Themenmonat IFA&Konvergenz Experiment

Handy-Kameras: Klein und scharf passt nicht zusammen

teltarif.de-Experiment zeigt Grenzen von Handy-Kameras auf
Von Kai Petzke / Rainhold Birgmann

Die Kamera fehlt heutzutage an fast keinem Mobiltelefon mehr. Die ersten Kameras hatten relativ niedrige Auflösungen und die Handys boten zudem nur wenig Speicherplatz. Damit bot die Kamera eine Zusatzfunktion, ohne jedoch ein ernsthafter Ersatz für Fotoapparate zu sein. Mit der Zeit verbauten die Handy-Hersteller immer bessere Kameras in die Geräte. Zudem sorgte das rasante Wachstum der Speicherkapazitäten dafür, dass heute selbst kleine Handys hunderte oder gar tausende Fotos im Gerätespeicher oder auf Speicherkarten aufzeichnen können. Damit ist der Grundstein dafür gelegt, das Handy tatsächlich als Hauptkamera einzusetzen.

Zwei Merkmale stellen die Hersteller in ihrer Werbung besonders heraus. So wird auf die relativ geringe Größe des Geräts aufmerksam gemacht und auf eine besonders hohe Anzahl an Megapixel. teltarif.de hat dies schon zuvor näher und kritisch beleuchtet und eine hochauflösende Handy-Kamera mit einer ähnlich auflösenden Spiegelreflexkamera verglichen. Beim Vergleich des Gesamtbildes in niedriger Auflösung hielt das Kamerahandy erstaunlich gut mit. Beim Zoom auf Details gewann hingegen die Spiegelreflexkamera um Längen, obwohl beide Kameras über eine vergleichbare Pixelanzahl verfügten. Es stellt sich die Frage: Inwieweit ist es überhaupt möglich, die Kameras immer kleiner und immer hochauflösender zu machen. Wo liegen hier die Grenzen?

Licht lässt sich nicht einsperren

Das von teltarif.de durchgeführte Experiment Um zu zeigen, was passiert, wenn man eine Kamera immer weiter verkleinert, führen wir ein klassisches Experiment durch: Ein Laserstrahl wird durch einen engen Spalt geschickt. Hinter dem Spalt steht ein Schirm (das kann aber auch eine weiße Wand sein), und wir machen bei unterschiedlichen Einstellungen des Spalts jeweils ein Foto, wie der vom Laserstrahl erzeugte Fleck auf dem Schirm bzw. der Wand aussieht. Wir wollen nun beobachten, was passiert, wenn wir diesen Spalt immer kleiner machen.

Foto zeigt: Ein Laser strahlt durch eine Blende Abb. 1: Ein Laser strahlt durch eine weit geöffnete Blende
Foto: teltarif.de
Zunächst aber ist der Spalt bzw. die Blende weit geöffnet. Der Laserstrahl kann ungehindert hindurch scheinen. Auf dem Schirm bzw. der Wand sieht man einfach einen hellen Fleck (siehe Abb. 1 nebenan). Die wolkige Struktur rund um den zentralen hellen Punkt kommt daher, dass Laser nicht perfekt sind und ein kleiner Teil des Lichts etwas seitlich vom Hauptstrahl fällt. Das allermeiste Licht ist aber wirklich im hellen Punkt in der Mitte gebündelt. Und jenseits der "der-Laser-ist-nicht-perfekt"-Wolke ist alles dunkel.

Foto zeigt: Verkleinerung des Spalts Abb. 2: Verkleinerung des Spalts
Foto: teltarif.de
Im nächsten Schritt machen wir den Spalt dünner, so dass er weniger breit ist als der Laserstrahl dick. Der Laserstrahl wird damit vom Spalt links und rechts beschnitten. Die Verwunderung jedoch beim Blick auf den Schirm (siehe das Foto aus Abb. 2): Mitnichten ist dort der zentrale Lichtfleck links und rechts beschnitten. Im Gegenteil, der Strahl wurde nach links und rechts aufgeweitet und beleuchtet den Schirm jetzt sogar in Bereichen, die vorher dunkel waren!

Der Versuch, den Lichtstrahl mit dem Spalt in horizontaler Richtung einzusperren, führte dazu, dass der Lichtstrahl sich horizontal verbreitert hat. Schuld daran ist die Wellennatur des Lichts: Wird es eng, wird die vorher gleichmäßige Ausbreitung der Wellenfront gestört und es bilden sich neue Wellen in seitlicher Richtung.

Foto zum teltarif-Experiment Abb. 3: Spalt kaum größer als Licht-Wellenlänge
Foto: teltarif.de
Je enger man den Spalt stellt, desto stärker wird die Beugung, die den Lichtstrahl aufweitet. Die stärksten Beugungseffekte gibt es, wenn der Spalt kaum noch breiter ist als die Lichtwellenlänge. In Abb. 3 lässt sich gut erkennen, dass der zentrale helle Punkt komplett verschwunden ist. Statt eines einzelnen hellen Punktes gibt es nun einen hellen Streifen, der von einzelnen dunklen Punkten unterbrochen wird. Extremer könnte die Verwandlung kaum sein, und das nur durch Verkleinerung des Spalts, durch den das Licht fällt!

Lesen Sie auf der folgenden Seite, welche Konsequenzen diese Beugungseffekte für Kamerahandys haben, obwohl deren Linsen bis zu tausendfach größer sind als der hier betrachtete Spalt.

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