Glasfaser-Messe

So funktioniert die Umstellung von ISDN auf All-IP

Wer seinen Telefonanschluss von ISDN auf All-IP umstellt, erwartet anschließend dieselbe Qualität und die Funktion aller Komfortmerkmale. Auf der Breko-Glasfasermesse gab es zwei Lösungen für eine Migration zu sehen.
Von der Breko-Breitbandmesse in Frankfurt berichtet
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Wenn der private Telefonanschluss eines Verbrauchers von ISDN oder Analog auf All-IP umgestellt wird, verläuft das mittlerweile im größten Teil der Fälle reibungslos: Beim Provider wird die Umstellung beantragt oder sie erfolgt bei einem Umzug oder Tarifwechsel automatisch. Gegebenenfalls erhält der Kunde einen neuen Router, schließt diesen an, stöpselt seine bisherigen Analog- oder ISDN-Telefone an, gibt die Zugangsdaten ein - und das sollte es gewesen sein.

Nicht ganz so einfach geht das bei Unternehmen, seien dies nun kleine, mittelständische oder große Firmen mit mehreren Standorten. Denn hier gibt es zum Teil gut funktionierende und aufwändig konfigurierte ISDN-Anlagen, für die das Unternehmen seinerzeit viel Geld bezahlt hat - und die deshalb nicht einfach auf dem Schrottplatz landen sollen. In vielen Fällen muss auch eine ununterbrochene telefonische Erreichbarkeit des Unternehmens gewährleistet sein.

Auf der Breko-Glasfasermesse hatten wir die Möglichkeit, uns exemplarisch die Lösungen von zwei Unternehmen anzuschauen, die kleinere und größere Firmen von ISDN zu All-IP migrieren. Interessant war dabei zu erfahren, auf was die Kunden Wert legen.

be.IP der Firma bintec elmeg
be.IP der Firma bintec elmeg

Diese Ansprüche stellen Kunden an IP-Telefonie

Bernd Büttner von der Firma bintec elmeg, die Geschäftskunden beliefert, führt aus, dass Anschlüsse auf Basis von Analoganschluss und ISDN in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen seien, während Anschlüsse über All-IP zunehmen.

Das Problem bei All-IP-Anschlüssen sei, dass die Bandbreite eine elementare Ressource sei - ohne leistungsfähige Internet-Anbindung funktioniere Telefonie über IP nicht zuverlässig. Laut Büttner wollen viele ehemalige ISDN-Kunden zwingend ihre bestehende ISDN-Hardware (also Telefonanlagen und Telefone) behalten. Die ISDN-Komfortmerkmale hätten so viele Kunden liebgewonnen, dass man sie in All-IP-Netzen nicht einfach weglassen könne.

Die Migration von ISDN auf All-IP sei nicht trivial, denn die Umstellung soll so vor sich gehen, dass der Kunde davon im laufenden Betrieb nichts merkt. In der Regel muss bei einer perfekt laufenden Migration nach der erfolgreichen Installation nur ein Schalter umgelegt werden, damit der Kunde ab diesem Zeitraum über IP telefoniert. Dabei sei beispielsweise die Rufnummernbehandlung in der bisherigen ISDN-Anlage im Gegensatz zum neuen IP-Router zu beachten. ISDN-Anlagen verwenden mitunter noch ein anderes Rufnummernformat als aktuelle Router.

ISDN-Komfortmerkmale müssen nicht nur vom IP-Router, sondern auch vom Netzbetreiber oder SIP-Anbieter unterstützt werden. Komplizierter sei es grundsätzlich, wenn Nutzer ihre liebgewonnene Infrastruktur aufgeben müssen, deswegen werde immer versucht, die bisherigen Endgeräte weiterzuverwenden, um den Einarbeitungsaufwand für die Mitarbeiter gering zu halten. Auch Sicherheitsbedenken würden eine Rolle spielen - IP-Netze, über die Telefonie abgewickelt wird, müssten angriffssicher konfiguriert sein. Im Übrigen hätten viele Business-Kunden heutzutage ganz andere Ansprüche an Telefonie wie noch vor 20 bis 30 Jahren. Die Besetztlampe beim Chef-Telefon, Voice-Mailboxen, Konferenzschaltungen und andere Services seien heutzutage selbstverständlich.

bintec 4Ge - das optionale LTE-Modul
bintec 4Ge - das optionale LTE-Modul

be.IP der Firma bintec elmeg

"be.IP" nennt sich eine Lösung der Firma bintec elmeg, die auf der Breko-Glasfasermesse zu sehen war. Das Unternehmen will damit die ISDN-Welt vollständig mit der All-IP-Welt verbinden. Die Migration wird so durchgeführt, dass der Kunde seine bisherige ISDN-Installation weiternutzen kann. Auch Faxgeräte und Kassenterminals sollen darüber weiterhin nutzbar sein. Dazu kommt ein so genanntes Media Gateway zum Einsatz. Eine Umkonfigurierung der bisherigen ISDN-Anlage sei nicht notwendig. Je nach Alter und Funktionsumfang könne es in einzelnen Fällen aber auch notwendig sein, sich von der alten Anlage zu verabschieden.

Ein spezieller Chip im Media Gateway soll dieselbe Sprachqualität gewährleisten, die der Kunde von ISDN gewohnt ist. Die be.IP-Box unterstützt ADSL2+, VDSL und VDSL Vectoring. Eine sichere Datenübertragung per VPN ist mit bis zu fünf Tunneln gleichzeitig möglich. Eine Fernwartung des Routers und der angeschlossenen ISDN-Anlage soll gewährleistet sein. Das Media Gateway beinhaltet darüber hinaus einen WLAN-Hotspot und CAPI-Unterstützung, also die Fax-Unterstützung per ISDN. Angeschlossen werden können zwei ISDN-Anlagen. Vier Telefongespräche oder Faxübertragungen sind mit dem Media Gateway gleichzeitig möglich.

Die Lösung "be.IP plus" kann auf bis zu 40 Nutzer, sechs WLAN-Access-Points und 10 VPN-Tunnel erweitert werden. be.IP plus hat zwei S0-Anschlüsse und vier FXS-Ports für ISDN-Hardware, auch Türsprecheinrichtungen können angeschlossen werden.

Interessant ist die Möglichkeit, die be.IP-Boxen bei einem All-IP-Ausfall mit dem LTE-Netz zu verbinden. Hierfür gibt es das separate Modul "bintec 4Ge". Dieses übernimmt bei einem Ausfall die Netzwerkanbindung. Auch die Telefonie per UMTS ist über dieses Modul möglich, wenn der IP-Anschluss nicht zur Verfügung steht.

Zyxel Gateway 400
Zyxel Gateway 400

Zyxel Gateway 400

Eine andere auf der Breko-Glasfasermesse gezeigte Lösung ist das Zyxel Gateway 400. Hierbei handelt es sich um ein ISDN-SIP-Gateway mit vier ISDN-Basisanschlüssen, die acht Telefonate gleichzeitig erlauben. Auch hier können alle bisherigen Geräte weiterverwendet werden. Das Gateway unterstützt ADSL2+, VDSL und - bei Zwischenschaltung eines entsprechenden Modems - auch SDSL.

10 SIP-Accounts können im Zyxel-Router angelegt werden. Im Rahmen der Quality of Service kann im Gerät eine Voice Priority eingestellt werden. Zahlreiche Sprachcodecs sollen dem Nutzer dieselbe Sprachqualität wie bei ISDN ermöglichen. Ein WLAN-Hotspot ist allerdings nicht an Bord.

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