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Deutsche Medienbranche hat keine Angst vorm bösen Wolf Netflix

Die deutsche Medienbranche sieht mit Gelassenheit dem Deutschland-Start von Netflix auf dem deutschen Markt entgegen. Denn laut Sky, ProSiebenSat.1 und Zattoo werde der Start von Netflix die Bereitschaft für attraktive Bewegtbild-Inhalte zu zahlen "weiter befeuern".
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Die deutsche Medienbranche reagiert - für einige Beobachter überraschend - teils gelassen, teils sogar positiv auf den Start des globalen Video-on-Demand-Marktführers Netflix in Deutschland. Von einer "Angst vor dem bösen Wolf" ist nichts zu spüren. Am gestrigen Mittwoch hatte das US-Unternehmen per Blogeintrag den Markteintritt zum Jahresende bestätigt.

Sky: Hype um Netflix ist überbewertet

Auf der Anga com wird auch über den Start von Netflix diskutiertAuf der Anga com wird auch über den Start von Netflix diskutiert "Wir brauchen keine Angst vor Netflix haben", sagt Dr. Holger Enßlin, Chief Officer Legal, Regulatory & Distribution bei der Sky Deutschland AG, auf einem Panel zum Thema "Pay TV, On Demand und TV Everywhere - Neue Erlöspotenziale oder Umverteilung?" auf der Fachmesse Anga com. Eher das Gegenteil sei der Fall: Der Start von Netflix werde die Bereitschaft für attraktive Bewegtbild-Inhalte zu zahlen "weiter befeuern". Der Hype um Netflix sei seiner Meinung nach überbewertet, da das Unternehmen vor allem durch einen "Marketing-Gag" rund um die Eigenproduktion "House of Cards" global berühmt wurde. Für den deutschen Markt habe Sky im übrigen die Rechte an allen Staffeln der Serie.

ProSiebenSat.1: Exklusive Inhalte entscheiden über Erfolg

Auch beim Medien­konzern ProSiebenSat.1 reagiert man mit Gelassen­heit: "Wir sind auf den Start von Netflix sehr gespannt, vor allem da wir bereits vor acht Jahren in den Markt eingetreten sind und im Bereich Video-on-Demand-Marktführer sind", sagt Nicole Agudo Berbel - SVP Distribution Sales & Key Account Management bei der ProSiebenSat.1 Media AG. Dazu böte man ein sehr breites Inhaltportfolio an. Sie sieht den Start von Netflix sogar mit Optimismus: "Jetzt ist die richtige Zeit um im Bereich Digitali­sierung voll durch­zu­starten und auch sich zu diversifizieren". ProSiebenSat.1 sei hier sehr gut aufgestellt, da man auf der einen Seite eine Vielzahl exklusiver Inhalte anbietet und mit zahl­reichen Partnern im Video-on-Demand-Sektor zusammen­arbeitet - darunter gehöre auch Netflix selbst.

Auf der anderen Seite verweist sie auf die enge Koppelung an die Free-TV-Sender im Rahmen einer Multichannel-Strategie. Vor allem die Previews auf der eigenen Videoplattform Maxdome vor Aus­strahlung im linearen Fern­sehen würden vom Publikum sehr gut angenommen.

Zattoo: Deutscher Markt nicht mit den USA vergleichbar

Bald startet Netflix auch in DeutschlandBald startet Netflix auch in Deutschland Dr. Niklas Brambring, CEO beim Video­portal­anbieter Zattoo International AG, kann sich kaum vorstellen, dass Netflix den Erfolg in den Vereinigten Staaten auf dem deutschen Markt wiederholen kann. Obwohl "jeder in den USA jemanden kennt, der Fernsehen über Netflix konsumiert und nicht mehr über Kabel schaut" sei der US-Markt nicht mit dem deutschen vergleichbar.

Einerseits gewinne das Thema IPTV in den Vereinigten Staaten - auch abseits von Netflix - massiv hinzu, während die Kabel­betreiber Kunden verlieren. "90 Prozent was Netflix in den USA getan hat, ist daher on top". Andererseits sei Kabelfernsehen in den USA "richtig teuer", daher sei es gut nachvollziehbar, wenn ein Kunde sagt er wolle "keine 60 Dollar mehr für Kabel­fernsehen zahlen und lieber über Netflix schauen." In Deutschland dagegen sei Fernsehen ver­gleichs­weise preis­günstig. Daher sei kaum zu erwarten, "dass die Deutschen nun nicht mehr klassisch fernsehen, nur weil es jetzt Netflix gibt."

Was Netflix bietet, haben wir in einer eigenen Meldung für Sie zusammengefasst.

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