Katastrophenalarm

Katwarn als Warnsystem auf dem Handy: Was bringt das?

Sirenen sind out. Bei Katastrophenalarm klingeln oder blöken immer öfter Smartphones. Das kommunale Warnsystem Katwarn hat sich in fünf Jahren bundesweit ausgebreitet. Jetzt kommen neue Funktionen hinzu.
Von Rita Deutschbein mit Material von dpa
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Katwarn als Warnsystem auf dem Handy: Was bringt das?Katwarn: Das Warnsystem auf dem Handy Das Fraunhofer-Institut hat im Auftrag aller öffentlichen Versicherer Deutschlands das Katastrophen-Warnsystem Katwarn entwickelt. 2012 startete der Warndienst in Berlin. Nach ersten Anfängen als SMS- und Mail-Warndienst für das Handy hat sich das ostfriesische Pilotprojekt seit 2010 bundesweit verbreitet. In der neuesten Version als Smartphone-App sind künftig zusätzliche Funktionen möglich.

Was ist Ziel und Zweck von Katwarn?

Katwarn steht für Katastrophenwarnung und informiert Nutzer beispielsweise über Großbrände, heftige Unwetter, Umweltkatastrophen oder Pandemien. Das geschieht innerhalb der Länder und Kommunen seit Jahrzehnten bereits über Leitstellen und Katastrophenschutzeinrichtungen per Funk und Fernsehen sowie Sirenenalarme. Seit 2010 wurde das Warnsystem auf Verteiler von SMS, Mail oder Fax ausgeweitet. Inzwischen sind in der aktuellen Version für Smartphones weitere Funktionen hinzugekommen, etwa Hinweise auf Schulausfälle und Warnungen für sieben frei wählbare Orte.

Der Dienst orientiert sich an den Postleitzahlbereichen, der vorab vom Nutzer als relevant festgelegt wurde. Zudem gibt Katwarn ein Alarmsignal mit Warn-Nachricht aus, sobald sich der Nutzer in einen gefährdeten Bereich begibt. Auch Gehörlose können Katwarn nutzen: So wurde Anfang dieses Jahres ein Update für die Katwarn-App bereitgestellt, bei dem die Kommunikation verstärkt über Bilder und Symbole läuft.

Welche Vorteile hat das System?

Bai Katwarn kommt der Alarm aus der Hosentasche: Das System ist klein und unterwegs fast immer mit dabei. Die neue App ist ein zusätzlicher Kanal, andere Meldewege und Sirenen sollen deshalb nicht abgeschafft werden. Als Vorteil sieht das Fraunhofer-Institut auch die Anzeige von Zusatz-Infos: "Fenster und Türen schließen" hieß es etwa am Mittwoch auf der App im Landkreis Friesland wegen der Rauchwolke des brennenden Frachters "Purple Beach".

Warum ist Ostfriesland bei der Entwicklung des Systems so weit vorne?

Hintergrund ist unter anderem die besondere Gefahrenlage in Ostfriesland bei Sturmfluten und Hochwasser. Das erforderte ein schnelles Frühwarnsystem. Katwarn hat sich aus dem Warnsystem "Wind und Wetter" im Kreis Aurich in Zusammenarbeit von Feuerwehr, Ostfriesischer Landschaftlicher Brandkasse und Fraunhofer-Institut entwickelt.

Wie ist die Lage in anderen Regionen Niedersachsens?

Landkreise und kreisfreie Städte sind formal für Warnungen im Katastrophenfall zuständig. Dabei setzen immer mehr Kommunen auf Katwarn als "Schutzengel aus der Hosentasche": Bundesweit werden derzeit rund 20 Millionen Nutzer von Handys oder Smartphones erreicht. Darunter sind die Bewohner vieler Großstädte, aber auch weite ländliche Bereiche. In Niedersachsen ist Katwarn bisher nur in Ostfriesland, in Oldenburg und den Landkreisen Osnabrück, Wesermarsch und Friesland nutzbar. Nach Angaben des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes steht jedoch die Einführung in weiteren Städten bevor, Gespräche mit anderen Kommunen sind im Gange.

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