Technik

DOCSIS 3.0: Über 100 MBit/s im TV-Kabelnetz

Kabelnetz-Betreiber drehen an der Geschwindigkeits-Schraube
Von Björn Brodersen

Breitband-Internet-Anschlüsse in Deutschland werden immer schneller. Während DSL-Einsteiger oder Provider-Wechsler sich inzwischen immer häufiger gleich für DSL-6000- und DSL-16000-Anschlüsse entscheiden und über die VDSL-Technologie zurzeit Datenempfangsraten von bis zu 52 MBit/s erreicht werden, bieten die Kabel-Internet-Anschlüsse momentan Bandbreiten von bis zu 120 MBit/s im Downstream. Möglich macht dies im TV-Kabelnetz der internationale Datenübertragungsstandard DOCSIS 3.0, mit der europäischen Variante EuroDOCSIS 3.0 sind theoretisch sogar Datenübertragungen mit bis zu 400 MBit/s denkbar. Wir erklären die Technologie hinter dem schnellen Datenübertragungsstandard.

Bislang werden die hohen Datenraten nur in einzelnen Städten angeboten

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Foto: Unitymedia
Seit Juli 2009 bietet der baden-württembergische Kabelnetz-Betreiber Kabel BW bis zu 100 MBit/s im Downstream schnelle Kabel-Internet-Zugänge mit Doppel-Flatrate für knapp 50 Euro pro Monat in der Region Stuttgart an. Bis Mai dieses Jahres will Kabel BW diese schnellen Breitband-Internet-Zugänge flächendeckend im Bundesland offerieren. Im November vergangenen Jahres erfolgte dann der Startschuss für die Bandbreiten-Erhöhungsrunde in Nordrhein-Westfalen und Hessen: Unitymedia verkündete die Verfügbarkeit von bis zu 120 MBit/s im Downstream schnellen, auf EuroDOCSIS 3.0 basierten Kabel-Internet-Anschlüssen in Köln, Aachen und Bergisch-Gladbach. Für das Anschlusspaket mit Doppel-Flatrate zahlen Kunden hier 80 Euro im Monat.

Kabel Deutschland (KDG), der größe deutsche Kabelnetz-Betreiber, vermarktet seit vergangenem Februar in Hamburg bis zu 100 MBit/s schnelle Internetzugänge mit Doppel-Flatrate für ebenfalls knapp 50 Euro pro Monat. Zudem beabsichtigt das Unternehmen, die neuen Internet- und Telefon-Pakete zunächst bis August dieses Jahres in Berlin, Hannover und München und bis zum Herbst kommenden Jahres im gesamten modernisierten Netzausbaugebiet einzuführen. "Mit dem neuen Kabel-Standard erhöhen wir unsere Angebotsvielfalt – und das mit überschaubaren Investitionen", sagte Levent Demirörs, Direktor Produktmanagement Kabel Internet & Phone bei Kabel Deutschland, zum Angebotsstart. "Da DOCSIS 3.0 erweiterbar ist, ist sogar ein Vielfaches der jetzt angebotenen Geschwindigkeiten möglich. Wir können somit flexibel den Bedarf im Markt bedienen."

Schrittweise Anpassung des Standards an sich ändernde Gegebeneheiten

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Foto: teltarif.de
DOCSIS (Data Over Cable Service Interface Specification) bezeichnet den Standard für die bidirektionale Datenübertragung im Kabelnetz - der Standard kommt also nur in den mit einem Rückkanal versehenen Kabelnetz zum Zuge. Der DOCSIS-Standard wurde seit seiner Einführung im Jahr 1997 stetig an neue Gegebenheiten angepasst. So wurden nach und nach Merkmale wie die dynamische Dienstequalität (Quality of Service) für Telefonate über die Breitband-Leitung (Voice over Cable), die Verbesserung der Upstream-Performance oder - im Jahr 2006 mit der Einführung der aktuellen Version DOCSIS 3.0 - die Kanalbündelung eingeführt. DOCSIS ist bis zur Version 3.0 abwärtskompatibel und erlaubt den parallelen Betrieb von allen anderen vorangegangenen Versionen des Standards.

Der an die Fernsehnormen der europäischen Kabelnetze angepasste EuroDOCSIS-Standard bietet eine um 2 MHz auf 8 MHz erweiterte Frequenz-Bandbreite pro Downstream-Kanal sowie eine Frequenz-Bandbreite von 5 bis 65 MHz pro Upstream-Kanal, erklärt Frank Hellemink, Leiter IP & Optical Network Engineering bei Kabel Deutschland. Bei einer Modulation von 256-QAM und bei einer Symbolrate von 6,952 MSym/s (Megasymbole pro Sekunde) ergibt sich für einen Kanal ein Brutto-Datendurchsatz von 55,616 MBit/s bzw. - nach Abzug der Vorwärtsfehlerkorrektur - ein Netto-Datendurchsatz von 51,254 MBit/s. Dem steht auf der Upstream-Seite ein Brutto-Datendurchsatz von 30,72 MBit/s bei einer Modulation von 64-QAM und einer Symbolrate von 5,12 MSym/s gegenüber.

Auf der folgenden Seite lesen Sie, warum auch Kabelnetz-Betreiber die tatsächlich verfügbare Datenübertragungsrate für den Nutzer nicht garantieren können.

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