Datenspeicher

Kostenlose Cloud-Anbieter mit Servern in der Schweiz

Seit der NSA-Affäre miss­trauen viele Internet-Nutzer nicht nur US-ameri­kani­schen, sondern auch deut­schen Cloud-Anbie­tern. Wir stellen kosten­lose Online-Spei­cher-Dienste mit Servern in der Schweiz vor.

Die NSA-Affäre enthüllte 2013 nach den Veröf­fent­lichungen von Edward Snowden das welt­weite Ausmaß der ver­dachts­un­ab­hängigen Massen-Über­wachung durch die Geheim­dienste. Insbe­sondere die Zu­sammen­arbeit zwischen US-ameri­kanischen Cloud-Anbie­tern mit der NSA wurde und wird scharf kriti­siert.

Viele Internet-Nutzer haben seither ihre privaten Daten von US-Servern gelöscht und bei deut­schen Online-Diensten abge­legt, da diese den deut­schen Daten­schutz-Stan­dards unter­liegen. In einer sepa­raten Über­sicht haben wir bereits Online-Spei­cher-Dienste mit Rechen­zentren in Deutsch­land vorge­stellt.

Inner­halb Europas, aber außer­halb der EU, ist die Schweiz ein Land, das mit beson­ders hohen Daten­schutz­stan­dards wirbt. Wir haben uns daher einmal ange­schaut, welche Anbieter in der Schweiz einen kosten­losen Online-Spei­cher auch für Kunden im Ausland anbieten. Unsere Auswahl berück­sich­tigt selbst­verständ­lich nur Dienste, deren Server auch tatsäch­lich in der Schweiz stehen. SecureSafe SecureSafe
Bild: SecureSafe

SecureSafe: Einer der bekann­testen Dienste

Einer der bekann­testen schwei­zeri­schen Cloud-Dienste ist SecureSafe der DSwiss AG. SecureSafe bezeichnet sich selbst als "hoch­sicheren Online-Spei­cher mit Pass­wort­manager", der sowohl Privat- als auch Firmen­kunden anspricht.

Bestand­teil des Online-Spei­chers ist ein sepa­rater Pass­wort­manager, in dem Kombi­nationen aus Benut­zername und Pass­wort für Webdienste abge­legt werden können. Der Gratis-Account bietet 100 MB Online-Spei­cher­platz und erlaubt das Ablegen von 50 Pass­wörtern. Für den Zugriff auf den Spei­cher gibt es Clients für Windows und Mac sowie Apps für iOS und Android. Auf Nach­frage von teltarif.de bekräf­tigte ein Spre­cher des Unter­nehmens, dass aus Sicher­heits­gründen kein Zugang per WebDAV ange­boten wird und auch nicht geplant ist. Der Spei­cher lässt sich also nicht ohne Soft­ware direkt in den Datei­explorer einbinden. SecureSafe erlaubt aber das Hoch­laden per E-Mail: Sendet man eine Datei an die spezi­elle Account-E-Mail-Adresse, wird die ange­hängte Datei in der Cloud abge­legt.

Auch mit dem Gratis-Account ist der Datei­versand mit öffent­lichem Link möglich, aller­dings lassen sich maximal drei Dateien versenden. Der sichere Datei­versand mit Sicher­heits­code bleibt Bezahl­kunden vorbe­halten. Privat­kunden können gegen Bezah­lung 1 GB, 20 GB oder 100 GB sowie weitere Funk­tionen erhalten. Eine voll­stän­dige Verschlüs­selung per AES-256 und RSA-2048, Daten­trans­port mit SSL/TLS und eine drei­fache Daten­absi­cherung bietet aber auch der Gratis-Account.

Die HTML5-Ober­fläche von SecureSafe erwies sich in unserem Test als sehr schlank, perfor­mant und über­sicht­lich. Die alte Webober­fläche ist auf Wunsch noch nutzbar, reagiert aller­dings deut­lich lang­samer und sieht etwas tech­nischer aus.

