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Cluster, Kanäle & mehr: Wie das Internet per TV-Kabel schneller wird

Die Kabelnetzbetreiber müssen ihre Netze fortwährend ausbauen. Wir zeigen Ihnen, was dabei passiert und was Kunden zu einem schnelleren Netz beitragen können.
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Netzausbau: Ein Kabelkanaldeckel von Vodafone Kabel DeutschlandNetzausbau: Ein Kabelkanaldeckel von Vodafone Kabel Deutschland Internet über das TV-Kabel - für die einen das Allheilmittel für schnelles Internet, für andere eine leidvolle Erfahrung mit chronisch überbuchten Leitungen. Und: Beides ist richtig. Denn dort, wo die Kabelinfrastruktur von den Anbietern vernünftig ausgebaut und bei wachsendem Bedarf rechtzeitig nachgeführt wird, sind Leitungen mit 100, 200 oder gar 400 MBit/s kein Problem. Dort, wo der rechtzeitige Ausbau versäumt wurde und trotz Überbuchung noch weiter Kunden geworben werden, wird das Problem immer noch schlimmer, so dass zur Rushhour bei gebuchten dreistelligen Datenraten mit Glück noch ein einstelliger Wert ankommt. Doch dabei geht es nicht immer nur darum, das Glasfaserkabel näher zum Kunden zu legen und weiter zu segmentieren, um weniger Kunden in einem Cluster zu haben. Auch die Modems der Kunden können eine Auswirkung auf die tatsächliche Datenrate haben.

Das Kabelnetz wird für viele Zwecke genutzt

Für die Datenübertragung in den Kabelnetzen werden verschiedene Frequenzen innerhalb des Kabels genutzt. Diese lassen sich wahlweise für analoges Fernsehen, digitales Fernsehen oder eben Internet nutzen. Jeder Kanal hat eine Bandbreite von etwa 8 MHz, theoretisch stünden 100 Kanäle zur Verfügung. Doch das Kabelnetz ist eng. Denn neben UKW-Radio wollen zahlreiche digitale Sender in SD und HD ihre Bandbreite haben, Video-on-Demand-Dienste der Kabelnetzbetreiber werden genutzt und belegen Kanäle und oftmals werden auch noch analoge Sender übertragen.

Pro Kanal, der als Internetkanal genutzt wird, könnten mit dem Modulationsverfahren 64 QAM netto 38,15 MBit/s übertragen werden. Mit 256 QAM sind es 50,87 MBit/s pro Kanal. Bei DOSCIS 3.0, das derzeit für Internetübertragungen eingesetzt wird, kommt eine Bündelung von Kanälen zum Einsatz. Wie viele Kanäle gebündelt werden und welche Modulation zum Einsatz kommt, ist einer der ausschlaggebenden Punkte für die letztliche Geschwindigkeit der Internetleitungen. Der QAM-Wert hängt von der Leitungsqualität ab. Bei niedriger Leitungsqualität wird in der Regel auch eine niedrigere QAM-Modulation verwendet.

Anzahl der Internet-Kanäle ist entscheidend

Der zweite Faktor ist der jeweilige Cluster, in dem der Kunde wohnt. Denn ein Kabelnetz ist in mehrere Segmente aufgeteilt. Je mehr Kunden den gleichen Cluster nutzen, desto mehr Kunden teilen sich die gebündelten Kanäle. Stehen also in einem Cluster beispielsweise nur 6 Kanäle zur Verfügung, die mit 256 QAM moduliert werden, so sind im gesamten Cluster nur etwa 300 MBit/s verfügbar. Zugewiesen werden die Kanäle von der CMTS, dem Modem im Netz des Kabelanbieters. Der Nutzer hat hier keinen Einfluss drauf.

Zuletzt beobachtete teltarif.de beim Ausbau eines Kabelnetzes jedoch, das im Zuge der Segmentierung eines Clusters nicht nur weniger Kunden pro Cluster bedient wurden, sondern auch zusätzliche Kanäle durch die CTMS angeboten wurden. Statt 6 waren nach der Segmentierung 24 Kanäle verfügbar. Das legt den Verdacht nah, dass gezielt einzelne Datenkanäle für bestimmte Wohngebiete zugewiesen werden. Nach der Segmentierung kann dann jedoch jedes Wohngebiet auf den kompletten Kanalbereich zugreifen, so dass sich die Kapazität durch zwei Faktoren erhöht: Weniger Kunden pro Segment und mehr Kanäle pro Segment.

Nicht jedes Kabelmodem kann alle Kanäle verarbeiten

Das Netz wird segemntiert.Das Netz wird segemntiert. Damit nun aber auch langfristig die komplette Performance des Netzes zum Tragen kommt, sollten Kunden darauf achten, dass ihr Modem bzw. Router auch möglichst viele Kanäle nutzen kann. So kann die ältere AVM FRITZ!Box 6430 beispielsweise nur 16 Kanäle verarbeiten, die FRITZ!Box 6490 jedoch 24. Da die Last gleichmäßig auf alle Kanäle verteilt wird, sind Kunden im Vorteil, deren Router mehr Kanäle unterstützen. Ihnen würde der Datenverkehr gezielt auf den weniger ausgelasteten Kanälen zugestellt.

Wie groß ist eigentlich ein Cluster?

Wie groß ein Cluster ist und wie viele Haushalte in einem Cluster zusammengefasst werden, ist ein gut gehütetes Betriebsgeheimnis der Kabelnetzbetreiber. In den Anfangszeiten der Kabel-Internetversorgung waren nach Informationen von teltarif.de jedoch Cluster mit 15 000 Haushalten keine Seltenheit. Heute geht man davon aus, das ein Netz gut und stabil laufen kann, wenn etwa 500 Haushalte in einem Cluster zusammengefasst sind. Dabei gilt es jedoch die Alters- und Nutzungsstruktur der Bewohner zu berücksichtigen. Junge Familien benötigen im Schnitt mehr Bandbreite als Rentner. Doch auch hier sind Überlastungen möglich, die eine weitere Segmentierung erfordern: Bei 500 Haushalten, die theoretisch gleichzeitig 100 MBit/s benötigen, bleiben am Ende bei 24 Kanälen mit 256 QAM (insgesamt etwa 1,2 GBit/s) gerade einmal 2,4 MBit/s pro Kunde übrig. Langfristig bleibt den Anbietern also nur, jedes Gebäude mit Glasfaser zu versorgen oder bzw. und auf den neuen Standard DOCSIS 3.1 zu setzen, um noch mehr Kapazität bereitzustellen. Auch weitere Kanäle für DOCSIS 3.0 freizugeben wäre denkbar, ist aber angesichts der geplanten DOCSIS-3.1-Einführung unwahrscheinlich.

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