Kinderschutz-Apps

Stiftung Warentest: Das leisten Kinderschutz-Apps

Endlich das erste eigene Handy! Das freut Kinder - und macht Eltern oft Angst. Kann eine Kinder­schutz-App hier die Lösung sein? Ja, sagt Stif­tung Waren­test, aber nur teil­weise.

Kinderschutz-Apps sollen dabei helfen, das Kind vor Gefahren im Internet zu schützen Kinderschutz-Apps sollen dabei helfen, das Kind vor Gefahren im Internet zu schützen
Bild: picture alliance/Philipp Branstädter/dpa
Was macht mein Kind da auf dem Smart­phone? Und wie kann ich es vor den fins­teren Seiten des Inter­nets schützen? Kinder­schutz-Apps wollen Eltern solche Sorgen nehmen - doch selbst die "guten" unter ihnen bieten keine hundert­pro­zen­tige Sicher­heit, wie die Stif­tung Waren­test berichtet ("test"-Ausgabe 9/20).

Neun Programme für Smart­phones und Tablets hat die Stif­tung unter die Lupe genommen, darunter auch den einge­bauten Kinder­schutz von Apples mobilem Betriebs­system iOS sowie Googles eigene App Family Link für Android. Beide Lösungen schneiden aber nur "befrie­di­gend" ab - unter anderem wegen fehlender pädago­gi­scher Unter­stüt­zung für Eltern und lücken­hafter oder schwammig formu­lierter Daten­schutz­er­klä­rungen.

Apple blockiert fremde Kinder­schutz-Apps

Kinderschutz-Apps sollen dabei helfen, das Kind vor Gefahren im Internet zu schützen Kinderschutz-Apps sollen dabei helfen, das Kind vor Gefahren im Internet zu schützen
Bild: picture alliance/Philipp Branstädter/dpa
Für iOS-Nutzer gibt es aller­dings kaum eine Alter­na­tive zu dem einge­bauten Kinder­schutz. Das Apple-Betriebs­system erlaubt Apps von Dritten nicht, auf sicher­heits­re­le­vante Funk­tionen zuzu­greifen. Deshalb können iOS-Versionen von Kinder­schutz-Apps zum Beispiel das Surfen im Internet nach Ablauf einer vorein­ge­stellten Zeit nicht einfach sperren. Wer die Inter­net­lei­tung wirk­lich kappen will, muss die iOS-Bord­mittel verwenden.

Immerhin eine von zwei "gut" bewer­teten Kinder­schutz-Apps funk­tio­niert auf iOS wie Android: Die Gratis-Soft­ware Jusprog schützt Kinder vor dem Surfen auf bedenk­li­chen Webseiten und bietet pädago­gi­sche Unter­stüt­zung.

Deut­lich mehr Funk­tionen, etwa eine Stand­ort­ver­fol­gung und eine Instal­la­ti­ons­sperre für Apps, bietet die eben­falls "gute", kosten­pflich­tige Kinder­si­che­rung von Salfeld, die für iOS aller­dings nicht zur Verfü­gung steht.

Mehr Geld gibt nicht mehr Sicher­heit

Kinder­schutz-Apps mit mehr Funk­tionen sind in der Regel kosten­pflichtig. Jahres­li­zenzen gibt es teils für 15 Euro bis 20 Euro, manchmal auch für satte 70 Euro. Teils gibt es dafür aber auch Funk­tionen mit zwei­fel­haftem Nutzen.

Gene­rell kriti­sieren die Waren­tester, dass viele Apps zu sehr auf Kontrolle und Verbote und weniger auf eine pädago­gisch sinn­volle Beglei­tung Heran­wach­sender setzen. Beson­ders proble­ma­tisch seien Apps, die zum Beispiel Chat-Verläufe nach Schlüs­sel­wör­tern durch­su­chen. Das soll Kinder und Jugend­liche vor Gefahren wie Cyber­mob­bing oder -groo­ming schützen, verletzt aller­dings vor allem die Privat­sphäre der Kinder, so die Experten.

Gene­rell sollten Eltern sich im Klaren darüber sein, dass auch gute und seriöse Kinder­schutz-Apps nur kontrol­lieren und blockieren können. Einen echten Schutz vor den Gefahren des Inter­nets bieten sie nicht - und sind damit auch kein Ersatz dafür, Kinder bei den ersten Gehver­su­chen im Netz zu begleiten und ihnen Medi­en­kom­pe­tenz zu vermit­teln.

Viren, Trojaner und andere Schad­soft­ware gibt es mitt­ler­weile auch für Smart­phones. teltarif.de stellt mögliche Bedro­hungen von Handys vor und gibt Tipps, wie Sie sich davor schützen können.

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