Erfolgsrezept

Editorial: Warum Apple mit nur wenig mehr so erfolgreich ist

Apple kontrolliert beim iPhone mehr als andere Hersteller
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Lange wurde das Nachfolgemodell zum Apple iPhone erwartet. Seit vorgestern liegt es nun bei T-Mobile in den Regalen und ist auch europaweit erhältlich, zum Teil auch ohne Bindung an einen iPhone-Laufzeitvertrag und ohne SIM-Lock. Schon weit vor der Vorstellung in San Francisco häuften sich in vielen Medien und Foren die Spekulationen zum Aussehen und dem Innenleben des neuen Gerätes, mancherorten wurde gar von einer Modellflut zum iPhone 4G spekuliert.

Mittlerweile wissen wir, dass das neue iPhone 3G S mehr das logische Upgrade des bisherigen iPhone-Konzeptes ist als ein wirklich neues, bahnbrechendes Gerät. Große Neuerungen fehlen, kleinere aber zwingende Upgrades wie der aktuellere und stärkere Prozessor, die Verdoppelung des integrierten Speichers, eine bessere Kamera, die Unterstützung von MMS und die lange ersehnte Copy&Paste-Funktion sind nun hinzugekommen. Und trotzdem wird Apple bzw. den Mobilfunk-Netzbetreibern, die das iPhone verkaufen, das aktuelle Modell, das iPhone 3G S, aus den Händen gerissen. Woran mag dies liegen?

Rund-um-Konzept mit Rund-um-Kontrolle

Apple setzte beim iPhone von Anfang an auf ein Rund-um-Konzept. Der Hersteller versucht nicht nur das Gerät selbst zu kontrollieren, sondern auch dessen Absatz und Verkauf. So gab es das iPhone zu Beginn nur in ganz wenigen Ländern und nur über bestimmte Mobilfunk-Netzbetreiber. Mittlerweile ist diese strenge Bindung zwar zum Teil aufgelöst, aber wo immer es möglich ist, wird dieses Konzept weiterhin beibehalten.

Vorteil: Apple kann sich mit den Partnern abstimmen und auch bei den geschnürten Tarif-Paketen Einfluss nehmen. Horror-Meldungen von Usern, die das iPhone mit dem falschen oder besser mit gar keinem speziellen Datentarif zu ausgiebigen Ausflügen im mobilen Internet nutzen, sind somit so weitgehend ausgeschlossen. Ebenso kann der Hersteller sein Gerät zusammen mit dem Partner ausgiebig in dessen Netz testen und das gewünschte Nutzungserlebnis zumindest besser kontrollieren als dies anderen Handy-Herstellern aktuell möglich ist.

Zweiter Erfolgsbaustein ist sicherlich der 2008 eingeführte AppStore, mit dem es Apple wiederum gelang, ein Ausrufezeichen in der Mobilfunk-Welt zu setzen. Mittlerweile sind dort mehr als 50 000 Programme gelistet, jüngst konnte Apple den 1000-Millionsten Download feiern. Auch hier müssen alle Entwickler eine recht strenge Prüfung ihrer Programme durch Apple durchlaufen, bevor sie in die Liste der downloadfähigen Programme aufgenommen werden.

Weiterhin kontrolliert Apple die Downloadmöglichkeiten von Programmen durch die Nutzer. Ohne Jailbreak ist es dem Kunden nicht möglich, über einen anderen Weg als über den AppStore Programme auf das iPhone zu laden und zu installieren, letzteres geht wiederum mit dem AppStore so einfach, dass viele Nutzer mit diesem Angebot auch so zufrieden sind, dass sie keine anderen Möglichkeiten suchen.

Ähnliches gilt auch für den Bereich der Musik und der Videos. Hier ist im iPhone bekannterweise ein zum iPod analoger Musikplayer integriert, der über den heimischen PC mit iTunes und dem iTunes-Store sychronisiert werden kann. Ebenso hat Apple pünktlich zum Start des iPhone 3G auch einen mobilen Zugang zum iTunes-Store auch über das iPhone gelegt. Auch hier kontrolliert Apple die komplette Wertschöpfungs- und Funktionskette vom Endgerät über die verwendete Download-, Verwaltungs- und Synchronisationssoftware bis zu den Inhalten im Musikladen. Auf der nächsten Seite erfahren Sie mehr über die Versuche, der anderen Hersteller, dieses Konzept zu kopieren.

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