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Telekom: Mit SmartCells noch besseres Netz

Beim Kapitalmarkt-Tag stellte die Deutsche Telekom beeindruckende Zahlen vor und gab Einblicke in die Zukunft von Netz und Service.
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Heutzutage lädt jede größere Aktiengesellschaft, die etwas auf sich hält, zum Kapitalmarkt-Tag ein. Eigentlich ist das eine Veranstaltung für Börsen-Profis und Analysten, die sich anschauen, wie sich die Aktien eines bestimmten Unternehmens entwickelt haben und wohin die finanzielle Reise gehen soll. Es geht um Fachbegriffe wie EBITDA (Gewinne vor Steuern und Abschreibungen), es geht um FCF oder Free Cash Flow, ein Index, wie "finanziell gesund" ein Unternehmen ist.

Bei der Deutschen Telekom geht es aber auch um den Kern des Unternehmens, das "Netz" und was damit passieren wird. Das ist auch für Nicht-Börsianer spannend. Zwei Tage hat die Telekom für ihren Kapitalmarkt-Tag eingeplant, am Donnerstag und Freitag dieser Woche.

Blendende Zahlen mit Wachstum

Für die Finanz-Gurus zeigt Telekom anhand vieler Grafiken, dass auch in den kommenden Jahren die wichtigsten Finanzkennzahlen weiter steigen sollen. Für den Zeitraum zwischen 2017 bis 2021 soll der Umsatz jährlich im Schnitt um 1 bis 2 Prozent steigen, das bereinigte EBITDA soll im Schnitt um 2 bis 4 Prozent zulegen und der Free Cashflow durchschnittlich um 10 Prozent pro Jahr wachsen. Das seien, so die Bonner Finanzexperten, dieselben Wachstumsraten, die der Konzern beim Kapitalmarkttag 2015 für die Jahre 2014 bis 2018 vorausgesagt und danach auch erreicht oder teilweise übertroffen habe.

Aktionäre können sich freuen

Beim Kapitalmarktag geht es um jede Menge ZahlenBeim Kapitalmarktag geht es um jede Menge Zahlen Wer Aktien der Telekom besitzt, wird sich freuen. Die Dividende für das laufende Geschäftsjahr, die nächstes Jahr ausbezahlt wird, soll der Entwicklung des Free Cashflows folgen. Wenn alles glatt geht, könnten das 70 Cent pro Aktie werden. Der aktuelle Börsenkurs der Telekom-Aktie betrug am 25.05.18 um 10.52 Uhr 13,36 Euro.

Dividende an Gewinn ankoppeln

In den folgenden Jahren soll sich die Dividende am bereinigten Gewinns orientieren. Der soll von 1 Euro (2018) auf rund 1,20 Euro im Jahr 2021 wachsen.

Telekom Chef Tim Höttges hat klare Vorstellungen: „Alle Einheiten des Konzerns sollen dabei zum Wachstum beitragen. Wir sind die führende Telko in Europa und wir haben eine starke Position auf beiden Seiten des Atlantiks.“ Die Deutsche Telekom will ihre Führungsposition bei ihren Netzen durch weiterhin hohe Investitionen verteidigen, außerhalb der USA sollen es auf dem hohen Niveau von 2017 bleiben.

Kostensenkungen

Um in der Finanzwelt zu punkten, will die Telekom die internen Kosten in den kommenden Jahren deutlich reduzieren. Außerhalb der USA sollen es bis 2021 etwa 1,5 Milliarden Euro weniger sein. Etwa die Hälfte davon entfällt auf nicht personalbezogene Einsparungen, also bei Immobilien (Gebäuden) oder nicht mehr gebrauchten Technik-Plattformen, zum Beispiel als Folge der laufenden IP-Umstellung, die für Privatkunden in Deutschland bis 2019 komplett abgeschlossen werden soll. Die geplante Personalreduzierung werde durch spezielle Vereinbarungen, wie Altersteilzeit, weitgehend erreicht.

Es wird gebaut

Ob Privat oder Arbeitsleben, alles ist vernetzt. In die Netze will die Telekom weiterhin vertärkt investieren.Ob Privat oder Arbeitsleben, alles ist vernetzt. In die Netze will die Telekom weiterhin vertärkt investieren. Ganz klar, es wird weiter gebaut: Der Breitbandausbau wird auch in den kommenden Jahren ein klarer Schwerpunkt bleiben. Tim Höttges ist "bekennender Netzinvestor", mit "Milliarden für Millionen" und der Glasfaser-Ausbau wird forciert. In Deutschland sollen bis Ende kommenden Jahres 80 Prozent der Haushalte mit Glasfaser-Infrastruktur der Telekom für schnelles Internet erreicht werden, wobei die Telekom darunter auch FTTC (Glasfaser bis zum Verteilerkasten) versteht. Durch den Ausbau von Vectoring sollen bereits zum Jahresende 2019 rund 70 Prozent der Haushalte in Deutschland Bandbreiten von mindestens 105 MBit/s buchen können.

