transformation zum vertikalen Digitalunternehmen konsequent vorantreiben".

Ulrich Kubak, Vorstand und Mehrheitsaktionär der Klassik Radio AG, setzt dabei auf die Entwicklung starker, webbasierte Streaming-Dienste und auf die bundesweite Ausstrahlung über den digitalen Radiostandard DAB+ und hat zum 1. September 2015 22 UKW-Frequenzen im ganzen Bundesgebiet abgeschaltet. Dies soll ab 2016 zu deutlichen Kosteneinsparungen führen. In fast allen betroffenen Regionen ist der Sender bereits digital über DAB+ zu hören, in anderen folgt die Aufschaltung entsprechender Sender bis 2016.

Klassik Radio will DAB+ ausbauen und neues Internetportal starten

Das durch die UKW-Abschaltung eingesparte Geld will Klassik Radio neben dem Ausbau von DAB+ in das neue Online-Portal klassikradio.de verwenden. Der Start der neuen Plattform erfolgt noch im September. Schon jetzt liefert Klassik Radio online 16 Inter­net­radio-Sender für Klassik-Fans. Dieses Angebot werde in Zukunft deutlich ausgebaut, wie der Sender mitteilt.

Der Schritt von Klassik Radio hat zunächst eher symbolischen Charakter. Ähnlich wie die Kabel­netz­be­treiber mit der Abschaltung von analogen TV-Sendern signalisiert der private Hörfunksender, dass die Zukunft des Rundfunks eindeutig digital ist. Das störanfällige UKW ist schon lange nicht mehr zeitgemäß, DAB+ ist der analogen Verbreitung in vielen Punkten überlegen – von Rauschfreiheit bis hin zur Möglichkeit, begleitende Dienste wie Slideshows zu übertragen.

Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass in den nächsten Monaten weitere Sender – auch öffentlich-rechtliche – dem Beispiel von Klassik Radio folgen werden. Ganz im Gegenteil: Die frei gewordenen UKW-Frequenzen werden die Medienanstalten wahrscheinlich an andere Hörfunkunternehmen vergeben. Auch solche, die im Digitalradio bisher nicht aktiv sind.

Dass viele Sender bis heute noch stur an UKW festhalten, hängt neben der vergleichsweise noch geringen Verbreitung von Digitalradios in deutschen Haushalten und den hohen Kosten eines Simulcasts – UKW und DAB+ müssen über einen längeren Zeitraum parallel finanziert werden - mit dem Frequenzmangel auf UKW zusammen: Hier erwarten die Platzhirsche keine Konkurrenten mehr – eine für sie über einen langen Zeitraum komfortable Situation.

DAB+: Landesweite Ausschreibungen und weitere Pilotprojekte geplant

Doch so langsam gibt es in den Funkhäusern ein Umdenken: Der Druck geht von den Ballungsräumen aus, wo immer mehr Menschen - wenn auch noch auf geringem Niveau - aufgrund des nun größeren Angebotes vorrangig Radio digital über DAB+ hören und sich von den etablierten Stationen abwenden. Neue regionale Ensembles wie in Hamburg und künftig in Nordrhein-Westfalen sowie ein immer stärkeres Angebot in Zentren wie Rhein-Main oder Rhein-Neckar könnten dafür sorgen, dass es Sendern wie Radio Hamburg, Alsterradio oder RPR Eins immer schwerer fallen wird, ein Fernbleiben beim digital-terrestrischen Hörfunk zu rechtfertigen.

Aus den Reihen der Landesmedienanstalten heißt es, dass die Gespräche mit den Privaten beim Thema DAB+ inzwischen fruchtbar verliefen. 2016 könnte der Durchbruch erfolgen. Nach teltarif.de-Informationen sind in mehreren Bundesländern Ausschreibungen oder Pilotprojekte geplant – von kleinen lokalen Inseln im Eigenbetrieb bis hin zu neuen landesweiten Paketen oder sogar einem zweiten, nationalen Multiplex. Offen ist jedoch noch, ob die Projekte von den Medienanstalten auch finanziell gefördert werden. Dies dürfte vielen interessierten Unternehmen den Einstieg in die DAB+-Technologie erleichtern.

Neue Marktzahlen zu DAB+ auf der IFA

Spannend dürfte der kommende Montag auf der IFA werden. Auf dem "Digitalradiotag" sollen neue Marktzahlen und Reichweitenanalysen zu DAB+ der Öffentlichkeit vorgestellt werden. teltarif.de ist selbstverständlich live vor Ort von wird von der Veranstaltung berichten.

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