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Kabel-Internet-Ausbau könnte Radio-Empfang lahmlegen

DOCSIS 3.1 soll für schnellere Internet-Zugänge über Breitbandkabelnetze sorgen, kann an anderer Stelle aber für massive Probleme sorgen. So tangiert die Technik Frequenzen, die auch für terrestrischen Rundfunk genutzt werden
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DOCSIS 3.1 kann Hörfunkempfang massiv störenDOCSIS 3.1 kann Hörfunkempfang massiv stören Die Kabelnetzbetreiber planen eine Aufrüstung ihrer Breitbandverteilnetze mit DOCSIS 3.1. Der neue Standard soll für noch schnellere Internet-Zugänge über den Kabelanschluss sorgen. Dazu wird der in den Breitbandnetzen genutzte Frequenzbereich ausgeweitet. Grundsätzlich sieht der DOCSIS-3.1-Standard die Nutzung von Frequenzen bis 1,7 GHz vor.

Welcher Bereich in Deutschland zunächst zum Einsatz kommt, ist noch unklar. Viele Netzelemente dürften derzeit nur für Frequenzen bis 862 MHz ausgelegt sein. Doch auch die vollständige Nutzung dieses Bereichs könnte andere Dienste tangieren, die auf den gleichen Frequenzen funken.

UKW und DAB+ könnten betroffen sein

Auch der herkömmliche Radioempfang über UKW oder DAB+ könnte betroffen sein. Schließlich werden die analogen Hörfunkprogramme im Bereich um 100 MHz ausgestrahlt, DAB+ funkt auf Frequenzen um 200 MHz. Beide Betriebsarten nutzen demnach Kanäle, die sich mitten im für DOCSIS 3.1 vorgesehenen Frequenzbereich befinden.

Wie sich der Breitbandausbau wirklich auswirkt, ist derzeit noch nicht absehbar. Thomas Schierbaum vom Institut für Rundfunktechnik (IRT) erklärte auf Anfrage von teltarif.de: "Wir kennen die Diskussionen um die potentiellen Störungen von DOCSIS 3.1 auf den Hörrundfunkempfang. Derzeit liegen uns noch keine klaren Erkenntnisse vor. Die technischen Untersuchungen sind derzeit im Gange und werden auf europäischer Ebene von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) koordiniert."

Schierbaum erklärte weiter, nach Kenntnisstand des IRT habe die Schweiz bereits DOCSIS 3.1 eingeführt und in diesem Zuge den UKW-Hörfunk im Kabel abgeschaltet. Man sehe in Kontakt mit den dortigen Rundfunkkollegen, um eventuelle Folgen für den Kabelhörfunkempfang aus erster Hand zu erhalten. Es sei aber noch zu früh für Aussagen.

Schlecht geschirmte Kabelnetze verursachen Störungen

Allerdings besteht nicht nur in den Kabelhaushalten selbst die Gefahr, dass der Hörfunkempfang massiv gestört oder sogar unmöglich gemacht wird. Oft dringt die Strahlung aus dem Breitbandverteilnetz auch nach außen, vor allem weil die Hausverteilanlagen nicht gut abgeschirmt sind. Das Kabelnetz wirkt in diesem Fall wie ein breitbandiger Sender, der die Signale regulärer Hörfunkstationen überdeckt.

Den Effekt kennen wir bereits aus den 80er und 90er Jahren und auch heute ist es nicht selten, dass Hörfunkprogramme auf ihren in den Kabelnetzen genutzten UKW-Frequenzen auch ganz normal im Radio empfangen werden können - unabhängig vom Anschluss des Empfängers an den Kabelanschluss. Selbst im Autoradio sind solche Aussendungen zu beobachten, die je nach genutzter Frequenz auch reguläre Hörfunksendungen stören können.

Wird nun aber der UKW-Bereich für DOCSIS 3.1 und somit für Kabel-Internet genutzt, so könnte dies zur Folge haben, dass anstelle des gewünschten Hörfunkprogramms nur Rauschen zu hören ist. Beim Empfang des terrestrischen Digitalradios DAB+ könnte es zu Aussetzern kommen, wenn das Nutzsignal gegenüber den Störungen aus dem Kabelnetz zu schwach ist.

Probleme mit Kabelstrahlung nicht neu

Neben dem bereits geschilderten Effekt, dass sich Kabel-UKW-Programme zum Teil auch terrestrisch empfangen lassen, gab es schon vor vielen Jahren Diskussionen um den Einsatz des Sonderkanals 6 in den TV-Kabelnetzen. Dieser tangiert das 2-Meter-Amateurfunkband und verursacht dort massive Störungen im Funkverkehr - zum Teil sogar weit außerhalb bebauter Gegenden, was zeigt, dass Kabelnetze bei schlechter Schirmung durchaus auch in größerem Rahmen für Empfangsprobleme anderer Funkdienste sorgen können.

Das Problem des Hörfunkempfangs versus DOCSIS 3.1 im Kabelnetz haben wir auch in einer weiteren Meldung bereits aufgegriffen. Dabei haben wir auch aufgezeigt, welche Lösungen sich in Kabelhaushalten empfehlen und was betroffene Radiohörer gegen die Störungen unternehmen können.

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