Breitbandausbau

Kabel Deutschland: Vectoring ist eine "Mogelpackung"

Der Breitbandausbau und dessen Förderung sind auch Thema auf der Anga Com. Während die Telekom im Vectoring die Zukunft sieht, stehen Kabel Deutschland und weitere Branchen-Mitglieder dieser Technologie eher skeptisch gegenüber. Dabei wurde Vectoring sogar als "Mogelpackung" bezeichnet.
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Rainer Halle (links) und Marcus Isermann (rechts)Rainer Halle (links) und Marcus Isermann (rechts) Kabel Deutschland übt an der Förderung von Vectoring im Rahmen des Breitbandausbaus der Bundesregierung Kritik und bezeichnete diese Technologie als "Mogelpackung". Anlass zu dieser Äußerung war eine Podiumsdiskussion auf der Anga Com in Köln, auf der vor allem die Finanzierung und Förderungen des Breitbandausbaus in Deutschland im Fokus standen. Die Finanzierung soll etwa 80 Milliarden Euro kosten. Bis 2018 sollen flächendeckend bis zu 50 MBit/s im Downstream zur Verfügung stehen. Bisher ist Schleswig-Holstein das einzige Bundesland, das ein Infrastrukturziel hat: 23 Prozent FTTB/H.

Laut Kabel Deutschland sei es gerade am Beispiel von Bayern gut erkennbar, dass hier eine VDSL-Landschaft hochgezogen wurde. Davon würde vor allem ein Unternehmen profitieren, nämlich die Telekom. Laut Dr. Annette Schumacher von Kabel Deutschland, auch in Vertretung für Vodafone, werde man damit das vorgegebene 50-MBit/s-Ziel bis 2018 nicht schaffen, denn dadurch würden die Bandbreiten nur kurzfristig "hochgeschoben".

Mit Vectoring würde man aber "nicht schnell genug leistungsfähige Netze in die Fläche bekommen". Zudem wäre laut Schumacher dadurch nicht "dauerhaft und nachhaltig der Bandbreitenbedarf sichergestellt". Schumacher meint auch, dass man dem Technologie-Mix in puncto Netzausbau mehr Raum geben müsse. Dabei könne auch LTE eine Teil-Lösung sein. Kabel Deutschland sei zudem "mit FTTB-Projekten in vielen Bundesländern reingegangen um das Kabelnetz zu erweitern". Man wolle lieber selbst die "Lücken" schließen, als das man "von FTTC-Projekten überbaut wird".

Telekom: Vectoring ist die Zukunft

Die Telekom sieht natürlich in Vectoring die Zukunft. Als Vertreter war Marcus Isermann von der Deutschen Telekom AG bei der Diskussion dabei. Er betonte nochmals, das es auch das Ziel der Telekom sei, gemeinsam bis 2018 mindestens 50 MBit/s im Downstream zur Verfügung stellen zu können. Er ist der Ansicht, dass sowohl im Mobilfunk als auch im Festnetz die beste Netzinfrastruktur verlegt werden muss. Man setze zwar auch auf FTTH, allerdings sei "Vectoring die schnellste und zukunftssichere Technologie, um möglichst viele Endkunden zu versorgen". Eine FTTH-Strategie sei in den Augen der Telekom nicht so schnell umsetzbar. Es sei in diesem Zusammenhang sogar fraglich, ob man FTTH in Deutschland überhaupt jemals flächendeckend umsetzen könne.

Weitere Branchen-Meinungen zum Ausbau

Diskussionsrunde zum Netzausbau auf der Anga ComDiskussionsrunde zum Netzausbau auf der Anga Com Für die EWE Tel steht der Glasfaser-Ausbau im Vordergrund. Im ersten Schritt der Ausbau bis zum Kabelverzweiger, aber das Unternehmen denke dabei auch nach Vorne, dass heißt, "unsere Gehäuse, die wir dort aufstellen sind auch auf den Glasfaserausbau vorbereitet, der danach kommt. Es ist für uns das Ziel, nicht bei FTTC Schluss zu machen, sondern wir gehen von dort aus auch weiter bis ins Haus", sagte Norbert Westfal (Geschäftsführer EWE TEL GmbH & EWE Vertrieb GmbH sowie Breko-Präsident).

Westfal betonte dabei noch, dass man bei diesem Projekt allerdings für die Umsetzung von "größeren Zahlen als 2018" spreche. Zudem gab Westfal mit Blick auf den Breitbandausbau mit auf den Weg: "Für das Ziel der Bundesregierung tatsächlich flächendeckend Breitband anzubieten, muss man aber auch tatsächlich im ländlichen Bereich bauen und nicht die möglicherweise gut versorgen Zentren noch besser versorgen.“ Weiterhin sei laut EWE Tel bei der Förderung auch die richtige Ausschreibung wichtig. Allen Wettbewerbern sollte dabei die Möglichkeit eingeräumt werden, Angebote abzugeben. Ansonsten könne davon ausgegangen werden, dass nicht "der günstigste Ausbau stattfindet". Abschließend forderte Westfal nochmals, dass Ausschreibungsbedingungen fair und transparent sein müssen.

Rainer Helle - Leiter des Referates Telekommunikation, Informationswirtschaft, Post, Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein, ist der Auffassung: "Direkter FTTB/FTTH-Ausbau ist in vielen Fällen günstiger als schrittweiser Ausbau via Vectoring."

Zu der Veranstaltung hatte der Breko (Bundesverband Breitbandkommunikation e.V) geladen und die Podiumsdiskussion unter dem Titel "Kursbuch Netzausbau" geführt. Dementsprechend war auch Dr. Stephan Albers, der Geschäftsführer des Breko, vor Ort. Dieser ist der Meinung: "Der eigenwirtschaftliche Glasfaserausbau der Netzbetreiber steht im Vordergrund!"

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