Medienforum NRW

Kontroverse Diskussion um Deutschland-Start von Netflix

Der Deutschland-Start von Netflix sorgt für kontroverse Diskussionen. Eine der Forderungen: Das Kartellrecht muss erleichtert werden, damit deutsche Unternehmen dem US-Unternehmen Paroli bieten können.
Von mit Material von dpa
Kommentare (129)
AAA
Teilen (1)

Wie stark verändert der Deutschland-Start der US-Video­plattform Netflix den TV-Konsum in Deutschland? Mit dieser Frage beschäftigen sich nicht nur die privaten deutschen Content-Anbieter, sondern auch die Öffentlich-Recht­lichen und die Medien­politik. Die Branche fordert auf der einen Seite Er­leichterungen beim Kartell­recht, um dem US-Unter­nehmen Paroli zu bieten. Auf der anderen Seite stellt sich allerdings die Frage, ob Netflix nicht generell über­bewertet wird.

Große, senderübergreifende Plattformen scheitern am Kartellrecht

Das Angebot von Netflix ist großDas Angebot von Netflix ist groß Die deutschen Kartell­wächter haben dem amerikanischen Ver­anstalter nach Ansicht großer Fern­seh­sender geradezu den roten Teppich aus­gerollt. Sowohl eine private Allianz von Mediengruppe RTL und ProSiebenSat.1 als auch eine der Öffentlich-Rechtlichen mit dem Projekt "Germany's Gold" seien erst jüngst am deutschen Kartell­recht gescheitert, sagte der Geschäfts­führer der WDR Media­group, Michael Loeb, am Mittwoch beim Medienforum NRW in Köln, das parallel mit der Fachmesse Anga Com stattfindet. "Eine große sender­über­greifende Platt­form für deutsches Fernsehen ist vor dem Markt­eintritt von Netflix nun nicht mehr möglich."

Die Politik müsse ein "Korrektiv im Kartellrecht" schaffen, um Kooperationen unter Privaten und Öffentlich-Rechtlichen bei Video-Platt­formen zu erleichtern, forderte WDR-Mann Loeb. Zurzeit sei es "internationalen Anbietern wie Netflix möglich, den Nutzern weitaus breitere und günstigere Angebote zu präsentieren als die nationalen Anbieter das können, die aufgrund der kartell­rechtlichen Auflagen solche attraktiven, wett­bewerbs­fähigen Angebote nicht am Markt platzieren können". US-Senderketten könnten zudem "Werbe­einbußen im Gegensatz zu deutschen Anbietern mit der gemeinsamen Plattform Hulu ausgleichen".

Die Wett­bewerbs­lage schade dem Medien­standort Deutschland, sagte der Beauftragte für digitale Strategien beim ZDF, Robert Amlung: "Aus Nutzer­sicht ist es wahrscheinlich am Schluss relativ egal, wenn die großen Player aus den USA einen guten Job machen". Aber der Effekt sei, "dass einfach ein Teil des Kuchens über den Teich wandert und eben nicht in Deutschland bleibt. Und das kann eigentlich nicht im Interesse des Medien­standorts sein."

Sucht sich Netflix Kooperationspartner für den deutschen Markt?

Allerdings gehen die Meinungen auch auseinander, ob Netflix überhaupt als allein­stehender Anbieter und ohne Kooperation mit einem oder mehreren anderen Content-Anbietern auf dem deutschen Markt bestehen kann. In Schweden hat Netflix bereits fast eine Million Abonnenten; das sind rund zehn Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig haben dort viele ihren Kabel­anschluss gekündigt. Allerdings ist Schweden ein klassischer Pay-TV-Markt. Einziger ernst­zu­nehmender Ver­anstalter ist die französische Canal+ Gruppe. Große Free-TV-Sendergruppen wie RTL und ProSiebenSat.1 in Deutschland gibt es hier nicht, damit hat es ein neuer Anbieter viel leichter, wie auch Kongress-Teilnehmer auf der Fachmesse Anga Com konstatierten.

Hinzu kommt, dass sich andere Veranstalter alle wichtigen Rechte für Deutschland bereits gesichert haben. RTL, ProSiebenSat.1 und Sky haben Verträge mit allen wichtigen Filmstudios - auch über Blockbuster. Selbst für die Netflix-Eigenproduktion "House of Cards" liegen die Rechte für den deutschen Markt nicht bei Netflix sondern bei Sky Deutschland. Nach bisherigem Stand der Dinge dürfte Netflix sein Aus­hänge­schild also erst ein halbes Jahr nach dem Deutschland­start auf der eigenen Platt­form ausstrahlen.

Nicht aus­zuschließen ist also, dass Netflix sein Angebot in Deutschland gar nicht alleine starten wird, sondern im Rahmen einer Kooperation mit einem anderen Unternehmen, um so auch an wichtige Rechte heran­zukommen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, zumindest auf der Anga Com haben Fachbesucher alle möglichen Varianten ins Spiel gebracht: Netflix als Angebot der Deutschen Telekom oder Kabel Deutschland/Vodafone, eine Fusion von Netflix mit dem ProSiebenSat.1-Videoportal Maxdome, oder Netflix als zusätzlicher Bestandteil der Sky-Plattform. Die Fragen, ob und mit welchen potenziellen Partnern, welcher Preis­gestaltung, Programmierung sowie unter­stützten Geräten Netflix in Deutschland startet, dürften spätestens im vierten Quartal 2014 eine Antwort finden.

Teilen (1)

Mehr zum Thema Anga Com