Medienkonsum

Ärzte warnen: Smartphones und Tablets schädlich für Kinder

Immer mehr Kinder nutzen mobile Medien. Ärzte sehen das kritisch und warnen vor gesundheitlichen Gefahren. Sie glauben auch nicht, dass der frühe Umgang mit der Technik später in einer digitalisierten Arbeitswelt helfe. Im Gegenteil: Das sei sogar ein Nachteil.
Von Paulina Heinze / dpa
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Smartphones, Tablets und Computer bleiben nach Meinung von Kinder­ärzten trotz neuester Entwicklungen schädlich für die geistige Entfaltung von Kindern. "Wir Kinder- und Jugend­ärzte sind von deutlichen gesund­heitlichen und psychologischen Beeinträchtigungen überzeugt, sehen diese täglich in unseren Praxen", sagte Till Reckert vom Berufs­verband der Kinder- und Jugend­ärzte (BVKJ) der Deutschen Presse-Agentur. Eine Gefahr liege auch darin, dass Eltern ihre Kinder vernach­lässigten, weil ihnen ihre Smartphones wichtiger seien, sagte der Kinder- und Jugendarzt, der stellver­tretender BVKJ-Vorsitzender in Baden-Württemberg ist. "Hier werden große Heraus­forderungen auf uns zukommen."

Als Probleme stellen Mediziner einen besorgnis­erregenden Anstieg an Überforderung, Kopf­schmerzen, ADHS und psychischen Erkrankungen fest, der mit der wachsenden Nutzung der digitalen Medien zusammen­hänge. "Kinder im Vorschul­alter müssen zunächst lernen, mit ihrem Körper, ihren Gefühlen, der Welt und anderen Menschen in immer freierer Weise zurechtzukommen", sagte Reckert. "Bildschirm­medien sind hier eigentlich ausschließlich hinderlich."

Kinder mit TabletÄrzte warnen vor Tablets, Smartphones und Co. für Kinder Besonders bemängelt der Experte die fehlende Erfahrung der Kinder im Umgang mit der Technik: "Im Alltag beobachtet man häufig leider eher ein eher unsouveränes Verhalten der "Digital Natives" ihren Maschinchen gegenüber." Ohne das nötige Grund­verständnis seien Kinder häufig überfordert und erschlagen von den schier endlosen Informationen und Möglichkeiten der Geräte. Die Folge: Sie gerieten in Abhängigkeit.

Kinder aktiv beim Umgang mit Technik begleiten

Von dem Argument, dass Kinder möglichst früh an digitale Technik herangeführt werden sollten, um später einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt gerecht zu werden, hält der Experte wenig: "In unseren Praxen sehen wir eher das Gegenteil: Je mehr und je früherer Medien­konsum im Kindes- und Jugend­alter, desto größer ist die Wahrschein­lichkeit, dass Kinder mit dem Leben und dann auch mit Medien nicht gut zurecht­kommen", sagte Reckert. "Ich vermute: Wer früh und ausschließlich googelt, um zu seinen Informationen zu kommen, wird später ein schlechterer Rechercheur."

Susanne Rieschel von der Initiative SCHAU HIN! hält von generellen Verboten der digitalen Technik für Kinder nichts. "Statt zu Alarmismus raten wir zu Besonnenheit, nach unserem Motto "Verstehen statt verbieten"", sagte die gelernte Lehrerin. "Grundsätzlich gilt, Eltern müssen ihre Kinder beim Umgang mit Smartphones und Tablets und Co. aktiv unterstützen und begleiten." Dazu zählten auch klare Regeln: Was darf gesehen werden und wann ist das Smartphone tabu.

"Wir raten Eltern, vor allem kleinere Kinder aktiv zu begleiten", sagte der Bildungs­experte vom Digital­verband Bitkom, Stephan Pfisterer. "Eine Alters­beschränkung nach unten macht keinen Sinn. Smartphones und Tablet Computer lassen sich intuitiv bedienen und können auch von Klein­kindern genutzt werden."

Samsung Galaxy Tab 3Technik speziell für Kinder Pfisterer zufolge können die mobilen Geräte auch förderlich sein: "Vor allem dann, wenn sie interaktiv sind und einen Lerneffekt haben." So müssten sich Kinder bei Lernspielen aktiv mit den Inhalten auseinander­setzen, Entscheidungen treffen oder ihre Geschicklichkeit üben. "Dabei haben sie Erfolgs­erlebnisse und lernen spielerisch zum Beispiel Formen, Farben oder das Alphabet."

So sind bereits einige Tablets auf dem Markt erhältlich, die speziell für die Nutzung von Kindern ausgelegt sind. Amazon etwa hat für das Kindle Fire HD eine Kids Edition heraus­gebracht und Samsung bietet das Galaxy Tab 3 Kids an, das wir ausführlich getestet haben.

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