Zweifach

iOS 12.1: Dual-SIM beim iPhone kann zur Kostenfalle werden

Mit iOS 12.1 hat Apple die eSIM in den aktuellen iPhone-Modellen aktiviert. Das Dual-SIM-Feature weist aber noch Defizite auf, die im Zweifelsfall sogar zur Kostenfalle werden können.
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iPhone mit Dual-SIM-FunktioniPhone mit Dual-SIM-Funktion Wie berichtet hat Apple am Dienstagabend iOS 12.1 für iPhone, iPad und iPod touch veröffentlicht. Für die Besitzer von iPhone XS (Max) und iPhone XR wird damit die eSIM freigeschaltet, die sich zusätzlich zur physischen Nano-SIM-Karte aktivieren und nutzen lässt. Wer eines der aktuellen Smartphones von Apple besitzt, kann demnach zwei Mobilfunkanschlüsse parallel verwenden - eine Funktion, die bei Android-Geräten bereits seit einigen Jahren verfügbar ist, die für Apple aber wiederum ein Novum ist.

Derzeit bieten mit der Deutschen Telekom und Vodafone nur zwei deutsche Mobilfunk-Provider die eSIM an. o2 will noch in diesem Jahr nachziehen. Wer allerdings Prepaidkunde ist oder einem Vertrag bei einem anderen Betreiber nutzt, geht vorerst leer aus. Allerdings ist es zu erwarten, dass die Entwicklung ähnlich wie bei der Einführung von Micro-SIM und Nano-SIM sein wird. Auch damals waren die neuen Kartenformate zunächst bei den Netzbetreibern zu bekommen, sukzessive zogen die Discounter nach.

Nano-SIM nicht temporär abschaltbar

Trotz längerer Beta-Phase weist die Dual-SIM-Funktion beim iPhone derzeit noch einige Defizite auf. So lässt sich zwar die eSIM temporär deaktivieren, wenn sie gerade nicht benötigt wird. Für die Nano-SIM hat Apple diese Funktion seit der dritten Beta-Version von iOS 12.1 wieder entfernt. Auch in der finalen Version der neuen Betriebssystem-Variante kann die Nano-SIM nicht abgeschaltet werden, wenn sie zusätzlich zur eSIM im Smartphone eingelegt ist.

Wird die Nano-SIM beispielsweise als geschäftliche Handynummer genutzt, so lässt sich diese nach Feierabend oder am Wochenende nicht deaktivieren, sondern bestenfalls auf die Mailbox umleiten. Werden SIM-Karten aus verschiedenen Ländern eingesetzt, so ist es ebenfalls nicht möglich, die physische Karte bei Bedarf vorübergehend abzuschalten, um Roamingkosten zu vermeiden, die vielleicht gar nicht beabsichtigt sind. Wird ein Nutzer beispielsweise im Ausland angerufen, weil er schlicht nicht die Möglichkeit hatte, die Karte abzuschalten, so wird das Dual-SIM-iPhone zur Kostenfalle.

Die eSIM kann wiederum auf virtuellen Knopfdruck im Menü Einstellungen - Mobiles Netz abgeschaltet werden. Warum Apple diesen Unterschied bei den Features für die beiden in den aktuellen iPhone-Modellen vorhandenen SIM-Karten-Formaten macht, ist unklar, zumal die Funktion mit iOS 12.1 Beta 2 einwandfrei gearbeitet hat, während bei der ersten Beta-Version noch der Fehler auftrat, dass zum Teil die jeweils "falsche" SIM-Karte deaktiviert wurde. Im Gegenzug hat Apple im Laufe der Beta-Phase wiederum ein neues Feature eingeführt, das auch in der finalen Version von iOS 12.1 erhalten blieb.

VoLTE nur auf einer SIM

Einschränkungen gibt es indes auch bei der Telefonie im LTE-Mobilfunknetz. Lassen sich WLAN-Anrufe für beide im Smartphone genutzten SIM-Karten ein- und ausschalten, so steht das VoLTE-Menü nur für den Anschluss zur Verfügung, der auch gerade für den mobilen Internet-Zugang genutzt wird. Für die zweite Leitung ist nicht einmal ersichtlich, welche Netztechnologie (2G, 3G, 4G) gerade genutzt wird. Dies wird im Startbildschirm und im Kontrollzentrum des iPhone nur für den Anschluss angezeigt, der gerade für mobiles Internet verwendet wird.

Selbst triviale Features wie getrennte Klingel- und Hinweistöne für die beiden parallel verwendeten SIM-Karten gibt es beim iPhone bislang nicht. Bei den meisten Android-Geräten ist das wiederum Standard. Dafür "merkt" sich die iPhone-Firmware, wenn ein Kontakt nicht mit dem standardmäßig für abgehende Telefonate eingerichteten Anschluss, sondern mit der jeweils anderen Rufnummer angerufen wurde. Später wird die gleiche Leitung für Verbindungen zum gleichen Kontakt erneut verwendet.

Abseits der Dual-SIM-Funktion bringt iOS 12.1 unter anderem den FaceTime-Gruppenchat für bis zu 32 Personen und neue Smileys mit sich. Darüber hinaus hat Apple mit dem Update auch Sicherheitslücken geschlossen, über die Angreifer die Firmware der Smartphones, Tablets und Multimedia-Player gezielt zum Absturz bringen könnten. Die Installation des neuen Betriebssystems empfiehlt sich daher auch für Kunden, die die neuen Funktionen möglicherweise nicht benötigen.

In einer weiteren Meldung haben wir eSIM und Dual-SIM auf dem iPhone XS Max bereits getestet.

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