PRO
  • sepa­rater Pass­wort-Safe
  • schlanke Ober­fläche
  • Datei-Upload per E-Mail möglich
CONTRA
  • nur 100 MB gratis
  • kein WebDAV-Zugang
  • viele Funk­tionen kosten extra

Swisscom Docsafe und Swisscom MyCloud

Die Swisscom als großer Netz­betreiber in der Schweiz betreibt sogar zwei Cloud-Dienste, die auch von deut­schen Kunden nutzbar sind. Swisscom Docsafe kann aller­dings nur mit einem Swisscom-Login genutzt werden. Für diesen können sich aber auch Nicht-Swisscom-Kunden im Ausland regis­trieren. In unserem Test, bei dem wir unsere deut­sche Post­adresse angeben mussten, erhielten wir nach einigen Tagen per Post einen Brief mit einem Akti­vierungs­code. Swisscom Docsafe ist also nicht anonym nutzbar.

Swisscom Docsafe Swisscom Docsafe
Bild: Swisscom
Dafür erhält der Nutzer von Swisscom Docsafe einen unli­mitierten Spei­cher­platz. Die Ober­grenze pro hoch­gela­dener Datei beträgt aller­dings 20 MB. Bei einer über­mäßigen Nutzung sichert sich die Swisscom das Recht, das weitere Hinzu­fügen von Dateien einzu­schränken oder Mengen­begren­zungen einzu­führen. Die Swisscom betrachtet den Spei­cher also eher als Abla­geort für wich­tige Doku­mente wie Zeug­nisse, amtliche Doku­mente oder Flug­tickets. Es ist auch möglich, anderen Personen und Firmen Zugriff auf den Docsafe zu gewähren, beispiels­weise für die Ablage von Rech­nungen. Einige Datei­formate wie PDF werden direkt als Datei­vorschau ange­zeigt. Der Upload ist auch über eine spezi­elle Docsafe-Mail­adresse, eine Smart­phone-App und eine Desk­topan­wendung für Windows und Mac möglich.

PRO
  • unli­mitierter Spei­cher­platz
  • sepa­rater Pass­wort-Safe
  • Datei-Upload per E-Mail möglich
CONTRA
  • nicht anonym nutzbar
  • kein WebDAV-Zugang
  • einzelne Datei mit maximal 20 MB

Swisscom MyCloud

Einen echten Multi­media-Online­spei­cher bietet die Swisscom mit Swisscom MyCloud. Auch dafür können sich deut­sche Kunden regis­trieren, und zwar eben­falls über den Swisscom-Login. Wer also beide Dienste nutzen möchte, muss sich nicht zweimal regis­trieren.

Swisscom MyCloud Swisscom MyCloud
Bild: Swisscom
Swisscom MyCloud bietet 10 GB gratis für Dateien, Fotos und Videos. Die maxi­male Datei­größe beträgt 3 GB. Außer über den Browser ist der Zugriff per Smart­phone-App und Desktop-Client (Windows und Mac) möglich. Sogar bestehende Foto­alben bei Dropbox und Face­book können einge­bunden werden. Wer einen kompa­tiblen Smart-TV hat, kann die in der MyCloud gespei­cherten Fotos direkt auf dem Fern­seher ansehen. Einen WebDAV-Zugang für MyCloud hat die Swisscom inzwi­schen auch einge­führt, diesen dürfen aber nur zahlende Pro-Kunden verwenden.

PRO
  • 10 GB Spei­cher­platz
  • über­sicht­liche & schlanke Ober­fläche
  • auf vielen Platt­formen nutzbar
CONTRA
  • kein Datei-Upload per E-Mail möglich
  • WebDAV nur für zahlende Kunden
  • nicht anonym nutzbar

myDrive, Wölkli, Fazit & Anwen­dungs­beispiele

myDrive ist ein Service des schwei­zeri­schen Unter­nehmens Softro­nics, das eigene Rechen­zentren in der Schweiz betreibt. Für den myDrive-Dienst kann sich jeder­mann anmelden und erhält kostenlos be­ziehungs­weise werbe­finanziert 100 MB Speicher­platz. Wer mehr Spei­cher­platz möchte und keine Werbung sehen will, muss das kosten­pflichtige myDrive Pro buchen.

myDrive myDrive
Bild: myDrive
Auch in der kosten­freien Vari­ante lässt sich der Online­spei­cher ohne Browser nutzen und direkt per WebDAV im Datei­explorer einbinden, die Adresse ist https://webdav.mydrive.ch. Den Zugang per FTP oder E-Mail-Upload bietet myDrive nicht an. Ein myDrive-Client exis­tiert aber für Windows, Mac und Linux, myDrive-Apps sind für Android und iOS verfügbar. Ein einzelner Ordner darf in der Gratis-Vari­ante insge­samt nicht mehr als 1000 Dateien oder Unter­ordner enthalten. Nutzer der Gratis-Vari­ante können einen Gast­nutzer anlegen.

