Stromnetz

Powerline-Access: Wenige Angebote in Deutschland

Power­line-Zugänge sollten eine Alter­native zu DSL- und Kabel-Breit­band-Zugängen werden. Hier lesen Sie, in welchen Regionen es Anbieter gibt und warum sich Power­line als DSL-Ersatz nicht flächen­deckend durch­setzen konnte.
Von Ralf Trautmann / / Susanne Kirchhoff

Powerline-Access: Wenige Angebote in Deutschland Powerline-Access: Wenige Angebote in Deutschland
Fotos: AVM/teltarif.de, Montage: teltarif.de
Die Geschichte von Power­line liest sich wie ein Trau­erspiel: Vier der größten Ener­giever­sorger Deutsch­lands (E.ON, RWE, EnBW und MVV) waren in der Hoff­nung ange­treten, mit der Power­line-Tech­nologie ihre Strom­netze mit dem Mehr­wert Tele­kommu­nika­tion aufzu­peppen. Turbo-Internet mit Daten­raten von anfangs 2 MBit/s und Tele­fonie aus der Steck­dose wurden ange­kündigt - und nicht gelie­fert.

"Letzte Meile" und "funkende Kabel"

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Fotos: AVM/teltarif.de, Montage: teltarif.de
Die Idee, die hinter Power­line steckt, hat auf den ersten Blick durchaus ihren Reiz. Warum nicht das flächen­deckend verbrei­tete Strom­netz mit einem zweiten Nutzen versehen und es zum Kommu­nika­tions­netz machen? Zu Zeiten des Telekom-Mono­pols war dieser Gedanke zwar noch müßig, weil schlichtweg nicht erlaubt. Mit der Dere­gulie­rung des Tele­kommu­nika­tions­markts im Jahr 1998 änderte sich die Situa­tion schlag­artig. Ener­giever­sorgungs­unter­nehmen und Tech­nolo­giefirmen stürzten sich mit Enthu­siasmus in die Aufgabe, funk­tions­tüch­tige Power­line-Systeme zu entwi­ckeln. Voll­mundig wurde ange­kündigt, das Telekom-Monopol auf der "letzten Meile" werde nun einen ernst­haften Konkur­renten bekommen.

Dummer­weise tauchten alsbald massive Probleme auf. Während die Elek­trizität für die Ener­giever­sorgung auf der stan­dardi­sierten Frequenz von 50 Hz durch die Kupfer­adern rauscht, verwendet die Daten­über­tragung mit Power­line wesent­lich höhere Träger­frequenzen im Bereich von 150 kHz bis 30 MHz. Das bringt aber einen äußerst unan­genehmen Neben­effekt mit sich: Die Strom­leitungen werden zu Antennen, deren Stör­felder Funk­diensten - wie Polizei-, Militär- und Amateur­funk - in die Quere kommen können.

Strom­leitungen als Antennen: Unmut der Amateur­funker

Im Lager der Amateur­funker hat Power­line deshalb erbit­terte Feinde gefunden, die die "umwelt­verschmut­zende" Tech­nologie am liebsten verboten sähen. Die Stör­feld-Proble­matik führte dazu, dass der Bundesrat erst im Früh­jahr 2001 die gesetz­lichen Rahmen­bedin­gungen für die kommer­zielle Nutzung der Power­line-Tech­nologie fest­schrieb. Wich­tigste Voraus­setzung: Funk­dienste dürfen nicht gestört werden. Die dama­lige Regu­lierungs­behörde für Tele­kommu­nika­tion und Post (RegTP), seit 2005 Bundes­netz­agentur (BNetzA) genannt, gab in der ab Juli 2001 gültigen Nutzungs­bestim­mung 30 (NB 30) Grenz­werte für erlaubte Stör­feld­stärken vor und machte damit den Weg für Power­line frei.

Ein langes Leben sollte der NB 30 aber nicht beschieden sein. Die EU-Kommis­sion urteilte, die Grenz­werte seien im euro­paweiten Vergleich viel zu streng, hebelte die NB 30 aus und forderte Nach­besse­rung. Heute wird Power­line unter anderem durch das Gesetz über die elek­troma­gneti­sche Verträg­lich­keit von Betriebs­mitteln (EMVG) und die Sicher­heits­funk-Schutz­verord­nung (SchuTSEV) regle­mentiert.

