In der Wolke

Cloud Computing: Daten, Apps, Spiele und ganzer PC im Netz

Die Reali­sierung von Diensten, Spei­cher­platz, Apps und Rechen­leis­tung im Internet bezeichnet man als Cloud Compu­ting. Inzwi­schen werden auch Spiele ins Internet verlegt.
AAA

Cloud Computing: Alles aus dem Internet Cloud Computing: Alles aus dem Internet
Bild: Deutsche Telekom
Schon in den 1980er-Jahren wurde die Wolke als Sinn­bild für das welt­umspan­nende Internet verwendet, doch der Begriff "Cloud Compu­ting" entwi­ckelte sich erst ab Mitte der 1990er Jahre zum Schlag­wort. Unter Cloud Compu­ting versteht man, dass Anwen­dungen, die bislang ledig­lich auf einem einzelnen Computer oder einem lokalen Netz­werk verwendet wurden, ins Internet verlegt werden. Dort sind die dann entweder für alle oder für einen begrenzten Perso­nenkreis von jedem inter­netfä­higen Computer aus verwendbar.

Cloud Compu­ting wird heut­zutage sowohl von privaten Anwen­dern als auch von Geschäfts­kunden ganz selbst­verständ­lich verwendet. Eine wich­tige Voraus­setzung für den Erfolg von Cloud-Anwen­dungen waren natür­lich Breit­band-Inter­netzu­gänge und ein möglichst flächen­deckendes mobiles Internet.

Die meisten Cloud-Dienste werden platt­form­über­grei­fend reali­siert, also ohne Abhän­gigkeit von einem bestimmten Betriebs­system. Für die Verwen­dung des Cloud-Dienstes ist außer der Internet-Verbin­dung ledig­lich ein Internet-Browser oder die Smart­phone-App des entspre­chenden Dienstes erfor­derlich. Cloud Computing: Alles aus dem Internet Cloud Computing: Alles aus dem Internet
Bild: Deutsche Telekom

Vom Cloud-Spei­cher zum Cloud-Laptop

Cloud Compu­ting hat eine inter­essante Entwick­lungs­geschichte hinter sich. Für private Anwender gab es zunächst kosten­lose E-Mail-Dienste, die statt über ein sepa­rates E-Mail-Programm direkt im Browser verwendet werden konnten. Später wurde auch das Online-Banking webba­siert ange­boten statt über eine spezi­elle Banking-Soft­ware.

Als erste wich­tige Cloud-Dienste ange­sehen wurden von privaten Anwen­dern aller­dings Online-Spei­cher­dienste zum Ablegen privater Doku­mente, Musik- und Video­dateien im Internet. Denn damit entfällt das Herum­schleppen von USB-Sticks oder externen Fest­platten. Später wurden Soft­ware-Anwen­dungen wie Office-Programme ins Internet verlegt. Google Docs war einer der Pioniere, der auch Micro­soft dazu zwang, eine webba­sierte Vari­ante von Micro­soft Office anzu­bieten.

Inzwi­schen wurden und werden auch weitere komplexe Anwen­dungen, für die man früher zum Teil teure Soft­ware-Lizenzen erwerben musste, in der Cloud ange­boten. Außer Micro­soft verdienen auch Anbieter wie Adobe mit den ins Internet verlegten Kreativ-Programmen inzwi­schen dadurch Geld, dass sie die Anwen­dungen zu einem monat­lichen Abo-Preis webba­siert reali­sieren. Als Alter­native zu den teuren Abos etablierter Cloud-Dienste gibt es auch vermehrt kosten­lose Cloud-Dienste für Bild- und Musik­bear­beitung, Video­schnitt und Termin­planung, auch viele Messenger-Dienste sind webba­siert verwendbar.

Das führte dazu, dass Google mit Chrome OS sogar ein Betriebs­system für die Chrome­book-Laptops kreierte, auf denen als wich­tigste Soft­ware nur noch der Browser läuft - alle weiteren Anwen­dungen werden über­wiegend in der Cloud genutzt. Auch Smart-Home-Anwen­dungen setzen heut­zutage vermehrt auf die Cloud, wenn beispiels­weise die Über­wachungs­kamera zuhause in regel­mäßigen Abständen Bilder zur Kontrolle in einem Online-Spei­cher ablegt, die dann per Smart­phone-App ange­sehen werden können. In die Cloud lassen sich inzwischen sogar komplette Computer und Netzwerke verlegen. In die Cloud lassen sich inzwischen sogar komplette Computer und Netzwerke verlegen.
Bild: Deutsche Telekom

Komplette Computer und Spiele in der Cloud

Wer wirk­lich viel Rechen­leis­tung benö­tigte, beispiels­weise für Spiele, 3D-Rende­ring oder die Bear­beitung von 4K- und 8K-Videos, musste bislang viel Geld in leis­tungs­fähige Computer inves­tieren. Doch inzwi­schen wird sogar diese Rechen­leis­tung in die Cloud verlegt. Ein Beispiel ist der Dienst Shadow: Hier kann man sich für einen gewissen monat­lichen Preis einen leis­tungs­fähigen Computer in der Cloud mieten, der über das Internet bedient wird.

Spiele-Fans mussten früher für die neuesten Games entweder ständig am Computer schrauben oder die neueste Konsolen-Genera­tion besitzen. Dank Cloud Gaming dürfte dies bald vorbei sein. Zahl­reiche Anbieter haben Dienste für anspruchs­volle Spiele im Internet gestartet - der Gamer braucht außer einem Cloud-Gaming-Abo, Inter­netzu­gang und Fern­seher dafür nur noch einen Game-Controller.

Sicher­heit und Daten­schutz: Zweifel an der Cloud

Auch Unter­nehmen sparen durch die Verle­gung bisher teurer Dienste in die Cloud Kosten und Zeit. Nicht nur Tele­fonan­lagen oder Druck­dienste werden virtua­lisiert und in der Cloud reali­siert. Inzwi­schen lassen sich sogar komplexe Netz­werk­funk­tionen - auch bei Mobil­funk­netzen - in der Cloud reali­sieren.

In den vergan­genen Jahren hat aber zu Recht eine Diskus­sion über die Sicher­heit von Cloud-Anwen­dungen begonnen. Dabei geht es gar nicht nur um unsi­chere Clouds, aus denen Doku­mente gestohlen werden oder auf die Geheim­dienste Zugriff fordern. Werden Dienste für das vernetzte Auto, Tele­medizin oder wich­tige Teile der Infra­struktur wie Strom- oder Wasser­versor­gung in der Cloud reali­siert und diese von Hackern lahm­gelegt, sind Menschen­leben in Gefahr.

Insbe­sondere bei stark sicher­heits­kriti­schen Anwen­dungen gibt es daher inzwi­schen wieder den gegen­läufigen Trend, diese nicht mehr in einer Internet-Cloud anzu­siedeln, sondern in streng vom Internet abge­trennten lokalen Rechen­zentren. Private Anwender sollten sich über­legen, ob sie sensible persön­liche Daten wie Pass­wort­samm­lungen, Gesund­heits­daten oder einge­scannte Pass­doku­mente wirk­lich in einer Cloud spei­chern möchten. Denn immer wieder gibt es erfolg­reiche Hacker-Angriffe auf Cloud-Dienste. Wer einem Miss­brauch seiner Daten vorbeugen will, sollte diese auf jeden Fall vor der Ablage in der Cloud mit einer Soft­ware verschlüs­seln. Dann können Diebe mit den geklauten Daten nichts anfangen.