In unserem Kurz­test erwies sich die myDrive-Webober­fläche als sehr schlank und über­sicht­lich, auch die Reak­tions­zeiten waren anspre­chend.

PRO
  • einfache Regis­trie­rung
  • schlanke Ober­fläche
  • viel­fältige Zugangs­möglich­keiten
CONTRA
  • nur 100 MB gratis
  • Werbung im Gratis-Account
  • kein E-Mail-Upload möglich

Wölkli

Wölkli ist ein prin­zipiell kommer­zielles Cloud-Angebot der oriented.net GmbH, das kosten­lose Konto bietet ledig­lich 1 GB Spei­cher­platz. Die Ober­fläche beruht auf der bekannten Cloud-Platt­form Next­cloud, die aus dem Owncloud-Projekt hervor­gegangen ist. Wer bei Wölkli 10, 50, 200 oder 500 GB Spei­cher­platz möchte, muss gleich ein Jahres­abon­nement abschließen.

Der Vorteil von Wölkli ist, dass der Spei­cher per WebDAV in den Datei-Explorer einge­bunden werden kann, außerdem gibt es Smart­phone-Apps sowie Desktop-Anwen­dungen für Windows, Mac und Linux. Die Anmel­dung zu Wölkli ist komplett anonym möglich. Wölkli Wölkli
Bild: Wölkli

PRO
  • anonyme Regis­trie­rung möglich
  • bekannte Next­cloud-Ober­fläche
  • auf vielen Platt­formen und per WebDAV nutzbar
CONTRA
  • nur 1 GB kostenlos
  • kein Support für Gratis-Nutzer
  • mehr Spei­cher nur mit Jahresabo

Fazit und Anwen­dungs­beispiele

Cloud-Dienste mit Server in der Schweiz unter­liegen strengen Daten­schutz­richt­linien - Geheim­dienste aus den USA oder auch der EU dürften nicht ohne Weiteres Zugriff darauf haben. Wer über den Cloud-Dienst aller­dings offen­sicht­liche Straf­taten begeht, muss auch bei schwei­zeri­schen Diensten mit Straf­verfol­gung rechnen. Vor allem dann, wenn für die Regis­trie­rung die Angabe des echten Namens und der Post­adresse gefor­dert wird.

Die vorge­stellten Dienste haben eine ganz unter­schied­liche Ausrich­tung: Manchmal stehen die sichere Doku­menten­ablage oder ein Pass­wort-Safe im Fokus, manchmal ein großer Spei­cher­platz für Fotos und Videos. Gemeinsam ist allen Diensten, dass sie auf mehreren Wegen erreichbar sind und nicht nur über den Webbrowser. WebDAV unter­stützen aber nicht alle. Einige Anbieter geben dem Kunden in der Grund­version nur einen sehr kleinen Spei­cher und verdienen ihr Geld mit dem Verkauf größerer Spei­cher-Kontin­gente.

Außer für die sichere Ablage sensi­bler Doku­mente kann eine schwei­zeri­sche Cloud mit WebDAV-Zugang auch für einen selbst­gebas­telten Pass­wort-Safe verwendet werden. Wie man einen kosten­losen Pass­wort-Safe auf deut­schem Server einrichtet, haben wir bereits separat beschrieben. Auf der zweiten Seite dieses Arti­kels erläu­tern wir, wie der Pass­wort-Safe direkt aus der Gratis-Soft­ware KeePass per WebDAV in der Telekom-Cloud abge­legt wird - statt der Telekom-Cloud kann man einfach auch einen der vorge­stellten schwei­zeri­schen Dienste mit WebDAV-Unter­stüt­zung nehmen. Da die Pass­wort-Datei nur wenige Kilo­byte groß ist, reicht dafür auch eine Cloud mit einem geringen Gratis-Spei­cher.

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