Super Vectoring kommt noch dieses Jahr

In der zweiten Hälfte diesen Jahres startet die Deutsche Telekom dann den Rollout von Super-Vectoring. Dabei wird in den erwähnten Verteilerkästen eine Baugruppe ausgewechselt. Interessierte Kunden brauchen evtl. ein aktuelleres Modem und erhalten dann bis zu 250 MBit/s Datenrate im Downstream. Die ersten rund 15 Millionen Haushalte können das schon bis Jahresende erleben, mit Mindest­geschwindigkeiten von 105 MBit/s.

Künftig 2 Millionen Haushalte pro Jahr mit FTTH

Parallel erfolgt bereits in diesem Jahr der Glasfaserausbau bis ins Haus (FTTH), beispielsweise in Gewerbegebieten, für Schulen und in neu gebauten Wohngebieten. Wenn es die regulatorischen Rahmenbedingungen hergeben, sollen ab 2021 bis zu 2 Millionen Haushalte pro Jahr mit FTTH (Glasfaser bis ins Haus) erreicht werden, bei Bandbreiten die dann im GigaBit Bereich liegen können, wenn der Kunde das bestellt.

Wo FTTH technisch nicht möglich ist, sollen etwa ein Viertel der deutschen Haushalte über drahtlose Funk-Technologien (WTTH) einen Zugang zu Gigabit-Geschwindigkeiten bekommen.

LTE-Ausbau durch Small Cells verstärkt

Nicht nur in Deutschland, sondern bei allen europäischen Telekom-Töchtern soll der Anteil der Investitionen für Glasfaser bis ins Gebäude verdreifacht werden, insgesamt soll sich der finanzielle Investitionsrahmen aber nicht ändern.

Im Mobilfunk sollen weiße Flecken geschlossen, die Bandbreiten erhöht und die Vorbereitungen und Grundlagen für das kommende 5G-Netz gelegt werden. Dafür plant die Telekom, die Zahl der Mobilfunk-Basisstationen in Deutschland von etwa 27.000 Anlagen (insgesamt) im Jahr 2017 auf 36.000 Anlagen (insgesamt) im Jahre 2021 zu erhöhen.

Dazu werden neue sogenannte "Small Cells" für verdichtete innerstädtische Bereiche aufgebaut. Das sind winzig kleine Sendestationen, die in Reklametafeln oder auf Telefonsäulen / Telefonzellen angebracht werden können und meist auf 2600 MHz (LTE) funken. Durch diesen schnelleren Ausbau will die Telekom ihre Bevölkerungsabdeckung mit LTE-Technologie in Deutschland von 94 Prozent im Jahr 2017 auf 98 Prozent im Jahr 2019 erhöhen. Die letzten Prozent Bevölkerungsabdeckung sind immer aufwendiger zu erreichen.

Europaweit sind für das Jahr 2021 eine Zahl von 47 000 klassische Basisstationen und Small Cells (insgesamt) geplant, letztes Jahr liefen bereits 41 000 Stationen.

In den USA kann die frisch fusionierte T-Mobile-US mit ungewöhnlich niedrigen Frequenzen bei 600 MHz daran gehen, die Lücken in den riesigen ländlichen Gebieten der USA zu füllen. Auf höheren Frequenzen sollen die Kapazitäten im Netz erhöht und die Versorgung innerhalb von Gebäuden verbessert werden. Dazu stehen auch einige hierzulande unübliche Frequenzen wie 1700 MHz zur Verfügung.

Europa: Bündelprodukte im Fokus

Das Internet der Dinge braucht ein gutes flächendeckendes NetzDas Internet der Dinge braucht ein gutes flächendeckendes Netz Damit die Kunden optimal versorgt werden, bleiben in Europa sogenannte Bündelprodukte aus Festnetz und Mobilfunk unter dem Markennamen "MagentaEINS" im Mittelpunkt der Vermarktung. Die Telekom hat festgestellt, dass MagentaEINS Kunden eine um etwa die Hälfte niedrigere Kündigungsrate als andere Kunden haben.

Bei Bündel-Kunden sind die monatlichen Umsätze – etwa durch die Buchung zusätzlicher Dienste – deutlich höher. Der Anteil der Haushalte in Europa, die solche konvergenten Angebote nutzen, soll weiter steigen: von 21 Prozent im Jahre 2017 auf rund 40 Prozent im Jahre 2021.

Besserer Service

Im Blickpunkt der Telekom stehen weitere Verbesserungen beim Kundenservice. Dabei seien deutliche Fortschritte erzielt worden. Die Beschwerderate soll weiter gesenkt, die Kundenzufriedenheit deutlich verbessert werden. Doch Höttges ist realistisch: „Unser Service ist nie fertig. Darum verbessern wir ihn ständig. Er soll tadellos sein. Er prägt unser Image insgesamt. In Deutschland wollen wir darum den Anteil der Probleme, die wir für Kunden innerhalb von 24 Stunden lösen können, von aktuell 66 Prozent auf mehr als 80 Prozent im Jahre 2021 erhöhen“.

Bei den Angeboten für Geschäfts- und Systemkunden setzt die Deutsche Telekom auf Angebote wie Internet der Dinge, Cloud und Sicherheitslösungen. Für diese Bereiche erwartet die Konzerntochter T-Systems bis 2021 ein deutliches Wachstum. Damit soll das stehengebliebene oder sogar leicht zurückgegangene klassische Telekommunikations- und IT-Geschäft von T-Systems "überkompensiert" werden, auf der Agenda steht hier "Wachstum".

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