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Der letzte Handy-Tarif ohne Grundgebühr für 24 Monate stirbt

In der Mobil­funk-Welt geht eine Ära zu Ende: Mit dem Kevag Basic stirbt der letzte Handy-Tarif ohne Grund­gebühr, den man für 24 Monate bestellen konnte. Kevag Telekom erläu­tert die Gründe dafür.

Als es in den frühen 2000er Jahren darum ging, um jeden Preis Neukunden für einen Handy-Tarif zu gewinnen, waren sie noch weit verbreitet: Handy-Tarife ganz ohne Grund­gebühr mit Abrech­nung pro Minute und SMS. Selbst wenn der Kunde damit nicht viel tele­foniert hat, konnte man als Mobil­funk-Anbieter damit prächtig seine Kunden­zahlen stei­gern und damit den Jahres­bericht aufbes­sern.

Im Smart­phone-Zeit­alter gibt es nur noch wenige derar­tiger Vertrags­tarife - und mit der Einstel­lung des Kevag Basic stirbt nun der letzte Vertrags­tarif ohne Grund­gebühr, der noch mit einer Vertrags­lauf­zeit von 24 Monaten erhält­lich war.

Vertrags-Tarife ohne Grund­gebühr als Prepaid-Alter­native

Kevag stellt Basic-Tarif ohne Grundgebühr ein Kevag stellt Basic-Tarif ohne Grundgebühr ein
Bild: Kevag Telekom, Bearbeitung: teltarif.de
In den vergan­genen Jahren hat teltarif.de immer wieder darüber berichtet, welche Alter­nativen es zu Prepaid-Karten gibt. Denn manchen Handy-Kunden reicht ein Handy ledig­lich für Notfälle, das meist unge­nutzt in der Schub­lade liegt und daher auch keine monat­lich wieder­keh­renden Kosten verur­sachen soll. Prepaid-Karten sind dafür aller­dings nur bedingt geeignet.

Denn da Prepaid-Karten keine Vertrags­lauf­zeit haben, können diese von beiden Seiten (auch vom Provider) jeder­zeit gekün­digt werden, damit muss der Kunde grund­sätz­lich immer rechnen, selbst bei regel­mäßigen Aufla­dungen oder einer gebuchten Option. Es gibt keine Rege­lung, die einem Provider vorschreibt, eine Prepaid­karte ohne Vertrags­lauf­zeit unbe­grenzt am Leben zu erhalten. In der Regel erfolgt die Kündi­gung der Prepaid­karte per SMS. Und wenn die SIM-Karte über Monate oder Jahre nicht ins Netz einge­bucht ist (wofür der Kunde verant­wort­lich ist), kommt diese Kündi­gungs-SMS nicht an, die Kündi­gung ist aber trotzdem wirksam und wird meist inner­halb eines Monats umge­setzt. Gerade bei älteren unre­gis­trierten SIM-Karten ist die SMS meist auch der einzige Kontaktweg, da dem Provider außer der Rufnummer keine weiteren Daten des Kunden vorliegen.

Und selbst, wer es geschafft hat, seine Prepaid­karte durch regel­mäßige Aufla­dungen am Leben zu erhalten, ärgert sich mögli­cher­weise über den hohen Preis dafür. teltarif.de-Leser haben uns schon berichtet, dass sie über die Jahre mehrere hundert Euro auf die Prepaid­karte aufge­laden haben, "um die Nummer nicht zu verlieren" - ohne Perspek­tive, dieses Guthaben jemals abte­lefo­nieren zu können.

teltarif.de hat daher immer wieder Vertrags­tarife ohne Grund­gebühr als Alter­native empfohlen. Die beiden letzten wirk­lich inter­essanten Alter­nativen waren der cong­star Post­paid wie ich will und der bereits genannte Kevag Basic, die teltarif.de beispiels­weise hier direkt mitein­ander vergli­chen hat. Der cong­star Post­paid wie ich will wurde inzwi­schen einge­stellt und wurde noch eine gewisse Zeit für Anrufer an der Kunden-Hotline ange­boten, was inzwi­schen aber nicht mehr der Fall ist. Und nun stirbt der Kevag Basic.

