Durchwachsen

Apple: Gewinnrückgang um 22 Prozent

Der Gewinnrückgang bei Apple fällt mit einem Einbruch von 22 Prozent heftiger aus als erwartet. Trotzdem verdiente der iPhone-Konzern im abgelaufenen Quartal noch über 10 Milliarden Dollar.
Von Marie-Anne Winter mit Material von dpa
AAA
Teilen (1)

Der erwartete Dämpfer für Apple ist eingetreten - und fällt sogar noch heftiger aus als erwartet: Die iPhone-Verkäufe sind im vergangenen Quartal erstmals im Jahresvergleich gesunken, was zum ersten Umsatzrückgang seit 2003 führte. Der Gewinn ist um über 22 Prozent eingebrochen. Trotzdem verdiente Apple aber immer noch 10,5 Milliarden Dollar (9,3 Milliarden Euro). Die Geldreserven des Konzerns schwollen auf 232,9 Milliarden Dollar an - 17,2 Milliarden mehr als vor drei Monaten.

Apple setzte im vergangenen Quartal rund 51,2 Millionen iPhones ab, Apple macht weniger Gewinn, verdient aber noch immer gut.Apple macht weniger Gewinn, verdient aber noch immer gut. das war ein Rückgang von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Erlöse schrumpften um 13 Prozent auf 50,56 Milliarden Dollar, wie der Konzern nach US-Börsenschluss mitteilte. Das war bereits erwartet worden, aber Analysten hatten immer noch mit einem höheren Wert gerechnet. Auch die Prognose für das laufende Quartal fiel unter ihren Erwartungen aus.

Die Aktie verlor nachbörslich zeitweise rund acht Prozent. Sie hatte in den vergangenen Monaten bereits unter Druck gestanden. Die Ausschüttungen an die Anleger werden nun um weitere 50 Milliarden Dollar erhöht. Damit summieren sie sich auf 250 Milliarden Dollar. Die Quartalsdividende hob Apple von 54 auf 57 US-Cent pro Aktie an.

Wirtschaftliche Turbulenzen in China

Das 2007 gestartete iPhone hat das Wachstum von Apple befeuert und ist das mit Abstand wichtigste Produkt des Konzerns. Es bringt rund zwei Drittel des Geschäfts ein. Damit schlug der Rückgang der Verkäufe direkt auf Umsatz und Gewinn durch.

Konzernchef Tim Cook machte für die Rückgänge vor allem einen "Konjunktur-Gegenwind" verantwortlich, der das Wachstum im Smartphone-Markt insgesamt abgewürgt habe. "Das iPhone-Geschäft ist gesund", sagte Cook. In dem von wirtschaftlichen Turbulenzen erfassten China sanken die Apple-Umsätze um elf Prozent. Der Riesenmarkt steht nach wie vor für rund ein Viertel des Geschäfts.

Zugleich erfasst die Smartphone-Revolution immer mehr Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen zunächst günstigere Geräte gefragt sind. Apple verzichtet aber auf niedrigpreisige Modelle im Angebot und wartet stattdessen darauf, dass mehr Leute in den neuen Märkten genug Geld haben, sich ein iPhone zu kaufen. Der Kurs sichert die hohen Milliardengewinne, bremst aber zugleich auch die Marktanteile. In China ging Cooks Rechnung bisher auf. In Indien, wo Apple auch gebrauchte iPhones verkauft, gab es zuletzt ein Plus von 56 Prozent.

Lieferengpässe beim iPhone SE

Seit Ende März verkauft Apple vor diesem Hintergrund das iPhone SE - das erste etwas günstigere Modell, das in kleinerem Format einen Großteil der Funktionen der aktuellen Spitzengeräte enthält. Apple habe unterschätzt, wie viele Leute das Gerät haben wollten, es gebe Liefer-Engpässe, sagte Cook.

Vor einem Jahr war auch die aufgestaute Nachfrage nach dem iPhone 6 mit seinem größeren Display aus dem Weihnachtsgeschäft 2014 noch so groß, dass sie ins erste Quartal 2015 überschwappte. Die iPhone-Verkäufe sprangen damals um 40 Prozent auf 61,2 Millionen Geräte hoch. Jetzt stiegen deutlich weniger iPhone-Nutzer auf neue Modelle um als damals, räumte Cook ein. Zugleich wechselten mehr Nutzer von Geräten des konkurrierenden Google-Systems Android denn je zum iPhone, sagte der Apple-Chef, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Zugleich stiegen die Erlöse im Dienste-Geschäft um ein Fünftel auf rund sechs Milliarden Dollar. Dabei seien die Umsätze im App Store mit Anwendungen für iPhone, iPad und Mac-Computer um mehr als ein Drittel gestiegen, sagte Cook. Und der Streaming-Dienst Apple Music habe inzwischen die Marke von 13 Millionen zahlenden Abo-Kunden überschritten. Zuletzt war im Februar die Zahl von elf Millionen genannt worden.

iPad und Mac schwach

Die schon seit einiger Zeit schrumpfenden Verkäufe der iPad-Tablets sanken um fast ein Fünftel auf 10,2 Millionen Geräte. Bei den Macs gab es einen Rückgang von zwölf Prozent auf gut vier Millionen verkaufte Computer. Damit konnte Apple erstmals seit langem nicht besser abschneiden als der chronisch schwache PC-Markt. Der Branchen-Absatz war laut Marktforschern um rund ein Zehntel gesunken. Cook zufolge erwarb mehr als jeder zweite Mac-Käufer zum ersten Mal einen Apple-Rechner.

Konkrete Zahlen zu der vor einem Jahr gestarteten Computer-Uhr Apple Watch gab es - wenig überraschend - weiterhin nicht. Branchenexperten gehen hier von einem durchaus drastischen Einbruch aus. Nachdem die Schätzungen für das Weihnachtsquartal bei 4,1 Millionen Apple Watches gelegen haben, werden für das abgelaufene Quartal nur noch etwa 2,8 Millionen geschätzt. Für das Gesamtjahr 2016 liegen die Verkaufserwartungen für die Apple Watch bei nur 11 Millionen Einheiten.

Welchen Eindruck wir von der Apple Watch hatten, lesen Sie in unserem Erfahrungsbericht.

Unseren ausführlichen Testbericht vom iPhone SE finden Sie hier.

Teilen (1)

Mehr zum Thema Quartalszahlen