NRW

Internetradio wird wichtigster Verbreitungsweg für Hörfunk

Internetstreaming wird im Bereich der Hörfunknutzung deutlich an Relevanz gewinnen und der wichtigste Verbreitungsweg für Radio werden. Doch auch DAB+ wird weiter stark wachsen. Das geht aus einer Studie zur Zukunft des Hörfunks hervor.

Internetradio wird laut einer Studie wichtigster Verbreitungsweg von Radio Internetradio wird laut einer Studie wichtigster Verbreitungsweg von Radio
Foto: Radioplayer.de
Smartphones, Bluetooth-Lautsprecher, WLAN-Radios, Multiroom-Systeme, Smart Speaker, 5G, vernetzte Autos: Internetstreaming wird im Bereich der Hörfunknutzung deutlich an Relevanz gewinnen und der wichtigste Verbreitungsweg für Radio werden. UKW hat dagegen eine stark abnehmende Bedeutung – und zwar dermaßen, dass es Radio-Veranstalter, die sich allein auf die alte analoge Verbreitung stützen, sehr schwer haben werden. Das sind die wesentlichen Erkenntnisse des Gutachtens "Zukunft des Hörfunks in Nordrhein-Westfalen 2028", welche das Unternehmen Goldmedia im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) erstellt hat und das am heutigen Dienstag in Düsseldorf vorgestellt wird.

Internetradio steigt auf bis zu 47, DAB+ auf bis zu 20 Prozent

Internetradio wird laut einer Studie wichtigster Verbreitungsweg von Radio Internetradio wird laut einer Studie wichtigster Verbreitungsweg von Radio
Foto: Radioplayer.de
Der Kölner Stadt-Anzeiger hat die Ergebnisse im Vorfeld präsentiert. Sollten die lokalen UKW-Sender künftig auch über DAB+ senden, errechne Goldmedia, dass der UKW-Marktanteil von 88 Prozent im Jahr 2017 auf 33 Prozent im Jahr 2028 sinken wird.

Nach dieser Prognose steige der Anteil des Online-Radios von derzeit acht Prozent deutlich auf 47 Prozent, DAB+, also die digital-terrestrische Verbreitung von Audiosignalen, komme auf 20 Prozent (aktuell vier Prozent). Der Gesamtertrag des Hörfunks sinke von 107 Millionen Euro auf 78 Millionen Euro, hieß es.

Sollten die ortsansässigen Hörfunk-Anbieter nicht auf DAB+ setzen, gehe das Gutachten davon aus, dass DAB+ dennoch im Jahr 2028 rund 17 Prozent der Hörfunknutzung ausmachen wird (Internetradio: 49 Prozent, UKW: 34 Prozent).

UKW hat als dominanter Verbreitungsweg ausgedient

Das Gutachten komme zu dem eindeutigen Ergebnis, dass UKW als Verbreitungsweg für die meisten Radioanbieter nicht mehr lange alleine wirtschaftlich tragfähig bleiben werde. DAB+ werde kommen, auch wenn es laut der Studie kein dominanter Verbreitungsweg werde.

Die Studie geht allerdings vom derzeitigen Status Quo aus. Sollte die Politik durch gezielte Maßnahmen den Verbreitungsweg DAB+ stärken, etwa durch die geplante Interoperabilität von Radiogeräten, wonach jedes im Handel verkaufte Radiogerät auch DAB+-tauglich sein muss, dürfte dieser Verbreitungsweg stärker steigen. In anderen Bundesländern wie Bayern dürfte der von Goldmedia errechnete Marktanteil von DAB+ viel früher erreicht werden.

LfM startet neuen Call for Interest für DAB+

Es gebe mittlerweile eine Vielzahl externer Anfragen von Hörfunk-Anbietern nach DAB+-Kapazitäten in NRW, teilt LfM-Direktor Tobias Schmid dem Kölner Stadt-Anzeiger mit. Deshalb starte die LfM am 1. Oktober einen erneuten "Call for Interest". Dadurch solle der konkrete Bedarf an Übertragungskapazitäten in NRW festgestellt werden. Die Landesanstalt für Medien fordere Hörfunkveranstalter auf, bis zum 29. Oktober ihr Interesse an einer DAB+-Verbreitung mitzuteilen, hieß es.

Das Ziel der Landesanstalt für Medien sei die möglichst umfassende Versorgung der Bevölkerung mit einem vielfältigen und zukunftstauglichen Audio-Angebot, so Schmid.

Mehr zum Thema DAB+