Tarife ohne Grund­gebühr für Provider defi­zitär

Ein aufmerk­samer teltarif.de-Leser hat unsere Redak­tion darauf hinge­wiesen, dass der Kevag Basic im o2-Netz bei dem regio­nalen Fest­netz-Internet-Provider Kevag Telekom nicht mehr buchbar ist. Dieser war noch bis vor einigen Wochen von jeder­mann bestellbar, indem man das PDF-Formular für Mobil­funk-Verträge ausge­füllt und an Kevag gesandt hatte. Eine direkte Online-Bestell­mög­lich­keit auf der Webseite gab es ohnehin nie. Auf Anfrage von teltarif.de teilte ein Spre­cher des Unter­neh­mens mit:

Die Vermark­tung des Basic Tarifs wird bundes­weit einge­stellt. Kunden, die den Tarif in der Vergan­gen­heit gebucht haben, können ihn noch weiter nutzen. Wir planen, diesen Tarif in Zukunft nur noch regional für Bestands­kunden bzw. als Bundle mit unseren Inter­net­anschlüssen anzu­bieten.
Im Gespräch mit teltarif.de betonte der Spre­cher, man habe bei Kevag Telekom ohnehin nie das Ziel gehabt, als bundes­weiter Mobil­funk­pro­vider aufzu­treten. Die Mobil­funk-Tarife seien schon immer dazu gedacht gewesen, regional im Einzugs­gebiet des Fest­netz-Internet-Provi­ders rund um Koblenz vermarktet zu werden, beispiels­weise auch in den Laden­geschäften des Provi­ders oder eben als Ergän­zung für die Fest­netz-Kunden.

Beim Basic-Tarif sei es ohnehin nur um mobile Erreich­bar­keit gegangen, in finan­zieller Hinsicht wäre der Tarif alleine "defi­zitär" gewesen. Das deutet darauf hin, dass ihn viele Kunden tatsäch­lich offenbar nur bestellt und in die Schub­lade gelegt haben, ohne selbst viel damit zu tele­fonieren. Kevag Telekom vermarktet nun ausschließ­lich Smart­phone-Tarife mit Grund­gebühr.

Das sind die Alter­nativen

Wirk­lich viele Vertrags-Tarife ohne Grund­gebühr gibt es damit nicht mehr. simplytel bietet mit dem clever 8 Cent plus Post­paid noch bis zum 19. August den letzten Vertrags-Tarif ohne Grund­gebühr, dieser ist aller­dings monat­lich kündbar, auch vom Provider. Seit einigen Monaten eben­falls nicht mehr für Neukunden erhält­lich ist der klar­mobil Handy-Spar-Tarif, der bei Nicht­nut­zung ab dem 4. Vertrags­monat 1 Euro Grund­gebühr gekostet hatte.

Die güns­tigsten reinen Tele­fonie-Tarife im Tarif­ver­gleich von teltarif.de sind dann der TNG Mobil­funk­paket Basis für 2,95 Euro monat­lich, der DOKOM21 Mobil basis für 2,99 Euro pro Monat und der htp Mobil Commu­nity für 5 Euro pro Monat, die eben­falls alle­samt von regio­nalen Fest­netz-Internet-Provi­dern stammen.

Der güns­tigste Smart­phone-Tarif mit Daten­volumen ist der freenet Mobile Minuten Tarif 1 GB für dauer­haft 3,99 Euro. Akti­ons­weise gibt es ab und zu den Crash Minuten Tarif 1 GB im Telekom-Netz für 2,99 Euro in den ersten 24 Monaten. In Online-Shops können verein­zelt auch Tarife auftau­chen, die durch Rabatte oder Gutschriften für eine gewisse Zeit rech­nerisch kostenlos sind, hier sollte man aber stets aufmerksam sein, ob das Angebot wirk­lich seriös ist und welche Folge­kosten nach Wegfall der Rabatte drohen. Nach wie vor inter­essant bleibt die SatelliteApp von sipgate, die eine kosten­lose deut­sche Handy­nummer per App inklu­sive 100 Frei-Minuten bereit­stellt.

In einer nach­fol­genden Meldung berichten wir nun auch über die Einstel­lung des simplytel clever 8 Cent plus Post­paid als endgültig letztem Handy-Vertrags­tarif ohne Grund­gebühr.

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