E.ON verab­schiedet sich als Erster

Der Strom­riese E.ON, der im Jahr 2000 noch mit Plan­zahlen von 50 000 Anschlüssen pro Monat gespielt hatte, war aus der Riege der Ener­giever­sorger mit Power­line-Ambi­tionen der Erste, der sich aus dem Geschäft verab­schie­dete. In einem Pilot­projekt hatte die E.ON-Tochter Avacon AG in Helm­stedt die von der - inzwi­schen von der Bild­fläche verschwun­denen - Oneline AG entwi­ckelte Power­line-Tech­nologie erprobt. Im Dezember 2001 wurde das Projekt aufge­geben. Begrün­dung: Die in der Nutzungs­bestim­mung 30 (NB 30) vorge­gebenen Grenz­werte seien so niedrig, dass eine markt­reife Power­line-Lösung noch zwei weitere Jahre Entwick­lungs­zeit erfor­dert hätte.

Bruch­landung für RWEs hoch­flie­gende Pläne

Pünkt­lich zum Erlass der NB 30 im Juli 2001 hatte RWE, der Ener­giekon­zern mit Sitz in Essen, in Essen und Mülheim/Ruhr hoff­nungs­froh das Power­line-Zeit­alter einge­läutet. Die regio­nale Auswei­tung des Power­line-Ange­botes in an die Ener­giever­sorgung von RWE ange­schlos­senen Gebiete sollte folgen, bis zum Jahres­ende sollten 20 000 Kunden gewonnen sein. Der Ener­giekon­zern erlitt mit seinen hoch­flie­genden Plänen aller­dings eine Bruch­landung. RWE hielt noch bis September 2002 durch und zog sich dann mit der sach­lich falschen Aussage, seit den Terror­anschlägen vom 11. September seien die Nutzungs­bestim­mungen verschärft worden und mehr Frequenz­bänder müssten für sicher­heits­rele­vante Dienste frei­gehalten werden, aus dem Aben­teuer Power­line zurück. Dass bis zur Einstel­lung des Dienstes nur etwa 2000 Kunden gewonnen werden konnten, hätte da wohl eher als wahres Motiv für den Ausstieg über­zeugt.

EnBW legt expan­sive Akti­vitäten auf Eis

Die Energie Baden-Würt­temberg AG (EnBW) testete als Power­line-Pionier der ersten Stunde schon seit 1998 in mehreren Pilot­projekten die Praxis­taug­lich­keit der Tech­nologie. Zu einigem Aufsehen kam es im März 2001, als Siemens, der bishe­rige Tech­nolo­gielie­ferant, sich völlig über­raschend aus der Power­line-Tech­nolo­gieent­wick­lung zurückzog. EnBW blieb der Power­line-Idee treu und wech­selte auf den Schweizer Hersteller Ascom. Nachdem im Juli 2001 in Ellwangen das kommer­zielle Power­line-Angebot bei den Strom­kunden der EnBW Ostwürt­temberg DonauRies AG gestartet und im Mai 2002 der Ausbau der Power­line-Infra­struktur abge­schlossen war, wurden alle expan­siven Akti­vitäten auf Eis gelegt - das Unter­nehmen wollte erst einmal genau die Wirt­schaft­lich­keit beob­achten.

Mann­heim ist welt­weit die Nummer eins

Die MVV-Tele­kommu­nika­tions­tochter MAnet führte am 1. Juli 2001 unter dem Produkt­namen Vype das Internet via Power­line in der kurpfäl­zischen Quadra­testadt ein. Mit etwa 125 000 erschlos­senen Haus­halten wurde eine flächen­deckende Versor­gung des Stadt­gebietes erreicht - und das Angebot exis­tiert auch heute noch.

Doch auch in Mann­heim liefen die Geschäfte nicht immer zum Besten. Nachdem bis Anfang 2004 nur 4500 zahlende Kunden gewonnen werden konnten, übergab die MVV das Power­line-Geschäft an die Toch­terfirma Power PLUS Commu­nica­tions AG (PPC).

PPC vermarktet Power­line-Komplett­lösungen

Die von MVV und dem israe­lischen Tech­nikaus­rüster MainNet gegrün­dete PPC vermarktet Power­line-Komplett­lösungen - Feld­tests, Netz­planung, Liefe­rung der Main.net-Tech­nologie und Aufbau von Billing-Systemen inklu­sive - an andere Ener­giever­sorger.

Hieraus entstanden Ange­bote zum Beispiel der Stadt­werke Hameln mit ihrem piper:net - der Name ist dem berühmten Stadt­heroen geschuldet -, der Stadt­werke Haßfurt mit schnell-im-netz und der Gemeinde Hatzen­bühl in Rhein­land-Pfalz mit einem Power­line-Angebot von Vype.

Unsere Ratgeber zu Power­line