Netzausbau

Kathrein Street Connect: Die Antenne, die im Boden verschwindet

Um in Innenstädten bessere Mobilfunknetze aufzubauen, sind neue Antennenkonzepte gefragt. Zum Beispiel Kathrein Street Connect: Mit dieser Lösung kommt das Mobilfunksignal aus dem Boden und nicht von den Dächern. Wir stellen die Antenne vor.
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Mobilfunkantennen sind im Zeitalter des mobilen Internets beinahe allgegenwärtig. So richtig populär sind die Sendemasten jedoch nicht: Sie strahlen und nur in wenigen Fällen verschönern sie die Skyline. Und in den Innenstädten? Da kommt es oft zu dem Problem, dass Aufbauarbeiten aufwändig sind und in historischen Vierteln mag man gar nicht daran denken, beispielsweise eine Gasse aus dem 16. Jahrhundert um Antennenstandorte zu bereichern. Aber gerade dort sind oft viele Menschen gleichzeitig und die benötigte Kapazität der Handynetze ist hoch. Kleine Mikrozellen könnten die Antwort sein, aber sie passen optisch nicht in die Umgebung.

Kathrein Street Connect ist die Mobilfunkantenne im Boden.Kathrein Street Connect ist die Mobilfunkantenne im Boden. Die Swisscom stand genau vor diesem Problem und musste sich etwas einfallen lassen. Irgendwann kam die Frage auf: Warum nicht die Antenne in den Boden versenken? Eben! Warum eigentlich nicht?

So war die Idee für die Antenne im Kabelschacht, die spätere Kathrein Street Connect geboren. Die geht so: Eine speziell konstruierte Antenne wird in einen vorhandenen Schacht unter den Bürgersteig eingebaut. Von oben sieht der Funkstandort aus wie ein Gullydeckel. Da die für den Betrieb notwendige Infrastruktur (wie Strom- und Glasfaseranbindung) dank dieser Methode recht nah ist, sinkt der Aufwand beim Erstaufbau und Kosten ebenso. Die Swisscom schätzt, dass die Kosten des Aufbaus von Kathrein Street Connect rund ein Zehntel der Kosten eines klassischen Antennenstandorts betragen. Da die Antenne im Boden versenkt ist, entfällt auch eine Montage auf dem Dach oder an der Gebäudewand. Und weil die Infrastruktur nicht bis zum Dach gezogen werden muss, sinken eventuelle Mietkosten.

So funktioniert die Technik

Kathrein Street Connect sieht aus wie ein Gullydeckel, ist aber eine Mobilfunkantenne.
Kathrein Street Connect sieht aus wie ein Gullydeckel, ist aber eine Mobilfunkantenne.
Von Außen betrachtet unterscheidet sich Kathrein Street Connect kaum von einem klassischen Gullydeckel (wenngleich die Funktion offensichtlich komplett unter­schied­lich ist). Statt aus Metall besteht der Deckel jedoch aus einem speziellen Kunststoff, der bis zu 40 Tonnen Gewicht aushalten soll - damit steht einer Montage sogar auf einer vielbefahrenen Straße nichts im Weg. Auch Wind und Wetter und vor allem Eis und Schnee können dem Antennenmodul nichts anhaben: Es ist nach der Norm IP68 vor eindringendem Wasser und Festkörpern geschützt. Demnach sollte selbst eine Überschwemmung keine Schäden hinterlassen. Das von der Antenne ausgestrahlte Mobilfunksignal hat in etwa die Form eines Donut. Kathrein Street Connect hat eine Reichweite von rund 100 - 200 Metern (je nach Bebauungsdichte) und unterstützt zum Beispiel LTE auf 1800 und 2600 MHz (dank 2x2-MIMO kann die Kapazität sogar verdoppelt werden). Laut Aussage eines Kathrein-Mitarbeiters sei die Antenne grundsätzlich zum Beispiel auch für den Betrieb von WLAN geeignet. Der Fokus der Vermarktung liege aber eindeutig auf Mobilfunk-Anwendungen. Die Swisscom wird nach den erfolgreichen Erprobungen in Bern Kathrein Street Connect an weiteren Orten im Schweizer Netz einsetzen.

Bei anderen (internationalen) Netzbetreibern soll ebenfalls ein großes Interesse an Kathrein Street Connect vorhanden sein. Denn die Lösung der beiden Partner Swisscom und Kathrein ermöglicht es, recht kostengünstig kleine Mobilfunkzellen aufzubauen. Mit LTE auf zwei Frequenzbändern kann Street Connect an stark frequentierten Stellen dringend benötigte Kapazitäten für mobiles High­speed-Internet bereitstellen.

Auf dem MWC in Barcelona erklärten uns Swisscom- und Kathrein-Mitarbeiter, dass die Erfahrungen in der Praxis durchweg positiv gewesen seien. Der Aufbau ist gegenüber einem Dachstandort erheblich einfacher und kostengünstiger und die Integration in das Mobilfunknetz sei unproblematisch. Handynutzer bemerken von der Antennenposition im Boden nichts, sondern haben einfach an stark frequentierten Orten ein leistungsfähigeres Netz und das Handy benötigt deutlich weniger Leistung für die Funkverbindung. Und auch bei den Kommunen stoße die Lösung auf Gegenliebe, weil gerade in touristisch wichtigen Gegenden einerseits besseres Mobilfunknetz zu haben sei, die Infrastruktur dafür aber optisch nicht störe.

Denkbar ist also durchaus, dass das Mobilfunknetz an manchen Stellen künftig aus dem Boden kommt und nicht mehr aus der Luft.

Kathrein: Info-Video zu Street Connect

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